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Niedersachsen Rheinmetall stärkt Werk in der Heide
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Rheinmetall stärkt Werk in der Heide
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00:15 08.02.2014
Von Lars Ruzic
Profiteur der Sanierung: Das Werk Unterlüß wird zum zentralen Standort des Rüstungsriesen Rheinmetall. Quelle: dpa
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Unterlüß

Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall verlagert immer mehr Aufgaben in die Lüneburger Heide. Nach HAZ-Informationen wird das Unternehmen an seinem größten Standort in Unterlüß künftig auch gepanzerte Fahrerkabinen für Militär-Lkw produzieren, die gemeinsam mit der VW-Tochter MAN gebaut werden. Bis zu 25 Millionen Euro an Investitionen könnten bis 2016 zusätzlich in das Werk fließen, die Belegschaft von derzeit rund 1600 auf 2000 Mitarbeiter steigen, stellte Rheinmetall-Chef Armin Papperger unlängst auf einem Neujahrsempfang der CDU in Hermannsburg in Aussicht.

Das künftige Wachstum der Rüstungssparte in Deutschland werde „schwerpunktmäßig am Standort Unterlüß erfolgen“, sagte Papperger. Das Werk, das 1899 als Testgelände gegründet wurde, sei größter Profiteur der aktuellen Umstrukturierungen im Unternehmen und inzwischen der zentrale Standort für das Rüstungsgeschäft des Düsseldorfer Mischkonzerns, der als zweites Standbein über eine Autozuliefersparte verfügt. Seit Jahren zieht Rheinmetall auf dem gigantischen Gelände nahe der Truppenübungsplätze von Bundeswehr und Nato Aufgaben zusammen. Gerade entsteht eine Werkshalle zur Fertigung von Puma-Panzern.

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Rheinmetall hatte im vergangenen Jahr seine Panzersparte nach Unterlüß verlagert und im Gegenzug andere Standorte in Deutschland stark ausgedünnt. Die Sanierung soll das defizitäre Geschäft wieder auf die Beine bringen. Dem Standort in der Lüneburger Heide hat das bereits gut 200 Jobs gebracht.Mehr als die Hälfte davon sei mit neuen Mitarbeitern aus der Region besetzt worden, rechnete Papperger vor. Rhein­metall kämpft derzeit an mehreren Fronten mit zu hohen Kosten. Insgesamt soll der Umbau der Rüstungssparte von 2015 an jährliche Einsparungen von bis zu 50 Millionen Euro bringen.

Gleichzeitig hat der Konzern mehrere Großaufträge an Land ziehen können. Für Indonesien sollen die Rheinmetaller Panzer und Munition für 216 Millionen Euro liefern. Ähnliche Aufträge kommen aus der Region Mittlerer Osten/Nordafrika. Sie summieren sich sogar auf fast 800 Millionen Euro. Hiervon profitiert vor allem der Standort 40 Kilometer nördlich von Celle, an dem sich auch die Zentrale der Division „Waffe und Munition“ befindet. Derzeit sitzt das im Mittelwertesegment M-Dax notierte Unternehmen auf einem Auftragsbestand von 6 Milliarden Euro allein im Rüstungsgeschäft. Im vergangenen Jahr wurden drei Viertel der Aufträge außerhalb Europas akquiriert – ein für das in früheren Jahren stark auf den Heimatkontinent fixierte Unternehmen bislang ungekannter Wert.

Den größten Einzelauftrag konnte dabei das Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und MAN an Land ziehen, an dem die Düsseldorfer 51 Prozent der Anteile halten. Für Australien sollen die Partner von 2016 an insgesamt 2500 Militär-Lkw im Gesamtwert von 1,1 Milliarden Euro liefern. 1050 Fahrzeuge erhalten gepanzerte Kabinen, die in der Heide gebaut und anschließend nach Liesing bei Wien weitertransportiert werden, wo die Endmontage stattfindet. Dieses „neue Geschäftsfeld für Unterlüß“ werde „umfangreiche Investitionen“ nach sich ziehen, versprach Papperger.

Schon bald könnte ein weiterer Großauftrag in ähnlicher Höhe hinzukommen – aus Schweden und Norwegen. Rheinmetall und MAN waren sich bereits mit den Einkäufern der Länder  handelseinig, als ausgerechnet die MAN-Schwester Scania Beschwerde gegen das Geschäft einlegte. VW-Chef Martin Winterkorn, zu dessen Konzern beide Lkw-Bauer gehören, soll getobt haben. Scania hat die Beschwerde inzwischen zurückgezogen, die schwedische Wettbewerbsbehörde prüft das Verfahren der Auftragsvergabe gleichwohl noch immer.

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