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Niedersachsen Schlachtkonzern boykottiert VW
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20:55 10.05.2015
Türme mit VW-Fahrzeugen in der Wolfsburger Autostadt. Die Firma Rothkötter will vorerst auf Autos des Konzerns verzichten. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Meppen/Wolfsburg

Gesellschaftliches Engagement steht bei VW weit oben auf der Agenda. Nicht nur groß, sondern auch gut will der zweitgrößte Autobauer der Welt sein, und die Autostadt ist dabei eine Art Aushängeschild. Doch jetzt lernt man in Wolfsburg, dass die Gesellschaft unübersichtlich ist: Nicht alle halten das Gleiche für gut. Die Aktion „Gut essen“ hat der Autostadt bereits Ärger mit dem Bauernverband eingetragen und nun auch noch einen Kunden vertrieben: Der emsländische Schlachtkonzern Rothkötter will keine Konzernprodukte mehr kaufen.

Der Streit entzündet sich an der Präsentation der „Gut essen“-Aktion auf der Autostadt-Website. „Vital, vegetarisch, vegan“ ist demnach die Philosophie der zehn Autostadt-Restaurants. Es geht um ökologische Grundsätze, regionale Erzeugnisse und den Einfluss der Ernährung auf das Ökosystem. „Ein Großteil der klimaschädlichen Methangasemissionen beispielsweise stammt aus den Mägen von Rindern und Milchkühen“, erfährt man dort zum Beispiel. Dies sei für einen Autohersteller eine gewagte Argumentation, befand der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“

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Die erwünschte Wirkung hat man damit offenbar nicht erzielt – jetzt hat sich jedenfalls ein großer Geflügelkonzern eingeschaltet. Das emsländische Schlachtunternehmen Rothkötter will 
VW-Produkte boykottieren. In einem Brief an Vorstandschef Martin Winterkorn schrieben die beiden Geschäftsführer Franz-Josef Rothkötter und Wilfried Fleming: „Solange die Stigmatisierung der konventionellen Land- und Ernährungswirtschaft auf der Homepage nicht beendet wird, werden wir keine weiteren Fahrzeuge des VW-Konzerns mehr erwerben.“ Die Rothkötter-Geschäftsführer schrieben, sie seien „zunehmend irritiert“, dass es auf der Website der Autostadt bisher zu keinen wahrnehmbaren Korrekturen gekommen sei.

Zuvor hatte schon der niedersächsische Landvolk-Präsident Werner Hilse indirekt dazu aufgerufen, keine VW-Fahrzeuge mehr zu kaufen, weil sich Bauern von agrarkritischen Bemerkungen diskriminiert fühlten. Inzwischen habe es ein Treffen Hilses mit dem Autostadt-Geschäftsführer Otto Wachs gegeben, sagte ein Autostadt-Sprecher. Es solle einen weiteren Austausch zwischen Landwirten und der Autostadt geben. „Da befinden wir uns noch in der Terminfindung.“ Möglicherweise werde die Website überarbeitet. Die Autostadt gebe keine einseitigen Empfehlungen für fleischhaltige, vegetarische oder vegane Ernährung, sondern wolle alle Ernährungsformen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen darstellen. Mehr als zwei Drittel der Gerichte in den Autostadt-Restaurants enthielten Fleisch.

Der Rothkötter-Fuhrpark besteht dem Brief zufolge aus 159 Lkws – davon 100 Scania – sowie 68 Pkws, davon 41 VW oder Audi. Laut dem jüngsten im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernabschluss vom 30.  Juni 2013 produzierte das Unternehmen rund 30 Prozent des deutschen Hähnchenfleischs. Der Jahresumsatz betrug damals 995,5 Millionen Euro. Das Unternehmen betreibt Hähnchenschlachthöfe im emsländischen Haren und in Wietze. Es beschäftigt eigenen Angaben zufolge 2500 Mitarbeiter.     

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