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Niedersachsen Privatpatienten dürfen schneller zum Facharzt
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Privatpatienten dürfen schneller zum Facharzt
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21:23 06.08.2013
Von Gabi Stief
Privatpatienten bekommen schneller einen Termin bei Facharzt. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

In Lüneburg sind es sogar 41 Tage, in Hannover 28 Tage, in Osterode „nur“ 15 Tage. Vor allem Hautärzte vertrösten Kassenpatienten mit mehrmonatigen Wartezeiten. Grund sind offensichtlich die mehr als doppelt so hohen Honorare, die Ärzte für die Behandlung von Privatpatienten bekommen. Die kleine private Patientengruppe (zehn Prozent der Versicherten) kommt für ein Viertel der Praxeneinnahmen auf.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon aus Göttingen, die die Erhebung in Auftrag gab, sieht sich in der Absicht bestärkt, die unterschiedliche ärztliche Vergütung abzuschaffen. Mit dem Umbau der dualen Krankenversicherung zu einer Bürgerversicherung werde der systematische Anreiz für die Bevorzugung durch einen Solidarausgleich ersetzt, sagte die Politikerin.

Für die Erhebung wurden im Juli binnen drei Wochen 340 Facharztpraxen in 14 Städten und damit jede zehnte niedersächsische Facharztpraxis angerufen, um einen Termin zu vereinbaren – die Testanrufer gaben sich als Kassenpatient aus, bei einem weiteren Anruf als Privatpatient. Acht Fachrichtungen wurden einbezogen: Haut-, Augen-, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte sowie Neurologen, Radiologen, Kardiologen, Internisten und Orthopäden. Beim Neurologen berichtete die Testperson am Telefon von Kribbelschmerzen in der Hand, beim Augenarzt von Sehproblemen. Vonseiten des Praxispersonals sei jedoch meist nicht nach der Dringlichkeit gefragt worden, resümiert der Erhebungsbericht.

Jede dritte Praxis, die angerufen wurde, unterschied nicht zwischen privat oder gesetzlich Versicherten. Aber bei vielen Ärzten differierten die Terminangebote um mehr als 100 Tage. „Spitzenreiter“ war eine Hautarztpraxis in Lüneburg, die dem Privatpatienten einen Termin in 33 Tagen anbot, dem Kassenpatienten dagegen in 190 Tagen, also gut fünf Monate später. Die durchschnittliche Wartezeit für alle vier getesteten Hautärzte in Lüneburg lag bei vier Monaten.

Bei elf Praxen, vor allem Neurologiepraxen in Hannover, blitzten die vermeintlichen Kassenpatienten komplett ab und bekamen die Auskunft, dass keine neuen Patienten angenommen werden. Die Testperson, die kurz darauf als Privatpatient anrief, erhielt dagegen einen relativ zeitnahen Termin, in einem Fall bereits am nächsten Tag. Manchmal wurden gesetzlich Versicherte auch abgewimmelt, weil der Internist angeblich keine Magenbeschwerden behandle. Der Privatpatient mit den gleichen Beschwerden wurde aber nicht abgewiesen.

Hauptgrund für die regionalen Unterschiede bei den Wartezeiten ist die Versorgungssituation; je weniger Ärzte es gibt, desto größer ist der Andrang in den Praxen. So gibt es in Osterode und Göttingen deutlich mehr Ärzte pro Einwohner als in Braunschweig oder Wolfsburg.

 

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