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Niedersachsen 470 Stellen gefährdet? Sitech in Hannover droht das Aus
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen

Sitzehersteller Sitech: Standort Hannover droht das Aus

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19:55 27.01.2020
Blick in den neuen Transporter ID Buzz: Die Sitze sollen nicht von Sitech kommen. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Hannover

Dem hannoverschen Standort des Autositzherstellers Sitech mit 470 Beschäftigten droht das Aus. Nach Angaben der IG Metall hat das Werk nach dem Auftrag, den Elektrobulli ID Buzz auszustatten, auch die Produktion von Sitzen für den neuen VW-Bus T7 verloren. Volkswagen habe beschlossen, die Sitze von einem Konkurrenten in Osteuropa herstellen zu lassen, erklärte die Gewerkschaft am Montag. Damit stünde der Standort nach dem Auslaufen der T6-Produktion ohne Aufträge da. „Wir sind erschüttert, dass es Sitech in Hannover und seinen Beschäftigten an den Kragen gehen soll“, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Hannover, Dirk Schulze.

Sitech ist eine hundertprozentige VW-Tochter, die mit rund 5400 Beschäftigten an sieben Standorten in Deutschland, Polen und China Fahrzeugsitze für die Marken des Konzerns produziert. Seit 2007 fertigt die Firma auch für Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN). Bisher hatte Sitech die Aufträge ohne Ausschreibung bekommen – inzwischen muss man sich dem Wettbewerb stellen. Im Konzern entscheidet ein „Make-or-buy-committee“, ob ein Auftrag intern oder an einen fremden Anbieter vergeben wird. Das Gremium habe sich am Freitag gegen Sitech ausgesprochen, hieß es.

Faurecia unterbietet Sitech

Beim ID Buzz soll der Konkurrent Faurecia mit seinem Standort im tschechischen Pilsen den Zuschlag bekommen haben. Sitech habe einen Preis von 390 Euro je Sitz gefordert – Faurecia lediglich 280 Euro, verlautete aus Unternehmenskreisen. Beim T7 hatten sich VWN und Sitech dem Vernehmen nach auf 373 Euro je Sitz verständigt. Wegen der geringeren Auslastung nach dem Ausbleiben des ID-Buzz-Auftrags sei dieser Preis aber nicht mehr zu halten gewesen, war zu hören.

Gewerkschaft und Betriebsrat hätten bis Freitagnacht mit dem Unternehmen verhandelt, um den Standort zu sichern, erklärte die IG Metall. Die Beschäftigten hätten unter anderem Zugeständnisse bei der Ergebnisbeteiligung gemacht. „Die massiven Fehler des Managements, wie fehlende Investitionen aus den letzten Jahren, konnten damit nicht ausgeglichen werden.“ So sei der hohe Krankenstand auch auf eine schlechte Ergonomie an den Arbeitsplätzen zurückzuführen, kritisierte die Gewerkschaft.

Betriebsräte hoffen noch

Die Unternehmen wollten sich zur Zukunft des Standortes nicht äußern. „Wahrscheinlich hat Sitech in Hannover zum zweiten Mal den Wettbewerb um ein wichtiges Zukunftsprodukt verloren“, sagte ein Sitech-Sprecher. Die endgültige Entscheidung für die Fremdvergabe des T7-Auftrages sei noch nicht gefallen, hieß es bei VWN. „Wir sind weiter in der Ausschreibungsphase.“ Die Arbeitnehmervertreter bei Sitech wollen deshalb noch nicht aufgeben. „Wir versuchen alles, um den T7-Sitz in Hannover zu halten“, sagte Betriebsratschef Rafael Fernandez Solana. „Wir haben weiter die Hoffnung, dass der Volkswagen-Vorstand die richtige Entscheidung trifft.“

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Von Jens Heitmann

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