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Niedersachsen Rekordtief bei Pleiten in Hannover
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Rekordtief bei Pleiten in Hannover
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17:57 01.02.2013
Von Lars Ruzic
Quelle: Symbolfoto
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Hannover

Inzwischen sehen sie sogar schon wieder optimistischer in die Zukunft. Der Arbeitsmarkt, der ein außergewöhnlich schwaches viertes Quartal hinter sich hat, dürfte davon allerdings kaum profitieren. Das geht aus dem aktuellen HAZ-Hannover-Trend hervor, der gemeinsam mit Arbeitsagentur, Creditreform und IHK Hannover entsteht.

Konjunkturelle Schwächephasen können den meisten Unternehmen in der Region Hannover offensichtlich wenig anhaben. Denn obwohl die Wirtschaft im vierten Quartal im Bundesschnitt geschrumpft war, verzeichneten Stadt und Umland in diesem Zeitraum mit 133 Pleiten ein Rekordtief. Insgesamt stellten 2012 in der Region mit 628 so wenig Betriebe Insolvenzantrag wie seit vier Jahren nicht mehr. Allerdings war auch die Zahl der Gründungen leicht rückläufig. Sie ging gegenüber 2011 um fast 5 Prozent auf 1812 zurück.

Vor allem in der zweiten Jahreshälfte habe die Dynamik etwas nachgelassen, berichtete Creditreform-Chef Holger Bissel. Vielleicht habe der eine oder andere Unternehmer in spe auch erst die Landtagswahlen abwarten wollen. An der grundsätzlichen Position Hannovers im Wettstreit der Regionen habe sich jedoch nichts geändert. „Die Metropolregion wird als Standort gebraucht und bietet gute Rahmenbedingungen“, so Bissel. Dazu zählt er die relativ gute Verfügbarkeit von Kapital, Fachkräften und Mietflächen ebenso wie ein konstantes Gehaltsniveau bei überschaubaren Lebenshaltungskosten. „Und nicht zuletzt eine Kommune, in der die Steuerquellen sprudeln“ - was wiederum an der robusten Wirtschaft liegt.

Die konjunkturelle Schwächephase der zweiten Jahreshälfte 2012 hat die mehr als 40 000 Firmen in der Region Hannover weitgehend kalt gelassen. Inzwischen sehen sie sogar schon wieder optimistischer in die Zukunft.

Die hat nach der „Wachstumspause“ der vergangenen Monate den Blick längst wieder nach vorn gerichtet. „Für die regionale Wirtschaft verschwindet die Schuldenkrise zunehmend aus dem Blickfeld, und die Auftragseingänge entwickeln sich wieder deutlich positiver“, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage. Obwohl die heimische Wirtschaft etwa 60 Prozent ihrer Exportgeschäfte mit den EU-Nachbarn abwickle, hätten die Ausfuhren im vergangenen Jahr um 5 Prozent zulegen können. Die Exporte in die USA und nach Asien hätten die Rückgänge mehr als wettgemacht, so Schrage. Er rechnet damit, dass sich der Trend in diesem Jahr fortsetzt.

In der heimischen Industrie gibt es laut IHK-Umfragen schon wieder mehr Manager, die mit günstigeren Perspektiven rechnen, als solche, die von einer weiteren Eintrübung ausgehen. Für eine anziehende Konjunktur spricht auch eine deutlich aufgehellte Stimmung im Großhandel, Im- und Export sowie im Transportgewerbe. Trübsal blasen derzeit die Einzelhändler: Nach einem schwachen Weihnachtsgeschäft rechnet vor allem der Fachhandel nicht mit einer baldigen Besserung. Bei den Banken hat sich die Stimmung wieder aufgehellt - von ihren Streichplänen lassen sie sich dadurch allerdings nicht abbringen. Jeder zweite befragte Bankmanager will in den nächsten Monaten Stellen abbauen. Der Wert ist so hoch wie in keiner anderen Branche.

Lars Ruzic 31.01.2013
Lars Ruzic 30.01.2013