Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Das Aus für Sitech? VW beauftragt Konkurrenten
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen

Sitzehersteller Sitech in Hannover: VW beauftragt Konkurrenten in Stadthagen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:31 30.01.2020
Dirk Schulze, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hannover, macht sich für den Erhalt des Sitech-Standorts Hannover stark. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) wird die Sitze für die in Hannover gebauten Autos künftig vorwiegend von einem anderen Hersteller beziehen: Die Produktion für die neuen Modelle ID Buzz und Bulli T 7 übernehmen Standorte des Zulieferers Faurecia in Tschechien – die Sitze für den aufgefrischten T 6 könnten bald aus dessen Werk in Stadthagen kommen. „Wir haben Faurecia mit der Sicherstellung der Lieferung für den T6.1 beauftragt“, sagte ein Sprecher des konzerninternen Zulieferers Volkswagen Komponente am Mittwoch. Ziel sei es, die nötige Qualität der Produkte und die pünktliche Lieferung zu garantieren.

Bisher bezieht VWN seine Sitze vom Hersteller Sitech, einer hundertprozentigen VW-Tochter. Das Unternehmen produziert mit rund 5400 Beschäftigten an sieben Standorten in Deutschland, Polen und China für die Marken des Konzerns, seit 2007 fertigt die Firma auch für VWN, aktuell mit 470 Mitarbeitern in Hannover. Bisher hatte Sitech die Aufträge ohne Ausschreibung bekommen – beim ID Buzz und beim T 7 musste man sich erstmals der Konkurrenz stellen. Das „Make-or-buy-committee“ im Konzern habe sich für die Fremdvergabe entschieden, sagte der Sprecher von VW Komponente. Faurecia wollte sich dazu nicht äußern.

Faurecia unterbietet Sitech deutlich

Dem Vernehmen nach hat Faurecia Sitech deutlich unterboten. Beim ID Buzz habe der Konkurrent mit seinem Standort im tschechischen Pilsen einen Preis von 280 Euro je Sitz gefordert, Sitech habe mit 390 Euro deutlich darüber gelegen, verlautete aus Konzernkreisen. Beim T 7 hatte Sitech zunächst den Zuschlag erhalten – wegen der geringeren Auslastung nach dem Ausbleiben des ID-Buzz-Auftrags habe man den Preis von 373 Euro je Sitz jedoch nicht mehr halten können, hieß es. Die Arbeitnehmervertreter hätten noch „erhebliche Zugeständnisse“ gemacht, um die Produktion zu sichern, erklärte die IG Metall – jedoch vergeblich.

Lesen Sie auch: Kommentar zu Sitech: Noch bleibt es nebulös

Die Produktivität am Sitech-Standort in Hannover soll deutlich niedriger sein als in den Werken in Emden und Wolfsburg. Darüber hinaus gibt es von VWN-Seite Vorwürfe über Probleme mit der Qualität der Sitze und über unzureichende Liefertreue. Die Arbeitnehmervertreter bei Sitech weisen diese Kritik als haltlos zurück, für die fehlende Konkurrenzfähigkeit machen sie Fehler des eigenen Managements verantwortlich. Der hohe Krankenstand beispielsweise sei auch auf eine schlechte Ergonomie an den Arbeitsplätzen zurückzuführen, kritisiert die Gewerkschaft. Die Sitech-Geschäftsführung habe über Jahre zu wenig investiert.

IG Metall fordert weitere Produktion in Hannover

Die IG Metall hält den Auftrag für die Sitzefertigung bei Faurecia in Stadthagen für absurd. „VW wirft gerade das Geld zum Fenster raus, denn der Aufbau einer Parallelfertigung ist unnötig“, sagte der Erste Bevollmächtigte Dirk Schulze. „Die Beschäftigten bei Sitech in Hannover erfüllen ihre arbeitsvertraglichen Pflichten.“ Die Gewerkschaft erwarte deshalb ein klares Statement zur weiteren Herstellung des T6.1-Sitzes in Hannover gemäß des bestehenden Vertrages.

Lesen Sie auch

Von Jens Heitmann

Der Sitech-Standort Hannover steht vor dem Aus, weil sich Management und Betriebsrat zerstritten haben. Dass die Gründe dafür weiter unklar sind, macht das Ganze bizarr, meint unser Kommentator Jens Heitmann.

30.01.2020

Hamburg, Berlin und München bleiben Kandidaten im Rennen um Ausrichtung der Automobilschau. Die Deutsche Messe in Hannover nimmt die Entscheidung sportlich. Auch Stuttgart und der bisherige Ausrichter Frankfurt gehen leer aus.

29.01.2020

Der lange Aufschwung der Autohersteller ist vorerst vorbei. Die Branche schaltet in den Krisenmodus, meint Jens Heitmann.

28.01.2020