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Niedersachsen Schwede soll TUI Deutschland führen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schwede soll TUI Deutschland führen
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06:15 21.04.2012
Von Jens Heitmann
Künftig soll Christian Clemens die Tochtergesellschaft in Hannover führen. Quelle: dpa
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Hannover

„Ziel der neuen Struktur ist es, Synergien zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen zu heben“, teilte die Konzerntochter TUI Travel am Mittwochabend mit. Das führt zu einem Stühlerücken in den Landesgesellschaften: In Hannover soll TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher in die zweite Reihe rücken - ab Oktober werde der Schwede Christian Clemens den Vorsitz der Geschäftsführung übernehmen, hieß es in der Erklärung aus London weiter. Dem Vernehmen nach steht auch Finanzchef Henrik Homann vor der Ablösung. Der 52-jährige Böttcher werde künftig für die Spezialanbieter wie L’Tur, Berge & Meer und Gebeco sowie für die TUI-Töchter in der Schweiz, Österreich und Polen verantwortlich sein.

Auch im Bereich Westeuropa kommt es offenbar zu einem Wechsel. Nach HAZ-Informationen soll der für Frankreich, die Niederlande und Belgien zuständige Manager Bart Brackx ebenfalls von seinen bisherigen Aufgaben entbunden werden.

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Bei den rund 2000 Beschäftigten von TUI Deutschland in Hannover sorgte die Ankündigung für große Verwunderung. „Wir sind alle komplett überrascht worden“, sagte ein Betriebsrat. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der gesamten Belegschaft.“ Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von TUI Deutschland erwägen rechtliche Schritte. „Wir prüfen, ob eine Gesellschaft in Großbritannien einen Geschäftsführer absetzen kann, den wir in einem deutschen Aufsichtsrat bestellt haben“, sagte die stellvertretende Landesleiterin der Gewerkschaftver.di in Niedersachsen-Bremen, Sonja Brüggemeier. „Das ist ein skandalöser Vorgang.“

Die TUI hatte ihr Pauschalreisegeschäft im Jahr 2007 mit dem britischen Veranstalter First Choice zur neuen TUI Travel mit Sitz in London fusioniert. Von dem Manöver erhoffte sich die Konzernführung um Michael Frenzel eine höhere Rendite in dem traditionell margenschwachen Bereich. TUI Travel hat den jeweiligen Landesgesellschaften in der Folge ehrgeizige Ziele vorgegeben. TUI Deutschland beispielsweise soll operativ eine Rendite von 3 Prozent erreichen - zuletzt erreichte man in Hannover 2,1 Prozent. „Wir liegen damit aber voll im Plan“, sagte ein hannoverscher Manager.

Im vergangenen Herbst hatte TUI Deutschland unter dem Titel „GET“ einen weitgehenden Umbau des eigenen Geschäftsmodells eingeleitet - und den Abbau von knapp 600 Stellen angekündigt. Wegen der schwachen Margen im touristischen Massenmarkt sollen die Buchungen hier stärker automatisiert werden, parallel dazu will man den Bereich der individuellen Luxusreisen mit exklusiven Angeboten ausbauen. So soll etwa die Zahl der zielgruppenspezifischen Hotels bis 2015 von derzeit 41 auf 136 steigen.

Doch diese Anstrengungen scheinen der Führung von TUI Travel nicht zu genügen. Seit Oktober vergangenen Jahres verantwortet in London Johan Lundgren als stellvertretender Vorstandschef das Pauschalreisegeschäft. Der Schwede hatte zuvor in Skandinavien mit hohen Margen geglänzt und sich so für den Karrieresprung empfohlen. Die TUI Nordic mit Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland erzielt seit Jahren eine Umsatzrendite zwischen 6 und 7 Prozent. Vereinzelte Stimmen im Konzern bringen Lundgren bereits als Kandidaten für die Nachfolge von TUI-Chef Frenzel ins Spiel, der spätestens 2014 altersbedingt ausscheiden wird.

Die Unzufriedenheit in London kann man bei TUI Deutschland nicht nachvollziehen. Die Gesellschaft habe in den vergangenen vier Jahren alle Renditeziele erreicht. Auch der Aufbau des Online-Geschäfts schreite planmäßig voran. Unter den Mitarbeitern geht bereits die Furcht vor einer weiteren Sparrunde um. Im Zuge des jüngsten Stellenabbaus sei zwar eine Beschäftigungssicherung bis 2014 vereinbart worden, hieß es. Doch diese Regelung gelte nur für die Mitarbeiter von TUI Deutschland - nicht aber für die Beschäftigten von Dienstleistungstöchtern wie TVS oder TDG. „Die Verunsicherung ist groß“, sagte ein Aufsichtsratsvertreter.

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