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Niedersachsen Salzgitter erhöht Stahlpreise kräftig
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Salzgitter erhöht Stahlpreise kräftig
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11:34 21.05.2010
Quelle: dpa
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Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal ist mit Preisaufschlägen um fast ein Drittel vorgeprescht. Nun zieren sich die Konkurrenten nicht länger und ziehen nach. So wird der niedersächsische Stahl- und Röhrenhersteller Salzgitter seine Stahlpreise zum 1. Juli „auf ein ähnlich hohes Niveau“ wie der Marktführer anheben, wie ein Konzernsprecher sagte.

Demnach wird auch Salzgitter im dritten Quartal für warmgewalzten Flachstahl rund 650 Euro je Tonne von seinen Kunden verlangen, nach 480 Euro im noch laufenden zweiten Quartal und etwa 380 Euro je Tonne im ersten Vierteljahr. Die drastische Verteuerung trifft nach Angaben des Sprechers die Autohersteller, aber auch die Rohrindustrie sowie Kunden, die den Stahl weiterverarbeiten, zum Beispiel den Maschinenbau.

Begründet wird die saftige Preiserhöhung von Salzgitter ebenfalls mit den explodierenden Kosten für Eisenerz und Kokskohle, den wichtigsten Rohstoffen für die Stahlerzeugung. Das Oligopol der drei Minenkonzerne – die brasilianische Vale, das australisch-britische Unternehmen Rio Tinto und die australische BHP Billiton –, das mehr als zwei Drittel des weltweiten Eisenerzhandels kontrolliert, hatte mit seinen Preiserhöhungen auch gleich das 40 Jahre alte Preissystem mit Jahresverträgen aufgekündigt.

Die Bergbaukonzerne handeln die künftig am Spotmarkt orientierten Preise für Erz und Kohle jetzt vierteljährlich mit den Stahlherstellern aus. Da die deutschen Unternehmen keine eigenen Rohstoffvorkommen haben, sind sie auf Importe angewiesen und mithin dem Preisdiktat der Minenkonzerne ausgeliefert.

Wegen der enorm gestiegenen Rohstoffpreise hatte Deutschlands zweitgrößter Stahlproduzent jüngst nach Bekanntgabe des sechsten Quartalverlusts in Folge bereits seine Prognose für 2010 gekippt. Statt eines zuvor angepeilten Vorsteuerergebnisses im „zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“ erwartet der Dax-Konzern nur noch ein „nahezu ausgeglichenes“ Ergebnis. Die Rohstoffverteuerung gehe zu Lasten der Rentabilität, hieß es.

Ob die Stahlunternehmen ihre angekündigten Preiserhöhungen tatsächlich bei ihren Abnehmern durchsetzen können, gilt in der Branche als unsicher. Weil angesichts der kräftig steigenden Aufträge die Werkskapazitäten wieder zu mehr als 90 Prozent ausgelastet sind, erwarten manche Marktbeobachter, dass die Preisaufschläge durchgehen. Andere warnen jedoch vor einem Rückschlag bei den Preisen, weil die Erholung der Stahlnachfrage bislang auf einer Auffüllung der Lager beruhe und damit noch nicht stabil genug sei.

Wie der Branchenprimus ArcelorMittal will allerdings nun auch der Salzgitter-Konzern nicht an den Jahresverträgen mit seinen Kunden rühren, wie der Konzernsprecher erklärte. Zunächst hatte es geheißen, dass Salzgitter wegen der neuen Quartalsverträge für Erz und Kohle auch seinen Abnehmern keine festen Stahlpreise mehr für ein ganzes Jahr zusagen könne. Nach Angaben des Sprechers sucht man aber in Absprache mit den Kunden nach einer Klausel, die die sich vierteljährlich ändernden Rohstoffpreise berücksichtigt.

Carola Böse-Fischer

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