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Niedersachsen Salzgitter hat die Wende geschafft
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Salzgitter hat die Wende geschafft
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16:28 14.05.2015
Von Carola Böse-Fischer
Ergebnisverbesserungen in allen Bereichen: Salzgitter-Mitarbeiter am Hochofen des Hauptwerks. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

Salzgitter, Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller, ist aus dem Gröbsten heraus. Gelungen ist dies mithilfe eines drastischen Sparprogramms. Salzgitter war im Jahr 2013 in eine schwere Krise geraten; inzwischen sei die Grundlage für eine „nachhaltige Rückkehr“ in die Gewinnzone geschaffen, teilte der im M-Dax notierte Konzern am Mittwoch bei der Vorlage seiner Zahlen für das erste Quartal 2015 mit. Dies gelte, obwohl die Reparatur eines Hochofens das Ergebnis in der zweiten Jahreshälfte mit rund 80 Millionen Euro belasten werde.

In den ersten drei Monaten schrieb Salzgitter wieder deutliche schwarze Zahlen. Mit knapp 52 Millionen Euro hat der Konzern den Angaben zufolge den höchsten Vorsteuergewinn seit dem zweiten Quartal 2011 eingefahren. Vor Jahresfrist stand noch ein Minus von 8,7 Millionen Euro in den Büchern. Unter dem Strich blieb jetzt ein Gewinn von 32,7 Millionen Euro übrig, verglichen mit einem Verlust von 13,3 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Konzernumsatz lag mit 2,3 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahresquartals.

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Bereits vor zwei Wochen hatte Salzgitter angesichts der guten Entwicklung im Startquartal seine Jahresprognose etwas nach oben korrigiert. So wird jetzt für 2015 bei stabilem Umsatz ein Vorsteuergewinn „im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“ erwartet. Zuvor war der Vorstand von einem Vorsteuerergebnis „im unteren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“ ausgegangen.

Branche leidet unter Überkapazitäten und Importdruck

Eine richtig durchgreifende Gewinnverbesserung erwartet der Konzern dann jedoch im nächsten Jahr. Denn erst 2016 werde das Sparprogramm seine volle Wirkung entfalten, sagte ein Salzgitter-Sprecher. Dann seien alle Restrukturierungsmaßnahmen und der geplante Abbau von mehr als 1500 Stellen umgesetzt. Dadurch sollen die Kosten um über 200 Millionen Euro jährlich gedrückt werden. Einen Beitrag in niedriger zweistelliger Millionenhöhe wird dabei auch die neue, vor Kurzem in Betrieb gegangene Kohleeinblasanlage leisten, erklärte der Konzernsprecher. Salzgitter hat sie sich rund 70 Millionen Euro kosten lassen. Mit der Anlage kann statt teuren Öls gemahlene Kohle im Hochofenprozess eingesetzt werden.

Der Markt selbst hilft Salzgitter wie der gesamten Stahlbranche derzeit wenig. Bis auf Deutschland, wo die Konjunktur brumme, erhole sich die Wirtschaft in Europa nur langsam, sagte der Salzgitter-Sprecher. Nach wie vor leide die Branche unter Überkapazitäten und Importdruck. „Signifikante Preiserhöhungen“ seien deshalb schwierig.

Im Auftaktquartal konnte der Konzern immerhin vom schwachen Euro und den stark gefallenen Preisen für die wichtigen Rohstoffe Erz und Kohle profitieren. Ob Flachstahl, Grobblech, Peiner Träger, Handel oder Technologie - alle Geschäftsbereiche erzielten Ergebnisverbesserungen, sogar das Röhrengeschäft, dem die Suspendierung des Auftrags für die Gaspipeline South Stream durch den russischen Staatskonzern Gazprom zu schaffen macht.

Weil dem Tochterunternehmen Europipe, das Salzgitter gemeinsam mit der Dillinger Hütte betreibt, nach dem Aus für South Stream Aufträge fehlen, läuft dort die Kurzarbeit für rund 450 der 800 Mitarbeiter weiter, wie der Salzgitter-Sprecher sagte. Aber es gebe die Hoffnung, dass man bei der von Gazprom geplanten Alternativ-Pipeline Turkish Stream wieder ins Geschäft komme.

Konzern erneut im Visier der Staatsanwälte

Zwei ehemalige Mitarbeiter der Salzgitter-Tochter Salzgitter-Mannesmann Großrohr sind im Visier der Staatsanwaltschaft. Ermittler durchsuchten am 10. März Räume in Niedersachsen, der Schweiz und in Österreich, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Mittwoch mitteilte. Dabei soll es um Bestechung gehen. Der Stahlhersteller Salzgitter wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass Beträge von mehreren Hunderttausend Euro geflossen sein sollen. Die genauen Hintergründe seien noch unklar.

Der neue Vorwurf stehe jedoch in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit einem steuerlichen Ermittlungsverfahren, das seit mehr als einem Jahr gegen Salzgitter läuft, wie die Zeitung ferner berichtete. Dabei ging es um Geschäfte des Konzerns mit dem Iran und Nigeria. Steuerfahnder hätten Anhaltspunkte dafür, dass Salzgitter Beratern für die Anbahnung von Geschäften in diesen Ländern zwischen den Jahren 2005 und 2009 Provisionen von insgesamt mehr als 100 Millionen Euro gezahlt habe, hatte die „Süddeutsche Zeitung“ damals gemeldet. Die Ausgaben könnten zumindest teilweise in Steuererklärungen falsch deklariert worden sein. In diesem Zusammenhang hatten die Steuerfahnder im Frühjahr 2014 Büros in der Konzernzentrale in Salzgitter, bei der Tochter Peiner Träger und bei der Handelstochter Salzgitter Mannesmann in Düsseldorf durchsucht. Ein Konzernsprecher wies den Vorwurf am Mittwoch erneut zurück. Man habe von Beginn an die Ermittlungsbehörden unterstützt, um zur Aufklärung beizutragen. dpa