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Niedersachsen Pelikan schließt Herlitz-Kauf ab
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Pelikan schließt Herlitz-Kauf ab
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15:58 08.04.2010
Von Lars Ruzic
Pelikan-Produktion in Peine-Vöhrum Quelle: Victoria Behr
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In der Nacht zu Mittwoch ist die Annahmefrist für die Aktien des Papier-, Büro- und Schreibartikelunternehmens abgelaufen, ohne dass die verbliebenen Anteilseigner gesteigertes Interesse an dem Übernahmeangebot gezeigt haben. Bis Dienstagvormittag waren Pelikan lediglich rund 2,5 Prozent der Papiere angedient worden, berichtete die malaysische Mutter des hannoverschen Traditionshauses in einer Börsenmitteilung.

Allerdings hatte sich Pelikan bereits im November 2009 mit dem vorherigen Herlitz-Großaktionär Advent auf die Übernahme seines Aktienpakets geeinigt, das zwei Drittel aller Anteilsscheine umfasst. Seinerzeit hatte der Konzern noch zu einer Bedingung für den Vollzug der Übernahme gemacht, dass er am Ende mehr als 75 Prozent der Anteile hält. Als sich angesichts eines niedrigen Angebotspreises von 1,90 Euro pro Aktie ein geringes Interesse an der Offerte abzeichnete, machte Pelikan einen Rückzieher.

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Eine Dreiviertelmehrheit ermöglicht den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags, der das Übernahmeziel zum reinen Befehlsempfänger macht. Mit der sich nun abzeichnenden Beteiligung von etwas weniger als 70 Prozent verfügt Pelikan auf Herlitz-Hauptversammlungen aber auch so über eine ausreichende Mehrheit.

Nachdem das Bundeskartellamt dem Geschäft bereits Ende März zugestimmt hat, ist mit dem Ende der Angebotsfrist der letzte wichtige Schritt zur Übernahme getan. Beide Seiten wollen nun gemeinsam die Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten. Bislang hatten sie sich dazu bedeckt gehalten. Zusammen kommen beide Konzerne auf 4500 Mitarbeiter und einen Umsatz von fast 600 Millionen Euro. Konzernchef und Großaktionär Loo Hooi Keat hat unlängst in die Umsatz-Milliarde als Ziel für 2012 ausgerufen. Die Fusion werde Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Partner verbessern und damit die Gesamtprofitabilität erhöhen, hieß es in der Angebotsunterlage. Das Management von Herlitz klang bislang weniger euphorisch. Es konnte sich zu einer Verkaufsempfehlung an seine Aktionäre auch dann noch nicht durchringen, als Pelikan die Annahmebedingungen fallen ließ.

Am Gründungssitz in Hannover, heute Europa- und Deutschlandzentrale des Konzerns, sowie im wichtigsten Werk in Vöhrum bei Peine beschäftigt Pelikan rund 500 Mitarbeiter. Wie ihre Zukunft in dem neuen Verbund aussieht, ist noch unklar. Allerdings verlieren 100 Beschäftigte eines Logistikdienstleisters in Hannover durch den Zukauf ihren Job. Pelikan hat dem Betrieb gekündigt, weil der Konzern mit Herlitz auch ein modernes Logistikzentrum bei Berlin übernimmt.

Pelikano-Produktion in Vöhrum.Behr

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