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Niedersachsen Schadensausmaß ist noch unklar
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schadensausmaß ist noch unklar
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22:38 19.02.2010
Von Albrecht Scheuermann
Für die Nord/LB in Hannover ist der mutmaßliche Betrugsfall vor allem ein Imageschaden. Quelle: dpa (Archiv)
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Der Sprecher bestätigte jedoch, dass die Skandifinanz in Zürich Strafanzeige gegen einen Geschäftspartner eingereicht habe. Es bestehe ein dringender Betrugsverdacht im Zusammenhang mit Exportfinanzierungsgeschäften. „Da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt, können wir uns zu Einzelheiten nicht äußern“, hieß es. Auch die Ermittlungsbehörde in Zürich hielt sich bedeckt.

Die Skandifinanz Bank AG gehört der Luxemburger Nord/LB-Tochter Norddeutsche Landesbank Luxembourg S.A. Ihre Spezialität ist die Außenhandelsfinanzierung. Sie arbeitet also mit Unternehmen zusammen, die sich auf diesem Weg ihr Exportgeschäft finanzieren lassen.

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Eine Variante ist die sogenannte Forfaitierung. Dabei verkaufen Exporteure später fällig werdende Forderungen aus ihren Geschäften an die Bank, die dann auch das Risiko daraus übernimmt. Hierfür müssen bestimmte Dokumente vorgelegt werden, die beweisen, dass die Ware tatsächlich ausgeliefert wurde und die Forderung gegen den Empfänger zu Recht besteht. Hierbei hat offenbar ein Schweizer Unternehmen mit gefälschten Papieren Geld von der Skandifinanz erschwindelt. Angeblich wurden Lieferungen von bestimmten Industriegütern ins Ausland fingiert.

Die Nord/LB hat nicht nur die Schweizer Justiz eingeschaltet, sondern umfangreiche interne Prüfungen veranlasst. Dazu wurde dem Vernehmen nach ein ganzes Expertenteam von Hannover nach Zürich geschickt, das dort nun die Bücher intensiv prüft.

Die Skandifinanz selbst bemüht sich gar nicht erst, den Fall unter den Teppich zu kehren. Jedenfalls verriet das von bösen Zungen mittlerweile in „Skandalfinanz“ umbenannte Unternehmen auf seiner Internetseite: „Geschätzte Kunden, wir sind momentan mit der Aufarbeitung eines Betrugsfalls beschäftigt.“ Man sei aber weiter telefonisch oder per E-Mail erreichbar.

Nach ersten Ermittlungen handelt es sich um einen isolierten Fall. Es gebe bislang auch keine Hinweise, dass Mitarbeiter der Bank selbst in betrügerische Handlungen verwickelt sind, hieß es. Sollte sich der Betrugsverdacht bestätigen, müsste dies noch in die Nord/LB-Konzernbilanz für 2009 einfließen.

Tragbar sein dürfte der Schaden jedenfalls nach bisherigem Stand problemlos. So kam die Skandifinanz-Mutter in Luxemburg im ersten Halbjahr 2009 bei einer Bilanzsumme von gut 23 Milliarden Euro auf einen Nachsteuergewinn von 19,2 Millionen Euro und Eigenmittel von 900 Millionen Euro. Der Nord/LB-Konzern insgesamt verbuchte in den ersten drei Quartalen einen Konzerngewinn von 117 Millionen Euro, er kommt auf eine Bilanzsumme von 247 Milliarden Euro und ein Eigenkapital von rund 6 Milliarden Euro.

Damit ist die Betrugsaffäre in der Schweiz für die Bank zwar finanziell überschaubar, aber gleichwohl ziemlich peinlich. Erst vor zwei Jahren hatte die Nord/LB durch Aktiengeschäfte mit einem zwielichtigen Geschäftsmann 180 Millionen Euro verloren. Derzeit versucht die Bank, auf dem Rechtsweg Schadenersatz einzuklagen.