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Niedersachsen Pharmakonzern Abbott verärgert Mitarbeiter mit Sonderzahlungen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Pharmakonzern Abbott verärgert Mitarbeiter mit Sonderzahlungen
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19:39 21.01.2011
Von Jens Heitmann
Abbott wirbt mit Pioniergeist für sich – die Mitarbeiter in Hannover möchten dafür Belege sehen.
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Nach der Übernahme der Arzneimittelsparte vom Konkurrenten Solvay behandelt der Pharmakonzern die Mitarbeiter offenbar sehr unterschiedlich. Während das US-Unternehmen am Standort Hannover einerseits knapp 300 von 800 Stellen streichen will, sollen andere Mitarbeiter mit „Halteprämien“ an den Konzern gebunden werden – die Rede ist von Zahlungen bis zur Höhe eines Jahresgehalts. Dem Vernehmen nach können rund 70 Mitarbeiter mit den Zuweisungen rechnen.

Innerhalb der Belegschaft sorgen die Prämien für massive Verärgerung, zumal sie vom Unternehmen nicht begründet werden. Die Begünstigten habe man zum Stillschweigen aufgefordert, anderenfalls würden die Sonderzahlungen einbehalten, verlautete aus Kreisen des Unternehmens. Die Prämien sind offenbar nicht nur leitenden Angestellten vorbehalten, „nach welchen Kriterien die ausgezahlt werden, weiß hier kein Mensch“, sagte ein Mitarbeiter. Eine Abbott-Sprecherin wollte am Freitag zu den Prämien keine Stellung nehmen.

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Unterdessen haben die vom Betriebsrat engagierten Unternehmensberater Wilke, Maack und Partner Consult ihr Alternativkonzept zum geplanten Arbeitsplatzabbau vorgelegt. Wie Teilnehmer der gestrigen Betriebsversammlung berichteten, sehen die Hamburger Analysten gute Chancen, etwa ein Drittel der Stellen zu erhalten, die der Konzern streichen will.

An die 40 Beschäftigte könnten künftig als Selbstständige im Auftrag von Abbott arbeiten, beispielsweise im Bereich der Analytik, also der Untersuchung von chemischen Substanzen oder Bodenproben, heißt es in dem Gutachten. Nötig sei allerdings, die betreffenden Mitarbeiter auf die für sie neue Unabhängigkeit vorzubereiten, sagte die Betriebsratsvorsitzende Gabriele Zielke: „Ich erwarte von dem Unternehmen, dass es seiner sozialen Verantwortung gerecht wird.“

Weitere 40 Angestellte könnten ihren Arbeitsplatz behalten, wenn sich Abbott davon überzeugen ließe, bestimmte Aufgaben am Standort zu belassen. Die Unternehmensberater denken hier insbesondere an eine bessere Betreuung des größten Umsatzbringers Kreon, eines Verdauungsmedikaments auf Enzymbasis, das im Werk in Neustadt hergestellt wird. Von den dortigen 275 Beschäftigten soll nach Angaben von Abbott keiner seinen Job verlieren.

Sinnvoll sei es darüber hinaus, bestimmte Serviceleistungen von Solvay zurückzuholen. Die beiden Unternehmen nutzen den gleichen Standort an der Hans-Böckler-Allee in Hannover. Das belgische Unternehmen hat seine Deutschland-Zentrale in der Landeshauptstadt belassen und übernimmt für Abbott Verwaltungsaufgaben, etwa im Rechnungswesen. Im Sommer laufen diese Verträge aus, Abbott könnte die Aufgaben dann selbst übernehmen.

Wie aus dem Unternehmen verlautete, will die Geschäftsführung in der kommenden Woche zu dem Alternativkonzept Stellung nehmen. In der Belegschaft zweifelt man allerdings daran, dass die Manager in Hannover einen großen Entscheidungsspielraum haben, die Vorgaben aus derKonzernzentrale in Chicago seien in der Regel streng formuliert, hieß es.

Die Arbeitnehmervertreter wollen den geplanten Stellenabbau nicht einfach so hinnehmen. „Wenn sich Abbott nicht bewegt, kann alles Mögliche passieren“, erklärte Betriebsratschefin Zielke. „Wir schließen da nichts aus.“