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Niedersachsen Freie Fahrt für Papenburg
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00:15 09.01.2014
Von Alexander Dahl
Neues Ziel - Mongolei: Unternehmer Günter Papenburg soll das Straßennetz des Landes ausbauen. Quelle: Ralf Decker
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Hannover

Wer in der Mongolei Waren ausliefern will, muss oft vor allem eines mitbringen: viel Geduld. Etwa ein Drittel der Fracht wird in dem riesigen Land zwischen Russland und China immer noch mit Kamelen transportiert. Doch das soll sich ändern. Die mongolische Regierung will eine moderne Infrastruktur errichten – mit niedersächsischer Hilfe, durch das Bauunternehmen Günter Papenburg AG aus Hannover.

Vor einigen Tagen war der stellvertretende Regierungschef der Mongolei, Dendev Terbishdagva, in Niedersachsens Landeshauptstadt zu Gast. Zunächst wurde der Bau einer etwa 50 Kilometer langen Zubringerautobahn zwischen der Hauptstadt Ulan Bator und dem Chinggis Khaan International Airport vereinbart. Doch die Pläne der Regierung gehen viel weiter. Laut Terbishdagva werden weitere 5600 Kilometer Eisenbahnstrecken und 1800 Kilometer Autobahn benötigt, um das Land wirtschaftlich zu entwickeln. „Deutsche Technik und deutsche Qualität gefallen uns dafür am besten“, sagt er. Derzeit verfügt das Land nur über etwa 1800 Kilometer Bahngleise und etwa 6500 Kilometer Straßen, von denen aber nur rund 2600 Kilometer eine feste Fahrbahndecke haben.

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Mit der Papenburg AG holen die Mongolen ein Unternehmen ins Boot, das in der Region bereits einen guten Namen hat. In Kasachstan, Usbekistan und Aserbaidschan ist Papenburg seit vielen Jahren aktiv; zahllose Straßen und andere Infrastrukturprojekte hat die Firma hier gebaut. So errichtete Papenburg allein im vergangenen Jahr 100 Kilometer Autobahn in Kasachstan und Usbekistan; weitere 80 Kilometer sind in Verhandlung. Schon zuvor wurden Schnellstraßen zwischen Buchara und Gunzar (Usbekistan) sowie Astana und dem Kurort Borowoja (Kasachstan) gebaut. Hinzu kommen diverse Einkaufszentren in Mittelasien und andere Projekte mehr; bis zu 100 Millionen Euro setzt die Papenburg AG in der Region im Jahr um.

„Wir bieten Qualität nach europäischen Standards, denn auch die Mongolei möchte weg vom russischen Qualitätsniveau – nicht nur, aber auch im Straßenbau“, sagt Firmenchef Günter Papenburg. Mit den extremen klimatischen Verhältnissen in der Region – nachts kann Frost bis zu minus 40 Grad herrschen, im Sommer Hitze von bis zu 40 Grad – ist die Papenburg AG längst vertraut. Gebaut werden daher Betonautobahnen, die im Gegensatz zu solchen mit Bitumendecke starke Temperaturschwankungen besser verkraften und daher länger halten.

In dem Land, in dem etwa ein Drittel der Menschen in Armut lebt, kann Papenburg noch einen weiteren Vorteil geltend machen. Anders als etwa chinesische Unternehmen, die ihre Arbeitskräfte aus China mitbringen, will Papenburg auch in der Mongolei mit einheimischen Kräften arbeiten. „Die Ausbildung der Menschen vor Ort hat sich bewährt und hilft dem Land, sich auch in Zukunft wirtschaftlich zu entwickeln“, sagt er. Auch Rohstoffe hat die Mongolei genug, sie gilt als eines der zehn rohstoffreichsten Länder der Welt. Und sie hat hohes Potenzial: Derzeit sind die Lagerstätten nur zu einem Drittel geologisch erschlossen. Wie die Rohstoffe für den Straßenbau verarbeitet werden, sollen sich mongolische Fachleute in diesen Tagen unter anderem in Papenburgs Betonwerken in Sachsen-Anhalt ansehen.

So erfolgreich wie als Bauunternehmer ist Papenburg auch als Netzwerker. Seit vielen Jahren reiht er sich gern in die Delegationen ein, wenn niedersächsische Landes- oder Bundespolitiker in die Nachfolgestaaten der Sowjetunion reisen. Mit vielen Persönlichkeiten verbindet ihn eine langjährige Freundschaft – etwa mit Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), dem ehemaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU), dem früheren Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) oder Heino Wiese, dem früheren SPD-Bundestagsabgeordneten aus Hannover, der seit einigen Jahren mit seiner Politikberatungsgesellschaft Wiese Consult ebenfalls in den GUS-Staaten aktiv ist.

Wenn Papenburg von der Zukunft redet, erwähnt er gern „weitere große Projekte“. Wie diese aussehen könnten, darüber hat der stellvertretende mongolische Regierungschef Terbishdagva schon recht genaue Vorstellungen. Bisher ist die Transmongolische Eisenbahn – ein Teilstück der Transsibirischen Eisenbahn zwischen Moskau und Peking – das wichtigste Transportmittel des Landes. Sie soll nun ausgebaut werden. Die Mongolei denkt daran, die Linienführung zu begradigen, die Technik zu modernisieren und damit die Bahn für den Warentransport bis nach Mitteleuropa fit zu machen. 

„Fracht aus Fernost benötigt bisher etwa 45 Tage per Schiff bis Hamburg; mit einer modernen Transitstrecke könnte sich die Zeit auf acht bis zehn Tage verkürzen“, sagt Terbishdagva. Deutschland und die Mongolei würden sich auf diese Weise ein Stück näher kommen. Kulturell sind sie das übrigens schon: Weil viele Mongolen zur sozialistischen Zeit in der DDR studierten, sprechen heute etwa 35 000 Menschen dort deutsch; immerhin etwa ein Prozent der fast 3,2 Millionen Einwohner. Keine schlechte Voraussetzung für Wirtschaftskontakte.

Das Phänomen Papenburg

Günter Papenburg machte sich 1963, vor gut 50 Jahren, als Fuhrunternehmer und Baustofflieferant selbstständig – mit einem gebrauchten Krupp-Lastwagen und einer Hanomag-Planierraupe. Der Sohn eines Kleinunternehmers aus der Wedemark (Region Hannover) war damals erst 24 Jahre alt. Die Geschäfte liefen so gut, dass er 1977 mit einer eigenen Gesellschaft in den Straßentiefbau einstieg. 1986 übernahm Papenburg ein Drittel der Anteile an der hannoverschen Baumaschinenfabrik Hanomag, verkaufte diese jedoch 1996 an den japanischen Konzern Komatsu. Nach 1990 gelang ihm ein großer Expansionssprung mit der Übernahme diverser Firmen in den neuen Bundesländern. Heute ist das Unternehmen unter anderem in den Bereichen Baustoffe, Straßenbau sowie Abfall-Recycling aktiv, auch Betonwerke und Maschinenfabriken gehören ihm. In Wunstorf modernisiert er den Fliegerhorst. In den 31 Tochtergesellschaften und Betriebsteilen werden derzeit etwa 3000 Mitarbeiter beschäftigt und rund 600 Millionen Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet. Papenburg selbst ist zudem Eigentümer der TUI-Arena in Hannover. Sein Bauunternehmen führt der mittlerweile 74-Jährige gemeinsam mit seinem Sohn, Klaus Papenburg, und seiner Tochter, Karin Hardekopf. Auch karitativ ist er engagiert. Erst im Juni 2013, im Jubiläumsjahr seiner Firma, spendete er bei einer Gala 500 000 Euro für Opfer der Elbeflut.  dl

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