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Niedersachsen Salzgitter streicht gut 1500 Stellen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Salzgitter streicht gut 1500 Stellen
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20:36 14.08.2013
Wo die Verluste am höchsten sind, wird der Stellenabbau überproportional ausfallen“: Bei der Salzgitter-Tochter Peiner Träger befürchten viele, ihren Helm dauerhaft an den Haken hängen zu müssen. Quelle: dpa
Hannover

Die Krise in Europas Stahlindustrie trifft Salzgitter noch schlimmer als bisher bekannt. Mindestens 1500 seiner mehr als 23.000 Arbeitsplätze will Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller abbauen, wie der niedersächsische Konzern am Mittwoch bei der Vorlage seiner Halbjahresbilanz ankündigte. Besonders der Standort in Peine fürchtet um Arbeitsplätze.

Nach quälend langen Verhandlungen zwischen Management, Konzernbetriebsrat und IG Metall wissen die Beschäftigten nun, was auf sie zukommen könnte, nicht jedoch, in welchen Bereichen wie viele Stellen gestrichen werden. Details der geplanten Einschnitte nannte Salzgitter immer noch nicht. Der im M-Dax notierte Konzern begründete dies mit den Verhandlungen über eine Rahmenvereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern, dieser „Zukunftsvertrag“ werde „in Kürze“ unterschrieben. Das Einsparpotenzial im Konzern bezifferte Salzgitter auf über 200 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte davon soll die Verbesserung technischer Prozesse bringen, den übrigen Teil eine „Personalreduzierung oberhalb von 1500 Stellen“.

Erst in der vorigen Woche hatte das Unternehmen, an dem das Land Niedersachsen als größter Aktionär mit 26,5 Prozent beteiligt ist, Beschäftigte und Börsianer mit der Ankündigung eines Vorsteuerverlusts von mindestens 400 Millionen Euro in diesem Jahr schockiert. In den ersten sechs Monaten sind Schulden von knapp 300 Millionen Euro aufgelaufen, rund 283 Millionen Euro davon allein im zweiten Quartal.

Ein Großteil entfällt auf die ums Überleben kämpfende Konzerntochter Peiner Träger. Unter dem Strich schloss das erste Halbjahr bei einem um sieben Prozent auf knapp fünf Milliarden Euro geschrumpften Umsatz mit einem Verlust von 315 Millionen Euro ab. Der konzernweite Jobabbau dürfte besonders den Standort Peine treffen, wo rund 1100 Mitarbeiter Profilstahl für die Baubranche fertigen. Indirekt bestätigte dies ein Salzgitter-Sprecher: Wo die Verluste am höchsten seien, werde der Stellenabbau „überproportional“ ausfallen.

Heftigen Widerspruch lösten die geplanten Streichungen bei der Gewerkschaft aus. Die vom Vorstand genannten Zahlen könne er „weder bestätigen noch akzeptieren“, erklärte IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban, Vize-Aufsichtsratschef der Salzgitter AG. Dies sei „spekulativ und überflüssig“, eine Entscheidung darüber gebe es nicht, sagte Urban der HAZ. Der „Zukunftsvertrag“ lege nur die Instrumente für eine Anpassung des Personals fest, von Altersteilzeit über Kurzarbeit bis hin zu Abfindungen. Danach werde in den Konzerngesellschaften über die Umsetzung verhandelt. Eine Bedingung nannte der Gewerkschafter schon: den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

„Gegebenenfalls unverzichtbare Personalanpassungen müssen sozialverträglich erfolgen.“ Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider erklärte, an dem Personalabbau führe aufgrund der Überkapazitäten wohl kein Weg vorbei. Betriebsbedingte Kündigungen sollten jedoch vermieden werden, forderte der ehemalige Personalchef bei Salzgitter.

Konkurrent ThyssenKrupp hatte zuvor die Streichung von 2000 Jobs angekündigt.

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