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Niedersachsen Rohstoffagentur soll Industrie im Umgang mit Ressourcen beraten
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Rohstoffagentur soll Industrie im Umgang mit Ressourcen beraten
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09:20 05.10.2010
Von Jens Heitmann
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (links) und BGR-Präsident Hans-Joachim Kümpel starten die neue Agentur für Rohstoffe.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (links) und BGR-Präsident Hans-Joachim Kümpel starten die neue Agentur für Rohstoffe. Quelle: dpa
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Die Bundesregierung will die Industrie bei der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen unterstützen. Bis 2014 soll unter dem Dach der Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR) in Hannover stufenweise die „Deutsche Rohstoffagentur“ entstehen und insbesondere mittelständische Firmen bei der Suche, der Verarbeitung und beim effizienten Umgang mit den knapper werdenden Ressourcen unterstützen. „Die Unternehmen haben die Rohstoffversorgung in der Vergangenheit nicht so verfolgt, wie es wünschenswert gewesen wäre“, sagte Bundeswirtschaftminister Rainer Brüderle (FDP) am Montag zur Eröffnung in Hannover.

Im Vergleich mit anderen Ländern ist die Bundesrepublik eher arm an Bodenschätzen. Bei Primärmetallen wie Kobalt oder Rohstoffen wie Gallium, Indium oder Tantal betrage die Importabhängigkeit 100 Prozent, sagte der Leiter der BGR-Abteilung für Rohstoffe und Internationale Zusammenarbeit, Volker Steinbach. In den vergangenen zehn Jahren sei der Wert der importierten Rohstoffe um fast das Dreifache gestiegen. 2009 importierte Deutschland für 90 Milliarden Euro Rohstoffe – ein Drittel davon entfiel auf Metalle.

Damit die hiesige Industrie ihren Bedarf zu kalkulierbaren Preisen decken kann, soll die Deutsche Rohstoffagentur für mehr Markttransparenz sorgen und der Wirtschaft bei der Auswahl ihrer Bezugsquellen helfen. Man wolle aber nur ein Partner für die Unternehmen sein, sagte Brüderle, „kein VEB Rohstoffe“. Die Bundesregierung werde sich mit- hilfe der anderen EU-Staaten für offene Welthandelsmärkte starkmachen und Tendenzen zum Protektionismus bekämpfen, wie sie zuletzt in China zu beobachten gewesen seien. Die Regierung in Peking hatte angekündigt, die Ausfuhren wichtiger Rohstoffe einzuschränken.

Deutschland stehe vor drei Herausforderungen, sagte BGR-Abteilungsleiter Steinbach. Zum einen sei das Angebot an Rohstoffen unzureichend, Gleiches gelte für die Lieferverträge. Zum anderen würden die Preise zu einem unkalkulierbaren Risiko – wegen der Knappheit der Rohstoffe, aber auch aufgrund von Firmenkonzentrationen wie bei etwa beim Eisenerz oder der Spekulationen an den Spotmärkten. Darüber hinaus leide die Wirtschaft unter einem zu geringen Schrottangebot – weil Altgeräte in den Haushalten verblieben oder Länder wie China den Import von rohstoffhaltigem Schrott subventionierten.

Die Agentur wolle die Wirtschaft nicht nur allgemein beraten, sondern auch spezifische Fragen von Unternehmen beantworten, sagte Steinbach: „Wir treten aber nicht in Konkurrenz zur Consulting-Branche.“ Zudem wolle man rohstoffreiche Länder bei der nachhaltigen Nutzung ihrer Potenziale unterstützen.