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Niedersachsen Schwacher Euro hilft Getreidebauern
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schwacher Euro hilft Getreidebauern
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08:35 24.06.2010
In knapp vier Wochen beginnt in Niedersachsen die Getreideernte. Quelle: Archiv
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Die Euro-Schwäche erweist sich als unerwartete Hilfe für die Landwirte. Seit die europäische Gemeinschaftswährung an Boden gegenüber dem Dollar verloren hat, hat sich das Blatt auf dem Getreidemarkt gewendet, wie Konrad Weiterer, Vorsitzender des privaten Agrargewerbes Niedersachsen (AGW), am Mittwoch in Uetze berichtete.

Noch zum Jahresbeginn hatten die niedersächsischen Getreidebauern die Hälfte ihrer alten Ernte eingelagert – in der Hoffnung, dass sich die Preise bis zum Frühsommer erholen. Jetzt würden die Silos, vor allem in Norddeutschland, geräumt, sagte der AGW-Chef, der auch Sprecher der Geschäftsführung des Landhandelsunternehmens Weiterer in Algermissen ist. Der schwächere Euro kurbele den Getreideexport der EU und damit vor allem Deutschlands an. Bis zur diesjährigen Getreideernte, die in knapp vier Wochen beginnt, dürften die Lager laut Weiterer geleert sein.

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Dank der guten Nachfrage aus dem Ausland steigen auch die Getreidepreise. Derzeit schwankt der Weizenpreis an der Pariser Agrarbörse Matif, an dem sich der Landhandel in Niedersachsen orientiert, um 140 Euro je Tonne. Vor einem Jahr lag die Notierung bei 161 Euro, fiel dann aber bis auf 125 Euro, ehe die Preise in den vergangenen Monaten wieder bis auf das gegenwärtige Niveau anzogen. Beim Weizen habe sich der europäische vom globalen Markt abgekoppelt, sagte Weiterer. Während es hier derzeit ein knapperes Angebot gebe, sei die weltweite Versorgung nach zwei guten Ernten „komfortabel“.

Der AGW-Chef rechnet auch nicht damit, dass die Getreidepreise während der neuen Ernte noch stark ins Rutschen kommen – jedenfalls solange nicht, wie sich an den derzeitigen Wechselkursen von Dollar und Euro nicht viel ändere.

Dann bleibe Deutschland, nach Frankreich zweitgrößter Getreideexporteur der EU, aber laut Weiterer bei der Qualität die Nummer eins, ein gefragter Lieferant besonders für die nordafrikanischen Länder sowie Saudi-Arabien und den Iran. Dort seien wegen Wassermangels teilweise schlechtere Ernten zu erwarten, so dass diese Länder auf Dauer mehr Getreide für ihre Versorgung einführen müssten. Die Saudis etwa hätten die Bewässerung ihrer Felder eingestellt, weil sie zu teuer geworden sei, erklärte Weiterer. Insgesamt hat Deutschland im Wirtschaftsjahr 2009/10 (30. 6.) rund 6 Millionen Tonnen Getreide exportiert.

Nach ersten Schätzungen wird für die EU in diesem Jahr eine Getreideernte von knapp 287 Millionen Tonnen erwartet, nach 293,5 Millionen Tonnen im Jahr zuvor, auf Deutschland entfallen danach rund 46 Millionen Tonnen, verglichen mit 49,4 Millionen Tonnen 2009. Für Niedersachsen wird eine Ernte von 6 bis 6,7 Millionen Tonnen vorhergesagt, 2009 waren es 6,8 Millionen Tonnen. Grund ist die Reduzierung der Anbauflächen um insgesamt 5,5 Prozent.

Viele Landwirte bauen lieber vermehrt Mais an, weil er immer stärker von den Biogasproduzenten nachgefragt wird und gute Preise bringt, wie der AGW-Chef erklärte. Indirekt stabilisiere der Maispreis damit die Getreidepreise.

Carola Böse-Fischer

Lars Ruzic 19.06.2010