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Niedersachsen Schaeffler spricht mit Arabern
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schaeffler spricht mit Arabern
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19:00 16.07.2009
Von Lars Ruzic
Quelle: Rainer Surrey
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Nach Informationen der HAZ ist das Familienunternehmen mit arabischen Investoren im Gespräch, die die dringend benötigte milliardenschwere Kapitalspritze mitbringen könnten. Ihnen wurde bereits ein sogenannter Datenraum geöffnet, in dem sie tieferen Einblick in die Schaeffler-Zahlen nehmen können.

Mit seinen Gläubigerbanken soll sich der Wälzlagerkonzern gleichzeitig auf Grundzüge einer neuen Finanzierung geeinigt haben. Der fränkische Konzern setze darauf, seine Fälligkeiten zu strecken, im idealen Fall solle in diesem und im nächsten Jahr keine Tilgung geleistet werden. Auch eine Stundung von Zinsen sei im Gespräch. „Wir sind da auf einem guten Weg“, sagte ein Schaeffler-Sprecher. Man wolle mit der Stabilisierung des eigenen Unternehmens die Voraussetzung für ein geordnetes Zusammengehen beider Konzerne schaffen. Von den einst laut eingeforderten Staatshilfen ist derzeit keine Rede mehr.

Schaeffler hatte vor gut einem Jahr die Übernahme von Conti ausgerufen, strebte aber nur eine Minderheitsbeteiligung an. Mit dem Kursverfall an den Börsen griffen jedoch fast alle Aktionäre auf die Offerte zurück. Am Ende saß Schaeffler auf 90 Prozent der Conti-Aktien und einem Schuldenberg von 11 Milliarden Euro. Die Verbindlichkeiten der Hannoveraner sind nur unwesentlich geringer. Dennoch sehen beide Konzerne in einer Zusammenführung die sinnvollste Option. „Das Ziel steht außer Frage, es geht nur noch um das Wie“, so der Sprecher.

Die Gespräche mit den fünf Gläubigerbanken sollten in den nächsten Wochen beendet werden, spätestens aber Mitte August, berichtet das „Handelsblatt“. Die Banken würden mit der Stundung zwar Abschreibungen auf Kredite vermeiden, gleichzeitig aber auch Milliarden-Zahlungen verschieben. Schaeffler würde mehr Zeit gewinnen, um seine Schuldenprobleme zu lösen und die Kontrolle über Continental doch noch behalten zu können. Eine Reihe von Details, vor allem steuerliche Aspekte, seien aber noch zu klären, hieß es in dem Bericht.

Ursprünglich hatte Conti-Chef Karl-Thomas Neumann den Aktionären für Ende Juli Klarheit versprochen. Dass auf der entsprechenden Aufsichtsratssitzung bereits Entscheidungen über Struktur und Machtverteilung fallen, gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Neumann hatte stets betont, dass dem System Eigenkapital fehle, und dies am ehesten über den Zugang der börsennotierten Conti zu den Kapitalmärkten beschafft werden könne. Sollte Schaeffler jedoch Investoren mitbringen, wäre dies eventuell nicht mehr nötig.