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Niedersachsen Schlechteste Kartoffelernte seit Jahren
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schlechteste Kartoffelernte seit Jahren
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22:14 08.10.2013
Von Carola Böse-Fischer
Kartoffelernte in Niedersachsen: Rund 600 000 Tonnen weniger holen die Bauern hier in dieser Saison von den Feldern. Quelle: dpa
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Hannover

Diesmal war allein das Wetter schuld. Zu kalt und zu nass im Frühjahr, zu heiß und trocken im Sommer – das ist den Kartoffeln überhaupt nicht bekommen, wie Torsten Renken, Geschäftsführer und Mitinhaber der Handelsfirma Lünekartoffel in Südergellersen bei Lüneburg, erklärt. Deshalb haben die Bauern in dieser Saison die kleinste Kartoffelernte seit Jahrzehnten eingefahren, und die Preise sind bereits kräftig gestiegen.

Nur noch 9,2 Millionen Tonnen holen sie von den Feldern. Das sind nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums 13,4 Prozent weniger als 2012 und sogar 17,7 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

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Ob die Erntezahlen des Berliner Ministeriums tatsächlich unter dem Strich stehen werden, ist allerdings noch nicht ganz sicher. Denn diese und nächste Woche läuft die Kartoffelernte noch auf vollen Touren, wie Renken berichtet. Am Trend dürfte das aber nichts mehr ändern: Zum dritten Mal in Folge ernten die Landwirte in diesem Herbst weniger Kartoffeln auf ihren Äckern, obwohl die Anbaufläche bundesweit sogar leicht um 1,2 Prozent auf mehr als 241 000 Hektar ausgeweitet worden ist, wie es beim Bundesagrarministerium heißt.

Anders in Niedersachsen. Entgegen dem Bundestrend schränkten die Kartoffelanbauer hier die Flächen um über 2 Prozent auf 101 500 Hektar ein, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Mit knapp 4,2 Millionen Tonnen fiel die Knollenernte um 600 000 Tonnen oder fast 13 Prozent niedriger aus als im vergangenen Jahr. Dennoch bleibt Niedersachsen damit unter den Bundesländern die mit Abstand größte Anbauregion.

Noch größer waren die Ernteverluste laut Agrarministerium in Bayern, Nummer drei im Kartoffelanbau. Die Erntemenge sank demnach um 27,4 Prozent auf noch 1,35 Millionen Tonnen. Mehr Kartoffeln wurden nur in Nordrhein-Westfalen mit 1,42 Millionen Tonnen (plus 7 Prozent) und Brandenburg mit 322 000 Tonnen (plus 2,1 Prozent) geerntet.

So richtig zufrieden dürften die Bauern aber auch hier nicht sein, wie Kartoffelexperte Renken meint. Denn die lange Trockenheit habe das Wachstum der Knollen gebremst, und sie seien häufig klein geblieben und ließen sich deshalb nicht mehr bei den Herstellern von Pommes Frites vermarkten. Die Qualität schwankt laut Renken von Region zu Region. Speisekartoffeln aus Niedersachsen bescheinigte er eine „ordentliche“ Qualität, weil es unter anderem weniger Schalenschäden etwa durch Wurmfraß gebe.

Zudem erlösen die Bauern wegen der schlechten Ernte deutlich mehr für ihre Kartoffeln. Derzeit liegen die Erzeugerpreise für Speisekartoffeln, auf die rund zwei Fünftel der Erntemenge entfallen, zwischen 20 und 22 Euro je Dezitonne (100 Kilogramm), wie Renken sagt. Verglichen mit der Vorjahreszeit sei das ein sattes Plus von rund 60 Prozent.

Ein Teil davon kommt bei den Verbrauchern im Supermarkt an. Umgerechnet auf ein Kilogramm kosten festkochende Speisekartoffeln nach Beobachtung von Renken mehr als einen Euro, über 40 Prozent mehr als zur Vorjahreszeit.

Trotz der hohen Preise erwartet der Kartoffelexperte jedoch nicht, dass die Bauern im nächsten Jahr ihre Anbauflächen wieder ausweiten. Zum einen sei der Verzehr von Speisekartoffeln tendenziell rückläufig. Zum anderen sei ein Wiedereinstieg in den Kartoffelanbau wegen der damit verbundenen Investitionen nicht so einfach. Im Geschäft bleiben laut Renken nur die Profis.

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