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Niedersachsen Pleitewelle rollt auf Reeder zu
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Pleitewelle rollt auf Reeder zu
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21:33 02.04.2013
„Vorteile für deutsche Reeder“: Die Branche glaubt an einen baldigen Aufschwung.dpa
„Vorteile für deutsche Reeder“: Die Branche glaubt an einen baldigen Aufschwung. Quelle: dpa
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Hamburg

Mehr als 100 Schiffe seien bereits in die Pleite gefahren. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten werde die deutsche Handelsflotte kleiner, berichtete der Hapag-Lloyd-Chef. Allein im letzten Quartal des vergangenen Jahres seien 27 Schiffe verschrottet worden, dreimal so viele wie gewöhnlich. Zu Beginn des Jahres fuhren rund 3670 Schiffe unter deutschem Management, das sind 110 weniger als ein Jahr zuvor.

Die Bundesregierung, Branchenvertreter und Gewerkschafter treffen sich in der nächsten Woche zur 8. Maritimen Konferenz in Kiel. Er erwarte von der Politik klare Signale, dass die Schifffahrtsförderung mindestens auf dem bisherigen Niveau fortgesetzt werde, sagte Behrendt. Zudem forderte er einen durchgreifenden Bürokratieabbau bei der Verwaltung der deutschen Flagge.

Vor allem aber müssten die Finanzierungsbedinungen verbessert werden: Schiffe sollten bei Kreditverhandlungen zu ihrem langfristigen Wert beliehen werden dürfen, so wie Immobilien und Flugzeuge. „Dann hätten die Banken mehr Spielraum, um Fortführungskonzepte zu ermöglichen“, sagte Behrendt. Zurzeit sind die Schiffe wegen der schlechten Auslastung als Sicherheit kaum etwas wert. Für Erleichterungen bedürfe es nicht einmal eines Gesetzes, sondern nur der Akzeptanz durch die Finanzaufsicht.

„Die deutschen Reeder arbeiten daran, die Marktsituation zu verbessern“, sagte Behrendt. Seit Beginn der Krise hätten sie praktisch keine neuen Schiffe mehr bestellt; das Orderbuch sei von 1300 auf 200 Schiffe zusammengeschrumpft. Nach seiner Überzeugung wird die Flaute bald vorbei sein. Bis 2017 könne der weltweite Containerverkehr „nach konservativen Prognosen“ um 27 Prozent wachsen, während die Flotte schrumpfe. „Angebot und Nachfrage bewegen sich also eindeutig wieder aufeinander zu“, sagte Behrendt. „Auch deutsche Reeder werden Vorteile aus der Entwicklung ziehen.“ Fraglich sei allerdings, ob die mittelständischen Reedereien mit wenigen Schiffen die kommenden Monate noch überbrücken könnten. Die in Deutschland stark verbreiteten Charterreedereien sind von der schwachen Nachfrage besonders betroffen, weil sie wie Subunternehmer der großen Linienreedereien agieren. Bei schwächerem Geschäft lasten die Linienreedereien vorrangig ihre eigenen Schiffe aus. dpa

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