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Niedersachsen Conti muss leicht vom Gas gehen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Conti muss leicht vom Gas gehen
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00:24 12.11.2015
Von Lars Ruzic
Continental schraubt seine Prognose für den um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) abermals leicht herauf. Quelle: dpa
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Hannover

Da half es auch nicht, dass Hannovers größter Konzern am Montag seine Prognose für das Gesamtjahr minimal aufbesserte – die Aktie des Autozulieferers war mit einem Minus von 5 Prozent Tagesverlierer im Dax.

„Insgesamt können wir auf ein solides drittes Quartal in einem schwierigen Umfeld zurückblicken“, sagte Conti-Chef Elmar Degenhart. Die „Wachstumsdelle“ in China und das rückläufige Industriegeschäft habe man durch Wachstum in Europa und Nordamerika kompensieren können. Im dritten Quartal legte Conti beim Umsatz um 11 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro zu. Das war aber vor allem dem schwachen Euro und der erstmaligen Einbeziehung zweier Zuläufe – nämlich des US-Kautschuk-Riesen Veyance und des Erlanger Software-Spezialisten Elektrobit – zu verdanken. Ohne diese Effekte wären die Erlöse um 3 Prozent gewachsen – gegenüber 3,7 Prozent im ersten Halbjahr.

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Unterm Strich blieb zwischen Juli und September ein Gewinn von 636 Millionen Euro – gut ein Viertel mehr als im Vorjahresquartal, als Sonderabschreibungen das Ergebnis belastet hatten. Insgesamt hat Conti die Erlöse in diesem Jahr bislang um ein Siebtel auf 29,2 Milliarden Euro gesteigert und den Gewinn um ein Sechstel auf 2,1 Milliarden Euro.

Dabei profitiert der Konzern vor allem von niedrigen Rohstoffkosten. Für Öl und Kautschuk werden die Hannoveraner in diesem Jahr gut 250 Millionen Euro weniger ausgeben müssen als 2014, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer der HAZ. Ursprünglich hatte er mit einer Entlastung von 200 Millionen Euro gerechnet. Das hilft vor allem den beiden am Konzernsitz ansässigen Bereichen – Reifengeschäft und Contitech. Die Reifen kommen inzwischen auf eine operative Ergebnismarge von 21 Prozent. Die Verkäufe legen jedoch schon länger – wenn überhaupt – nur minimal zu. Das liegt vor allem am stagnierenden europäischen Markt. Hier sei das Winterreifengeschäft im dritten Quartal zwar schwach gestartet, habe aber dank des Kälteeinbruchs im Oktober wieder aufholen können, so Schäfer.

Die Flaute auf den Rohstoffmärkten spürt Conti allerdings auch als Lieferant. Contitech kämpft mit Absatzeinbrüchen bei Produkten für die Bergbau- und Ölindustrie. In diesem Jahr seien schon mehr als 70 Minen geschlossen und die Investitionen der Ölbranche um 70 Prozent zurückgefahren worden, sagte Schäfer. Contitech trifft der Einbruch mitten im Umbau. Die Tochter integriert derzeit den milliardenschweren US-Zukauf Veyance. Vor allem der Bereich Transportbandsysteme steht vor Sparmaßnahmen. Sein wichtigstes Werk im niedersächsischen Northeim sei jedoch nicht betroffen, so Schäfer.