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Niedersachsen Salzgitter im Visier der Steuerfahnder
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Salzgitter im Visier der Steuerfahnder
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17:20 05.06.2014
Von Carola Böse-Fischer
Salzgitter Stahl macht fast 10 Milliarden Euro Umsatz.
Salzgitter Stahl macht fast 10 Milliarden Euro Umsatz. Quelle: dpa
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Hannover

Die Angelegenheit ist heikel und dem guten Ruf nicht gerade förderlich - auch wenn sie sich später als grundlos herausstellen sollte. Es geht um den Besuch der Steuerfahnder beim Stahlkonzern Salzgitter - schon zweiten Mal in diesem Jahr. Weil man sich quasi auf vermintem Terrain bewegt, verhält sich das im M-Dax gelistete Unternehmen mit offiziellen Erklärungen äußerst vorsichtig. Man werde alles tun, um den Finanzbehörden bei der Aufklärung zu helfen, sagte ein Salzgitter-Sprecher am Donnerstag lediglich.

Zum ersten Mal hatten Braunschweiger Ermittler im März Büros in der Konzernzentrale in Salzgitter und bei der angeschlagenen Salzgitter-Tochter Peiner Träger durchsucht. Der Anlass: angeblich steuerrechtlich unzulässige Rückstellungen bei Tochtergesellschaften in den Jahren 2006 bis 2009. Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann reagierte damals höchst verärgert: Die Vorwürfe seien absurd, hatte er bei der Bilanzvorlage Ende März kritisiert.

Bei dem jetzt bekannt gewordenen zweiten Fall gab es keinen Kommentar des Konzernchefs. Bereits Mitte Mai standen die Steuerfahnder erneut bei Salzgitter auf der Matte, wieder gab es eine Razzia in der Konzernzentrale, außerdem bei der Düsseldorfer Tochtergesellschaft Salzgitter-Mannesmann-International, die für Deutschlands zweitgrößten Stahlhersteller das weltweite Handelsgeschäft betreibt. Dabei beschlagnahmten die Fahnder zahlreiche Akten sowie umfangreiches Datenmaterial.

Der Anlass diesmal: „steuerrechtlich nicht anzuerkennende Betriebsausgaben“, die die Tochterfirma im Zeitraum 2005 bis 2009 gebucht habe, sowie von ihr gebildete „steuerrechtlich unzulässige Rückstellungen“, wie der Konzernsprecher in aller Kürze erklärte. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig verkniff sich am Donnerstag - mit dem Verweis auf das Steuergeheimnis - jeglichen Kommentar. Der Salzgitter-Konzern weist wie im ersten Fall die Vorwürfe zurück. In allen Steuererklärungen sei man den steuergesetzlichen Vorschriften gefolgt, sagte der Unternehmenssprecher.

Bis Licht in die Sache kommt, dürfte es jedoch einige Zeit dauern. Salzgitter ist kein Tante-Emma-Laden mit einfacher Buchführung, sondern ein komplexer Konzern mit fast 10 Milliarden Euro Umsatz und Tausenden steuerlich relevanten Vorgängen. Für jede einzelne Gesellschaft muss eine Steuererklärung gemacht werden. Der Konzern bilanziert zudem nach verschiedenen Rechnungslegungsvorschriften - und nutzt ganz legitim Spielräume, die die Steuergesetze lassen. Alles geprüft und testiert von den bestellten Wirtschaftsprüfern. Auf die Ermittler kommt mithin eine Sisyphos-Arbeit zu - Ergebnis offen.

Stefan Winter 04.06.2014
Carola Böse-Fischer 03.06.2014
Carola Böse-Fischer 03.06.2014