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Niedersachsen Salzgitter sieht sich wieder in der Spur
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Salzgitter sieht sich wieder in der Spur
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13:39 27.03.2015
Stahlhersteller Salzgitter leidet wie die gesamte Branche unter Preisdruck. Quelle: dpa
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Salzgitter

Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller Salzgitter warnt vor einem weiter beschwerlichen Weg aus der Krise. Zwar seien nach der zuletzt einschneidenden Reform samt Stellenabbau die ersten Etappenziele erreicht. „Aber wir haben noch eine harte Wegstrecke in Richtung befriedigender wirtschaftlicher Resultate zurückzulegen“, sagte Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann am Freitag zur Bilanzvorlage. „Wir verlassen uns dabei nicht auf eine rasche Gesundung unseres Kernmarktes Europa.“ Der schwächelt seit Jahren. Die Niedersachsen hatten 2014 ihr drittes Verlustjahr in Folge verkraften müssen. Vor Steuern standen 15 Millionen Euro Verlust. Diese Kennziffer soll 2015 in die schwarzen Zahlen zurückkehren; das Ziel ist ein Betrag im unteren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

„Wir sind schwer in Bewegung“, sagte Fuhrmann mit Blick auf die Neuorganisation der Geschäftsbereiche und Reformen. Mitte 2013 hatte der Konzern begonnen, gut 1500 Stellen abzubauen. Drei Viertel dieser Jobreduzierungen seien Ende 2014 umgesetzt gewesen. Es gehe nun auch darum, Wachstumsfelder wie etwa die Spezialstähle weiter zu stärken. Die Dividende soll diesmal mit 20 Cent konstant bleiben. Das erlaube die nach wie vor solide Finanzlage, sagte Finanzvorstand Burkhard Becker. Die Eigenkapitalquote, die Rückschlüsse auf die Abhängigkeit von Krediten gibt, liegt bei 34 Prozent - ein gesunder Wert. „Da muss ich nicht anfangen, unruhig zu werden“, sagte Fuhrmann. Unter dem Strich war Salzgitter zuletzt allerdings nach wie vor noch nicht wieder profitabel, dort standen 2014 rund 32 Millionen Euro Verlust.

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Konzern leidet unter Preisdruck

Der im MDax für die mittelgroßen Börsenwerte notierte Konzern leidet wie die gesamte Stahlbranche unter Preisdruck, Auftragsflauten und zu vielen Fabriken. Europas Stahlverband Eurofer hielt zuletzt selbst bei einer normalen Nachfrage ein Viertel der Produktionskapazität für überflüssig. Der Verband schreibt in seiner aktuellen Prognose, dass es 2015 und 2016 allenfalls minimal nach oben gehe. So bremsten „die schwache Geschäftslage in EU-Kernmärkten wie Frankreich und Italien, ermattendes Wachstum in praktisch allen großen Schwellenländern und auch die Handelssanktionen gegen Russland“. Andererseits sprächen „niedrigere Ölpreise, der schwächere Euro und ein komfortableres Investitionsklima“ für mehr Schub in den Heimat- und Auslandsmärkten.

„Der deutsche Stahlmarkt ist mit relativ günstigen konjunkturellen Voraussetzungen in das neue Jahr gestartet“, hieß es vor kurzem beim deutschen Stahlverband. „Die Kapazitätsauslastung ist mit 86 Prozent im internationalen Vergleich sehr hoch. Schließlich befinden sich auch die Lagerbestände bei Handel und Verarbeitern auf einem niedrigen Niveau.“ Daher rechne die Wirtschaftsvereinigung Stahl für das laufende Jahr mit 1 Prozent Zuwachs bei der Rohstahlerzeugung.

Keine Bewegung bei Pipeline-Projekt

Fuhrmann sagte, es gebe nunmehr nur noch ein Sorgenkind im Konzern: Die Tochter HSP (Hoesch Spundwand und Profil) aus Dortmund. Sie sei „letzter struktureller Verlustbringer“. Der Salzgitter-Chef versprach aber: „Das wird im Verlauf des Jahres 2015 gelöst werden.“ Bei der HSP sei ein Stellenabbau um gut 100 Jobs auf dann etwa 340 geplant. Verkauf oder Sanierung oder beides - das seien alles Möglichkeiten.

Keine Bewegung gebe es bei dem ausgesetzten Gaspipeline-Projekt South Stream, für das die Salzgitter-Beteiligung Europipe in Mülheim an der Ruhr Röhren liefert. Der nächste Stichtag für eine Entscheidung sei der 1. Juni. Mit 450 Mitarbeitern waren bei Europipe im März gut die Hälfte der knapp 800 Beschäftigten zeitweise in Kurzarbeit. „Wenn wir Pech haben, wird sich das im Frühsommer wiederholen“, sagte Fuhrmann. Das Großprojekt liegt wegen der Spannungen mit Russland auf Eis.

Von Heiko Lossie/dpa

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