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Niedersachsen Porsche hat „keine Angst vor Hexen“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Porsche hat „keine Angst vor Hexen“
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21:17 17.06.2009
Von Stefan Winter
Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch sind die Finanzrisiken seiner Firma offenbar "auch nicht so recht klar."
Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch sind die Finanzrisiken seiner Firma offenbar "auch nicht so recht klar." Quelle: David Hecker/ddp
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Doch die Gespräche stockten früh, und nach Wolfsburger Darstellung immer am gleichen Hindernis: Porsche sei nicht bereit, seine Finanzrisiken offenzulegen. Von denen sagte Ferdinand Piëch, immerhin Miteigentümer, ihm seien sie auch nicht so recht klar.

Klar ist immerhin, dass Porsche in den vergangenen Wochen bei rund einem Dutzend Banken Kredite über mehr als 10 Milliarden Euro aufgenommen hat. Dabei ging es zum Teil um Anschlussfinanzierungen, zum Teil um neuen Finanzbedarf. Das Geld war gebraucht worden, um die VW-Beteiligung zur Mehrheit auszubauen. Besichert sind die Kredite mit VW-Aktien. Darüber hinaus hat Porsche bei der Staatsbank KfW einen Kredit über 1,75 Milliarden Euro beantragt, der zur vorübergehenden Finanzierung des laufenden Geschäfts gebraucht werde. Über diesen Antrag ist noch nicht entschieden.

Um diesen Teil des Problems macht Porsche kein großes Geheimnis. Völlig im Nebel liegen jedoch die Risiken aus Optionsgeschäften mit VW-Aktien – und die meinte auch Piëch mit seiner Bemerkung. Porsche hat den Preis für seine Aktienkäufe bei VW im großen Stil mit Optionen abgesichert und damit dank des rapiden Kursanstiegs vorübergehend hohen Gewinn eingestrichen. Inzwischen haben sich die Verhältnisse geändert, aber die Stuttgarter dürften nach wie vor Optionen auf rund 25 Prozent der VW-Stammaktien besitzen – schließlich wollten sie sich einmal 75 Prozent von VW sichern. Einige Analysten vermuten in diesen Termingeschäften Risiken in Höhe mehrerer Milliarden Euro.

Börsianer blicken nun gespannt auf den kommenden Freitag. Es ist ein sogenannter Hexensabbat, der Verfallstermin mehrerer Arten von Optionsgeschäften. Hartnäckig halten sich Spekulationen, dass an diesem Tag, der oft massive Kursausschläge bringt, der Kurs der VW-Aktie unter Druck geraten könnte.

Weil Porsche seine Geschäfte nie offengelegt hat, kann nur spekuliert werden. Haben die Stuttgarter mit Banken Kaufoptionen abgeschlossen, müssen sie die Aktien irgendwann zum festgelegten Preis abnehmen, hätten im Moment aber wohl Probleme mit der Finanzierung. Ist der Sportwagenbauer im Besitz von Verkaufsoptionen und sind diese nicht durch entsprechende Gegengeschäfte abgesichert, kommt es auf die Kursentwicklung der VW-Aktie an. Steigt der Kurss, macht Porsche Verlust.

Optionen können allerdings auch außerbörslich abgeschlossen werden. Ein Porsche-Sprecher wies denn auch darauf hin: „Wir sind nicht an der Terminbörse Eurex engagiert und auch niemand in unserem Auftrag. Und wir sehen keinen negativen Einfluss auf unsere Liquiditätssituation.“ Und er fügte hinzu: „Wir haben keine Angst vor Hexen."