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Niedersachsen Schifffahrt rettet TUI den Gewinn
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schifffahrt rettet TUI den Gewinn
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20:43 11.08.2010
Mit "Mein Schiff" will sich die TUI bei Kreuzfahrten den Massenmarkt erschließen. Der Konzern sieht sich auf einem guten Weg.
Mit "Mein Schiff" will sich die TUI bei Kreuzfahrten den Massenmarkt erschließen. Der Konzern sieht sich auf einem guten Weg. Quelle: dpa
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Dank der kräftigen Erholung der Containerschifffahrt steuert die TUI im laufenden Geschäftsjahr auf schwarze Zahlen zu. Nachdem die Reederei-Tochter Hapag-Lloyd zwischen April und Juni das beste Quartalsergebnis ihrer Geschichte eingefahren hat, sei die Konzernführung "sehr zuversichtlich", im Gesamtjahr (per 30. September) die Gewinnzone zu erreichen, sagte Finanzvorstand Horst Baier am Mittwoch in Hannover. Der Umsatz ging im dritten Quartal um rund 4 Prozent auf 4 Milliarden Euro zurück, unter dem Strich konnte die TUI ihren Verlust von 456,8 auf 36,3 Millionen Euro verringern.

Verantwortlich dafür war in erster Linie der Boom der Containerschifffahrt. Hapag-Lloyd, die vor einem Jahr noch mit Finanzhilfen der Eigentümer und einer staatlichen Milliardenbürgschaft vor dem Untergang gerettet werden musste, fuhr im dritten Quartal - bereinigt um Sondereffekte und vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) - einen Quartalsgewinn von 226 Millionen Euro ein, nach einem Verlust von 193 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um 29 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Die Transportmenge stieg um 8 Prozent, die Frachtraten schnellten um 30 Prozent nach oben.

Nach dem dramatischen Einbruch der Branche im vergangenen Jahr erwartet der Konzern, dass sich das Tempo der Erholung in den kommenden Monaten etwas verlangsamt. Auf welchem Niveau sich die Frachtraten einpendelten, lasse sich nicht voraussagen, sagte Baier. Ob durch die Erholung des Geschäfts ein Verkauf der beim Konzern verbliebenen Hapag-Lloyd-Anteile näher rücke, wollte der Finanzchef nicht sagen: "Wir fühlen uns nicht unter Zeitdruck."

Die TUI hält noch rund 43 Prozent an der Reederei. Der Unternehmenswert von Hapag-Lloyd wurde seinerzeit einschließlich Schulden auf 4,45 Milliarden Euro taxiert. Die Niedersachsen können für ihre Anteile schon seit Jahresbeginn andere Interessenten suchen, wenn das Hamburger Konsortium "Albert Ballin" um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne von seinem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch macht. Im Jahr 2012 muss "Albert Ballin" das Paket laut Vertrag zum Preis von 910 Millionen Euro übernehmen.

Weniger zuversichtlich zeigte sich die TUI für ihr touristisches Kerngeschäft. Die Flugausfälle infolge des Vulkanausbruchs auf Island und die Sparsamkeit der Urlauber haben die britischen Tochter TUI Travel veranlasst, das Erreichen ihrer Renditeziele nach hinten zu verschieben. Am Ziel einer Gewinnmarge von 4,7 Prozent vor Zinsen und Steuern hält das Unternehmen zwar fest. Möglicherweise werde man das Ziel aber erst in drei Jahren erreichen, hieß es. In der britischen Tochter hat der Konzern sein Veranstaltergeschäft gebündelt.

Auch der Hotelbereich, der komplett dem Mutterkonzern TUI AG gehört, hatte mit rückläufigen Erlösen zu kämpfen. Trotz des Umsatzminus von 4 Prozent auf 200 Millionen Euro im dritten Quartal stieg der operative Gewinn um 50 Prozent auf 18 Millionen Euro. Der Bereich habe seine Kosten gesenkt und zudem von Wechselkurseffekten profitiert, hieß es.

Mehr Gewinn eingefahren haben auch die Kreuzfahrtschiffe des Konzerns, obwohl das Flaggschiff der Flotte - die ,,MS Europa" - wegen eines nicht geplanten Werftaufenthalts einige Reisen nicht antreten konnte. Dadurch sank zwar der Umsatz im Quartal um 29 Prozent auf 32 Millionen Euro, die Sparte erreichte mit einem Plus von 6 Millionen Euro dennoch schwarze Zahlen, im Vorjahr lag das Minus bei 4 Millionen Euro. Dazu habe auch der positive Trend der Tochter TUI Cruises beigetragen, die Auslastung von "Mein Schiff" sei gestiegen.

Jens Heitmann