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Niedersachsen Prozessbeginn für frühere Volkert-Geliebte
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08:28 28.03.2012
Foto: Adriana Barros muss sich wegen Beihilfe zur Untreue vor Gericht verantworten.
Adriana Barros muss sich wegen Beihilfe zur Untreue vor Gericht verantworten. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Die brasilianische Journalistin Adriana Barros ist schwer beeindruckt, als sie Ende der neunziger Jahre den mächtigen VW-Betriebsratschef Klaus Volkert kennenlernt. Der Deutsche gibt sich weltmännisch, lädt sie zu feinen Essen ein, ins Theater und später auch zu teuren Reisen. Sie jetten durch die Welt, wohnen in Luxushotels, feiern ausgelassene Partys.

Müde und mitgenommen sieht die heute 47-Jährige aus, als sie am Dienstag den Verhandlungssaal im Wolfsburger Amtsgericht betritt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Beihilfe zur Untreue in 26 Fällen vor. Barros habe aufgrund von Scheinrechnungen rund 250 000 Euro kassiert, ohne dass sie Leistungen dafür erbracht habe. Außerdem soll sie in 15 weiteren Fällen privat veranlasste Kosten für Flüge, Hotelaufenthalte und Sprachkurse in Höhe von insgesamt rund 100 000 Euro zulasten von VW abgerechnet haben.

Die Angeklagte, die sich mittels einer Dolmetscherin verständlich macht, weist im Prozess alle Schuld von sich. Sie habe nicht gewusst, dass die Rechnungen für ihr Vier-Sterne-Leben über Abrechnungsmanipulationen und Eigenbelege letzten Endes bei der Konzernkasse gelandet seien. Sie habe geglaubt, dass Volkert bezahle. Wenn ihr etwas seltsam vorkam, sei das damit begründet worden, dass seine Frau nichts von der Affäre mitbekommen sollte.

Außerdem habe sie einen Vertrag mit VW gehabt – sie sollte soziale Projekte des Konzerns dokumentieren. Sie habe ihre Kamera immer dabeigehabt, um arbeiten zu können, wenn Volkert ihr einen Auftrag gegeben habe. Der Vertrag war vom damaligen Arbeitsdirektor Peter Hartz unterschrieben. Laut Anklage wusste der, dass die Vereinbarung nur ein Feigenblatt war.

Immerhin sind Barros und Volkert sieben Jahre lang ein Paar gewesen. Sie war schon fasziniert von ihm, als sie ihn 1998 kennenlernte. Sie arbeitete in einem Ferienklub in Brasilien, als er mit Kollegen und mehreren Mädchen hereinkam. „Er war eine sehr charismatische Person“, sagt sie heute. Drei Monate hat Volkert um sie geworben und sie schließlich nach Prag eingeladen. Sie vertraute ihm, fühlte sich geborgen. Er erweckte bei ihr den Eindruck, als sei er „die zweitwichtigste Person bei Volkswagen“.

Zum Schluss aber bleibt nur ein Scherbenhaufen: Volkert gibt ihr per E-Mail den Laufpass. Er habe die Fabrik verlassen, und sie könnten sich nicht mehr sehen. Das war im Juni 2005, als der VW-Skandal um falsche Abrechnungen und Lustreisen auf Firmenkosten ans Licht kam und Volkert von seinem Amt als Betriebsratschef zurücktrat.

Die Affäre wurde auch in Brasilien bekannt – und Adriana Barros bekam das zu spüren: Ihre kleine Produktionsfirma ging unter, niemand wollte mehr mit ihr zusammenarbeiten, berichtet sie unter Tränen: „Ich war am Ende.“
Der Prozess ist auf sechs Verhandlungstage terminiert. Auch Volkert soll aussagen, und die Verteidigung beantragte, Hartz ebenfalls zu hören. Das Urteil soll am 8. Mai kommen.

dpa

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