Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Reiseveranstalter Tui will dezentraler werden
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Reiseveranstalter Tui will dezentraler werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 15.05.2015
Von Jens Heitmann
Reiseveranstalter Tui will nach der Fusion mit Tui Travel den Konzern neu ordnen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Verlierer der Rochade an der Tui-Spitze ist der stellvertretende Vorstandschef Johan Lundgren. Der Schwede scheidet zum Monatsende aus – offiziell auf eigenen Wunsch. „Wir konzentrieren uns jetzt darauf, die Tui auf Wachstum auszurichten, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Profitabilität zu steigern“, erklärte Co-Vorstandschef Friedrich Joussen am Dienstag nach einer Aufsichtsratssitzung.

Der Konzern teilt sein touristisches Geschäft künftig in drei Regionen ein. Für Zentraleuropa ist der Joussen-Vertraute Sebastian Ebel zuständig. Damit werde der Veranstalter Tui Deutschland, der auch weiterhin das Tagesgeschäft auf seinem Heimatmarkt, in Österreich, Polen und der Schweiz steuert, an eine deutlich kürzere Leine gelegt, hieß es gestern in Hannover. Parallel dazu ist Ebel weiterhin für die Sparte Tui Hotels & Resorts, die Kreuzfahrtgesellschaften sowie die IT zuständig.

Anzeige

Innerhalb des Konzerns hatte es seit der Fusion nur als Frage der Zeit gegolten, bis der Interessenskonflikt zwischen Ebel und Lundgren offen ausbrechen würde. „Nur dass es so schnell eskaliert ist, hat uns überrascht“, sagte ein Beteiligter gestern. Lundgren galt bei Tui Travel als der Kronprinz von Vorstandschef Peter Long, der inzwischen gemeinsam mit Joussen den Gesamtkonzern führt und im kommenden Jahr an die Spitze des Aufsichtsrates rücken soll. Ebel kennt die Tui bereits aus einem früheren Engagement und ist 2013 nach einer Zwischenstation bei Vodafone zusammen mit Joussen zum hannoverschen Konzern zurückgekehrt.

Die neue Struktur ändere aber nichts daran, dass für Tui Deutschland ein neuer Chef gesucht werde, hieß es. Christian Clemens, der derzeitige Spitzenmann, will aus familiären Gründen spätestens zum Jahresende in seine schwedische Heimat zurückkehren. Sein Landsmann Lundgren hatte ihn nach Hannover beordert, um hier die Margen nach oben zu treiben und das Online-
geschäft auszubauen.

In der „Region Nord“ fasst die Tui die bisher getrennten Märkte Großbritannien und Irland sowie die skandinavischen Länder zusammen. Den Bereich führt David Burling, bislang Geschäftsführer im Vereinigten Königreich. Der Manager rückt im Juni auch in den Konzernvorstand auf. Darüber hinaus führt der Brite die neue „Airline-Plattform“, die das Geschäft der Ferienflieger enger verzahnen und steuern soll. Bei der hannoverschen Tuifly gibt es Befürchtungen, dass das angekündigte Effizienzprogramm in größerem Stil Arbeitsplätze kosten könnte. Konzern-Chef Joussen hat solche Sorgen zuletzt jedoch als unbegründet bezeichnet.

Der dritte Bereich ist die „Region West“. Elie Bruyninckx wird zusätzlich zu seinen Aufgaben als Geschäftsführer für die Märkte Belgien und Niederlande die Verantwortung für den französischen Markt übernehmen – die Manager von Tui France müssen also künftig ihre Ergebnisse vor ihm rechtfertigen. Der Belgier steigt ins erweiterte Top-Management auf, das sogenannte Group Executive Committee.

Joussen hatte die Neuordnung des Konzerns bei der Hauptversammlung im Februar angekündigt. Nachdem die Tui ihre Umsätze in den vergangenen Jahren nur geringfügig steigern konnte, will der Co-Chef künftig Marktanteile zurückgewinnen. Im laufenden Geschäftsjahr sollen die Erlöse um 2 bis 4 Prozent steigen – nach nur einem Prozent in 2013/14. Im ersten Quartal hatte der Konzern dieses Ziel bereits übertroffen: Von Oktober bis Dezember verzeichnete man ein Umsatzplus um 5,4 Prozent auf 3,54 Milliarden Euro.

Niedersachsen Herrenausstatter übernommen - Wormland an Münchner verkauft
Lars Ruzic 15.05.2015
Albrecht Scheuermann 12.05.2015