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Niedersachsen Onlinehändler aus Seelze setzt erfolgreich auf Lebensmittel
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Onlinehändler aus Seelze setzt erfolgreich auf Lebensmittel
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13:16 21.10.2010
Von Helmuth Klausing
Mit Füllmaterial verhindert Tanja von Glischinski, dass die Waren zerdrückt werden.
Mit Füllmaterial verhindert Tanja von Glischinski, dass die Waren zerdrückt werden. Quelle: Martin Steiner
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Spontane Begeisterung klingt anders: Als Stefan von Glischinski seiner Frau Tanja von seinem Wunsch erzählte, einen Onlinesupermarkt zu eröffnen, war ihre erste Reaktion: „Haste noch ’ne andere Idee?“ Heute, zweieinhalb Jahre später, ist aber auch sie längst davon überzeugt, dass es der richtige Schritt war.

Ihr Food-Shop 24 habe noch keine roten Zahlen geschrieben, sagt die Chefin stolz, selbst in der nicht leichten Anfangszeit blieb immer ein – zuweilen wohl auch mal kleinerer – Gewinn. War der Onlinesupermarkt anfangs nur als zweites Standbein gedacht, kann die Familie mit ihren drei Kindern inzwischen von dem Geschäft leben. Nur Tanja von Glischinski arbeitet nebenher halbtags noch woanders als Bürokraft.

Das Internet ist längst zum Einkaufsnetz geworden. Bei Büchern, Elektronikartikeln oder Kleidung ist der Onlinekauf für viele Kunden Alltag. Warum aber sollte man jetzt anfangen, auch Lebensmittel dort zu bestellen? Die Gründe ihrer Kunden seien überraschend vielfältig, sagt Tanja von Glischinski: Der eine möchte schlicht Zeit sparen oder hasst es, im Supermarkt an der Kasse Schlange zu stehen. Andere wollen keine schweren Einkäufe nach Hause tragen müssen. Büros brauchen keinen Mitarbeiter mehr während der Arbeitszeit loszuschicken, um etwa Kaffee, Haushaltstücher oder Toilettenpapier zu besorgen.

Gerade auf dem Land hätten viele Menschen aber auch keinen Laden mehr um die Ecke, erläutert von Glischinski. Das sei offenbar in Ostdeutschland oft ein Problem, bei dem der Food-Shop 24 hilft. Eine Kundin könne wegen ihrer Angstpsychose das Haus nicht verlassen. Manchmal bestellen auch Verwandte aus den USA oder Australien Waren für ihre in Deutschland lebenden Eltern, denen der Einkauf schwer fällt. Und viele Bundeswehrsoldaten lassen sich nach Afghanistan schicken, was es dort nicht gibt: Spirituosen und Pizza-Zutaten.

Sie alle stören sich nicht daran, dass die Waren im Onlinesupermarkt stets etwas teurer sind, als wenn sie selbst zum Einkaufen losgehen würden. „Wir erbringen schließlich eine Dienstleistung“, sagt von Glischinski, und das habe immer seinen Preis. „Dafür bekommen die Kunden ihre Waren ja auch bequem an die Haustür geliefert.“ Hinzu kommen die Versandkosten von derzeit 6,90 Euro je Paket, das dafür aber auch bis zu 31,5 Kilogramm wiegen darf.

Was der Food-Shop 24 verschickt, wird im Marktkauf in Seelze eingekauft. Dort darf der Onlinesupermarkt eine Ecke im Lager nutzen, um dort die vorher regulär bezahlten Waren in Kartons zu verpacken. Beide profitieren: Der reale Supermarkt steigert seinen Umsatz über die Grenzen Seelzes hinaus – und dem virtuellen Supermarkt helfen die kurzen Transportwege dabei, die Frische der Lebensmittel zu erhalten.

Selbst die Kühlkette etwa für Milchprodukte werde nicht unterbrochen, betont von Glischinski. Spezielle Styroporboxen mit Kühlkissen hielten die Waren bis zu 36 Stunden kalt. Tiefkühlprodukte habe man allerdings bewusst nicht im Angebot, sagt von Glischinski. Und gekühlte Ware werde auch nicht am Freitag verschickt. Falls sie doch erst am Montag bei den Kunden ankommen sollte, wolle man kein Risiko eingehen.

Sorgfalt lässt von Glischinski nicht nur beim Auswählen von Obst und Gemüse walten – „Es kommt nichts in den Karton, das ich nicht auch für mich selbst kaufen würde“ –, auch beim Verpacken herrscht Vorsicht. Milchkartons seien gar nicht so widerstandsfähig, wie sie aussähen, seufzt von Glischinski. Auch Bierflaschen sollen heil ankommen, Tomaten nicht zerdrückt werden. Inzwischen sei das problemlos möglich. Jede Menge Verpackungsmaterial – von zusätzlichen Kartons für druckempfindliches Obst etwa bis hin zu Füllmaterial aus großen Säcken, das das Verrutschen der Waren verhindert – steht zur Verfügung.

Gut 7000 Kunden haben sich beim Food-Shop 24 bereits angemeldet. Tatsächlich seien es aber noch sehr viel mehr, sagt von Glischinski. Seit man auch über das Internetkaufhaus Amazon beim Food-Shop 24 bestellen könne, seien unzählige neue Kunden hinzugekommen. Amazon habe sehr geholfen, um bekannter zu werden. Heute verschicken von Glischinski und ihre vier Teilzeitpacker jeden Tag 60 Pakete. Es sollen aber noch mehr werden.