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Niedersachsen Technik halbiert Zahl der Verkehrstoten binnen 15 Jahren
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Technik halbiert Zahl der Verkehrstoten binnen 15 Jahren
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16:35 17.10.2018
Bis zum autonomen Fahren ist es noch ein weiter Weg, doch einzelne Assistenzsysteme retten heute schon Leben.
Bis zum autonomen Fahren ist es noch ein weiter Weg, doch einzelne Assistenzsysteme retten heute schon Leben. Quelle: dpa
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Hannover

Dank neuer Sicherheitssysteme in Autos wird sich die Zahl der jährlichen Verkehrstoten in Deutschland in den nächsten 15 Jahren ungefähr halbieren, von aktuell über 3000 auf rund 1500. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die das Forschungsinstitut Prognos im Auftrag des ADAC erstellt hat. „Es deuten sich neue Technologien an, die viele Leben retten können“, sagte Studienleiter Sven Altenburg der HAZ. Als Beispiele nannte er Abbiege- und Notbremsassistenten.

Die Prognos-Experten erwarten, dass die Zahl der zugelassenen Autos weiter steigt, der Verkehr immer dichter wird und es deshalb auch mehr Unfälle geben wird. Neue Sicherheitssysteme würden diese Entwicklungen aber mehr als ausgleichen: Für 2040 erwarten sie rund 1100 Verkehrstote, für 2050 weniger als 700. Altenburg verwies darauf, dass die Zahl der Verkehrstoten bereits seit langem sinkt. „Wir haben den Trend der letzten zehn Jahre fortgeschrieben“, erklärte er. Die Zahl der Verletzten werde ebenfalls zurückgehen, wenn auch weniger deutlich.

Vorerst geringe Vorteile durch autonomes Fahren

Überraschend wenig Sicherheitsgewinn bringt laut Prognos bis 2050 das automatisierte Fahren. Dazu zählen die Forscher jene Techniken, bei denen der Fahrer die Hände vom Lenkrad nimmt. Sie erwarten, dass Autos in den nächsten Jahrzehnten vor allem auf Autobahnen autonom fahren. Die meisten Unfälle mit Todesfolge gebe es allerdings auf Landstraßen – wo Autos bis 2050 aufgrund technischer Herausforderungen aber kaum autonom fahren könnten.

Prognos erwartet deshalb, dass die Technik bis 2050 nur relativ geringe Auswirkungen auf die Zahl der Verkehrstoten hat. Das Potenzial des automatisierten Fahrens für die Verkehrssicherheit sei bis dahin „geringer als allgemein erwartet“, schreibt der Studien-Auftraggeber, der ADAC.

Wichtiger sind laut Prognos Einzel-Systeme wie Assistenten zum Spurhalten, Abbiegen oder Notbremsen, bei denen der Fahrer weiterhin die Hände am Steuer behält. „Man sollte darüber nachdenken, solche lebensrettenden Systeme verpflichtend zu machen – wie bisher den Sicherheitsgurt oder Airbag“, sagte Altenburg.

Politik will Lkw sicherer machen

Niedersachsen und weitere Bundesländer haben bereits gefordert, Abbiege-Assistenten und Notbremssysteme für Lkw zwingend vorzuschreiben. Zuständig dafür ist allerdings die EU. Laut der EU-Kommission sollen das europäische Parlament und die Mitgliedsstaaten bis Mai 2019 darüber entscheiden, welche Sicherheitssysteme künftig verpflichtend werden.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) verwies am Mittwoch auf die „Aktion Abbiegeassistent“, mit der die Bundesregierung Firmen auffordert, freiwillig Abbiegeassistenten in ihre Lkw einzubauen. „Wir arbeiten weiter daran, dass insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer, wie Fahrradfahrer, Fußgänger, vor allem Kinder, sicher auf den Straßen unterwegs sind“, sagte Scheuer anlässlich der Vorstellung des neuen „Unfallverhütungsberichts“.

2017 starben demnach 3180 Menschen bei Verkehrsunfällen in Deutschland – 0,8 Prozent weniger als 2016. Im ersten Halbjahr 2018 sank die Zahl der Toten um weitere 3,3 Prozent. Scheuer verwies auf weitere Maßnahmen der Bundesregierung. Man habe zum Beispiel das Verbot der Handy-Nutzung verschärft und Eltern erlaubt, mit ihren Kindern bis zu einem Alter von acht Jahren gemeinsam auf dem Gehweg Rad zu fahren.

Von Christian Wölbert

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