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Niedersachsen „Ryanair wird eines Tages nach Hannover kommen“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Ryanair wird eines Tages nach Hannover kommen“
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10:55 30.01.2010
Von Jens Heitmann
Hannovers Flughafen-Chef Raoul Hille
Hannovers Flughafen-Chef Raoul Hille Quelle: Florian Wallenwein
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Herr Hille, Sie haben Hannover auf lange Sicht zum größten Flughafen Norddeutschlands ausgerufen. Noch ist Hamburg bezogen auf die Passagierzahlen doppelt so groß, Langenhagen hat im vergangenen Jahr mehr als jeden zehnten Passagier verloren – haben Sie den Mund zu voll genommen?
Nein, das ist eine Frage der Perspektive. Hamburg hat ein gekreuztes Startbahnsystem und liegt mitten in der Stadt, ist also nicht ausbaufähig. Wenn der Luftverkehr wie allseits erwartet weiter wächst, wird der Zeitpunkt kommen, wo auf unserem leistungsfähigeren Parallelbahnsystem hier in Langenhagen pro Stunde mehr Maschinen starten und landen können als in Fuhlsbüttel. Aber das wird nicht morgen so sein, sondern vielleicht in zwei Jahrzehnten.

Ihre Branche rechnet so selbstverständlich mit stetigem Wachstum. Allein im vergangenen Jahrzehnt sind die Passagierzahlen gleich zweimal massiv eingebrochen...
Der Luftverkehr ist zyklisch, keine Frage. Wir hängen direkt an der Konjunktur, nur dass in Boomphasen und in Krisenzeiten die Ausschläge nach oben und unten noch extremer sind als in anderen Branchen. Und wenn sich die Konjunkturzyklen tatsächlich verkürzen sollten, werden die Turbulenzen für uns heftiger. Aber ich sehe für die Branche keine Stagnation – im Gegenteil. Das gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass uns die Politik nicht weitere Sonderlasten aufbürdet – etwa in punkto Sicherheit oder bei den C02-Emissionen –, die ein Wettbewerber wie die Bahn nicht schultern muss.

Hannover konkurriert nicht nur mit Hamburg, auch die Flughäfen Münster/Osnabrück, Paderborn und Bremen buhlen um ihre Passagiere – an der Weser ist sogar Ryanair gelandet. Tut Ihnen das weh?
Nicht wirklich, schließlich bestehen zwei Drittel des Einzugsgebiets von Bremen aus Wasser, also der Nordsee. Aber im Ernst: Ryanair ist damit groß geworden, Flughäfen in der 2. Bundesliga anzusteuern und sich dafür von den Airports bezahlen zu lassen. Das ist die extremste Form des Low-Cost, die aber allmählich an eine natürliche Wachstumsgrenze stößt.

Soweit ist Hannover nun auch nicht von der 2. Bundesliga entfernt...
Das gilt aber nicht für den Flughafen. Wir werden sicher nie zu einem Megahub wie Frankfurt oder München, aber wir sind auch keine konvertierte Militärpiste in der Provinz. Wir zahlen keine Startprämien, wir wollen für unsere Dienstleistungen bezahlt werden.

Das heißt: Ryanair wird so schnell nicht in Hannover landen?
Ich glaube, dass auch eine Ryanair in einem überschaubaren Zeitraum Metropolen anfliegen muss, wenn sie weiter wachsen will. Die Kaufkraft in Großstädten ist nun einmal höher als auf dem platten Land, damit sind dort auch höhere Erträge möglich – so dass Ryanair wie die anderen Airlines auch entsprechende Entgelte zahlt. Ryanair wird eines Tages auch nach Hannover kommen.Wer von Langenhagen aus nach Amerika oder Asien fliegen will, muss in Frankfurt, Paris oder Amsterdam umsteigen.

Bleibt es dabei?
Die Hürden für eine Direktverbindung in eine kleinere Großstadt sind enorm – die Maschine muss ja voll werden. Andererseits ist in Hannover das Aufkommen von Kunden für die Business Class wegen der hohen Industriedichte recht hoch – deutlich höher als in Berlin beispielsweise. Aber für uns als Flughafen und die Region ist es letztlich viel wichtiger, dass ein neuer Anbieter wie Germanwings mit 15 neuen Zielen und 80 Wochenfrequenzen erfolgreich ist als eine Gesellschaft, die einmal die Woche in die USA oder nach China fliegt.

Wachsen sollte der Flughafen Langenhagen auch im Frachtbereich. Hier waren die Einbrüche zuletzt aber noch stärker als bei den Passagieren, der Immobilienentwickler Garbe hat den Baustart für sein Frachtzentrum jüngst verschoben....
Das Geschäft mit der Luftfracht ist noch zyklischer als das Passagiergeschäft. Das hat die Branche im letzten Jahr deutlich zu spüren bekommen. Gleichwohl wird Hannover aber als Logistikstandort von seiner günstigen geographischen Lage profitieren – mit den Autobahnen, dem neuen Containerterminal in Wilhelmshaven. Und natürlich wird das neue Frachtzentrum auch kommen. Wir unterliegen keinem ausgeprägten Nachflugverbot und können bei Bedarf unser Gelände noch ausbauen.

Vielen Anwohner ist es heute schon zu laut. Wie wollen Sie der fehlenden Akzeptanz begegnen?
Im Unterschied zu Frankfurt oder Berlin geht es bei uns ja nicht um eine neue Landebahn oder gar um einen ganz neuen Flughafen. Uns gibt es hier seit 60 Jahren, jeder der hier herzieht, weiß, dass hier Flugzeuge fliegen. Mich ärgert insbesondere die Heuchelei mancher Lokalpolitiker: Erst weist man Baugebiete in der Anflugschneise aus – um sich anschließend gemeinsam mit den neuen Hausbesitzern über den Fluglärm zu beschweren. Das ist unverantwortlich – am Flughafen sind 8800 Menschen beschäftigt.

Carola Böse-Fischer 28.01.2010
Lars Ruzic 28.01.2010