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Niedersachsen Schaeffler-Banken sichern sich Zugriff
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19:55 25.08.2009
Von Lars Ruzic
Ein Großteil der Schaeffler-Schulden kann künftig mit Aktien einer vergrößerten Conti AG abgelöst werden. Quelle: ddp
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Nach Informationen dieser Zeitung können die Schaeffler-Gläubiger nach der für das kommende Jahr anvisierten Verschmelzung beider Unternehmen wesentlich leichter durchregieren und Anteile übernehmen. Ein Großteil der Schaeffler-Schulden kann künftig mit Aktien einer vergrößerten Conti AG abgelöst werden.

Schaeffler hatte sich unlängst mit seinen fünf Kreditgebern – allen voran die Commerzbank – auf eine Umstrukturierung seiner Schulden in Höhe von 12 Milliarden Euro geeinigt. Dabei werden die Verbindlichkeiten aufgeteilt auf das operative Geschäft (7 Milliarden Euro) und die Holding (5 Milliarden Euro). Commerzbank-Chef Martin Blessing, bei dessen Haus Schaeffler allein mit 5 Milliarden Euro in der Kreide steht, hatte diese Einigung vorangetrieben. Bereits Anfang August hatte er sein Vier-Stufen-Modell dem Vernehmen nach auf einem geheimen Treffen mit Schaeffler-Belegschaftsvertretern vorgestellt.

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Es sieht nach der Verlängerung des Kreditrahmens zunächst die Vorlage eines Sanierungsgutachtens vor. Sollte das Zeugnis positiv ausfallen, folgt die Aufteilung der Schulden und die Schaffung einer kapitalmarktfähigen Rechtsform der bislang stark verwinkelten Kommanditgesellschaft. Anschließend sollen „die operativen Einheiten von Schaeffler in die Continental AG eingehen“, wie es bei dem Treffen mit den Gewerkschaftern hieß.

Die Schaeffler-Holding würde dann die Aktien an der vergrößerten Conti halten. Das sind heute gut 90 Prozent. Da die Hannoveraner jedoch eine Kapitalerhöhung planen, könnte der Anteil in den kommenden Monaten auf 65 bis 70 Prozent verwässert werden. Gleichzeitig verblieben in der Dachgesellschaft auch 5 Milliarden Euro Schulden, auf die derzeit weder Zinsen gezahlt werden müssen, noch werden sie getilgt. Sollte die Holding zu den Fälligkeitsterminen nicht nachzahlen können, müsste sie Conti/Schaeffler-Aktien abgeben.

Damit würde die Familie nur dann auch mittelfristig der zentrale Machtfaktor in dem fusionierten Konzern, falls dieser ausreichend Dividenden ausschüttet, um der Holding das Abzahlen ihrer Kredite zu ermöglichen. Das allerdings erscheint schon angesichts der Tatsache unwahrscheinlich, dass eine Conti/
Schaeffler AG ihrerseits gut 17 Milliarden Euro abstottern müsste. Schließlich brächte auch Conti eine milliardenschwere Bürde in die Fusion ein.

Die Hannoveraner müssen allein im Sommer 2010 auf einen Schlag 3,5 Milliarden Euro aus der VDO-Übernahme zurückzahlen. Wo das Geld heute herkommen soll, weiß niemand. Da die Conti-Kredite auf mehr als 50 Banken verteilt sind, ist deren Not, eine einvernehmliche Lösung zu finden, deutlich kleiner als bei den Schaeffler-Banken mit ihren gewaltigen Abschreibungsrisiken.

Gleichwohl hoffen Blessing und Co., auch die Conti-Institute auf ihre Seite ziehen zu können. Am Freitag soll es ein erstes Treffen der beiden Gläubigergruppen geben, um gemeinsame Auswege aus der Verschuldungskrise zu finden. Dem Vernehmen nach teilen sich die Conti-Banken in drei Gruppen auf: Die einen wollen lieber ein Ende mit Schrecken, andere unterstützen Blessings Pläne, und eine dritte Gruppe verlangt die Filetierung – Verkauf des Conti-Gummibereichs eingeschlossen.