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Niedersachsen Preise für
 Getreide
 im Keller
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Preise für
 Getreide
 im Keller
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22:06 18.01.2010
Von Carola Böse-Fischer
2009 gab es eine gute Ernte, aber schlechte Preise, deshalb schränken die Landwirte in diesem Jahr den Getreideanbau ein.
2009 gab es eine gute Ernte, aber schlechte Preise, deshalb schränken die Landwirte in diesem Jahr den Getreideanbau ein. Quelle: Surrey
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Ende März könnte könnte endlich etwas Bewegung in den Handel mit Getreide kommen, wie Konrad Weiterer, Vorsitzender des privaten Agrargewerbes Niedersachsen (agw) sagt. Derzeit sei das Geschäft auch wegen des Winterwetters, das den Transport mit Lastwagen erschwere, flau, die Preise seien im Keller.

Viele Bauern haben daher noch einen großen Teil ihrer Ernte eingelagert. Weiterer, auch Sprecher des Landhandelsunternehmens Weiterer in Algermissen, schätzt, dass noch etwa die Hälfte der letztjährigen Ernte in den Lagern liege. Das wären in Niedersachsen rund 3,4 Millionen Tonnen. Vor einem Jahr lagerte nur rund ein Drittel der Ernte in den Silos. Insgesamt waren 2009 in Deutschland knapp 50 Millionen Tonnen Getreide geerntet worden.

Die Landwirte warteten beim Verkauf an den Landhandel ab in der Hoffnung, dass die Preise wieder anzögen, erklärt der agw-Chef. Das sei aus ihrer Sicht verständlich, denn die gute Ernte 2009 sei für die Bauern mit hohen Kostenbelastungen einhergegangen. Extrem hoch seien vor allem die Einkaufspreise für Dünger gewesen, sie seien inzwischen gesunken. Zurzeit bekommen die Bauern in Niedersachsen nach Angaben von Weiterer rund 115 Euro für die Tonne Weizen. Vor einem Jahr waren es noch 10 Euro mehr, und 2007 im weltweiten Agrarboom erlösten sie sogar Preise von bis zu 300 Euro je Tonne in der Spitze. Damals wurden als Folge der Rekordpreise die Anbauflächen für Getreide weltweit ausgedehnt – und damit der Keim für den darauffolgenden Niedergang der Getreidepreise gelegt.

Die Konsequenz: In diesem Jahr werden die Anbauflächen wieder eingeschränkt. Allerdings gilt das nicht für jede Ackerfrucht. In Deutschland etwa werden 2010 sogar etwa 3 Prozent mehr Weizen und 1,5 Prozent mehr Raps angebaut, wie der Getreidespezialist berichtet. Dagegen würden die Flächen für die vom Preisverfall noch stärker betroffene Gerste, die dem Landwirt gegenwärtig gerade noch 94 Euro für die Tonne bringe, um 8,4 Prozent verringert. Der Roggenanbau werde mit 14 Prozent noch stärker zurückgefahren. Auch Triticale, eine Mischung aus Weizen und Roggen, werde weniger angebaut.

Die Agrarbörsen haben die Anbauverringerung bereits „eingepreist“. Um 8 bis 10 Euro je Tonne liegen laut Weiterer die Kurse für Kontrakte der neuen Ernte höher als für die alte. Die Landwirte hofften, dass dadurch die Getreidepreise nun insgesamt etwas mit nach oben gezogen würden. Dagegen spricht allerdings, dass das Getreideangebot derzeit größer ist als der Verbrauch hierzulande – und im Export vermarktet werden muss.