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Niedersachsen Sparda-Bank-Chef Blecking freut sich über florierende Geschäfte
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Sparda-Bank-Chef Blecking freut sich über florierende Geschäfte
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19:13 14.02.2011
Winfried Blecking, Chef der Sparda-Bank Hannover.
Winfried Blecking, Chef der Sparda-Bank Hannover. Quelle: Nico Herzog
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Herr Blecking, wie ist das Jahr 2010 für die Sparda-Bank Hannover gelaufen?
Wir sind sehr zufrieden. Nach den beiden durch die Finanzmarktkrise geprägten Sonderjahren 2008 und 2009, die wir auch gut bewältigt haben, war 2010 wieder ein gutes, normales Bankenjahr. Das hat sich für uns positiv ausgewirkt.

Was stellt Sie besonders zufrieden?
Besonders gut entwickelte sich das Geschäft mit der Bau- und Immobilienfinanzierung. Viele Kunden nutzten die günstigen Zinsen und Immobilienpreise, dadurch hat sich die Nachfrage nach Hypothekenkrediten deutlich belebt.

Also haben Sie nur von den Umständen profitiert?
Nein. Unser Baufinanzierungsangebot kommt am Markt gut an. Die Zusammenarbeit insbesondere mit der Onlineplattform Interhyp hat sich sehr dynamisch entwickelt. Mit rund 500 Millionen Euro Neugeschäft im Baufinanzierungsgeschäft haben wir nochmals kräftig zulegen können. Außerdem hilft uns, dass sich die großen Hypothekenbanken weitgehend vom Geschäft mit kleinen Privatkunden zurückgezogen haben. Das ist genau unsere Klientel.

Was war noch gut im Jahr 2010?
Sehr erfreulich lief auch die Neukundengewinnung. Wir haben uns schon vor längerer Zeit vorgenommen, etwa 10.000 neue Gehaltskonten pro Jahr zu gewinnen. Vergangenes Jahr waren es sogar mehr als 14.000.

Viele Bankkunden wundern sich über den großen Abstand zwischen den Sparzinsen und dem Zins für Dispositions- und Überziehungskredite. Was sagen Sie zum Vorwurf der Abzocke?
Er trifft nicht zu. Zum einen muss man bedenken, dass die Kredite auf dem laufenden Konto für uns mit deutlich höherem Risiko verbunden sind. Manche Kunden reizen bei Geldmangel das Limit voll aus und sind dann finanziell am Ende. Das ist für uns mit viel Ärger und hohen Kosten verbunden. Wir wollen dies Geschäft daher bewusst bremsen, dabei geht es uns auch um einen erzieherischen Effekt: Unsere Kunden sollen zu uns kommen, wenn sie einen Kredit benötigen. Wir bieten ihnen dann wesentlich bessere Möglichkeiten als einen Überziehungskredit.

Im Wertpapiergeschäft müssen die Bankmitarbeiter seit einem Jahr ein Beratungsprotokoll anfertigen. Hat sich das aus Ihrer Sicht bewährt?
Ich halte die Dokumentation für gut und sinnvoll. Zwar bringt dies einen größeren Zeitaufwand, aber durch die zunehmende Routine ist das nicht mehr so schlimm. Die damit verbundenen Fragen an den Kunden – also was hat er bisher gemacht, wie ist seine Situation, was will er– waren schon bislang Bestandteil einer vernünftigen Beratung.

Sind damit die Ziele eines besseren Verbraucher- beziehungsweise Anlegerschutzes erreicht?
Leider nein. Wichtiger noch als das Beratungsprotokoll wären einfache Finanzprodukte, die der Kunde verstehen kann. Es werden jedoch von anderen Banken weiterhin komplizierte Produkte verkauft, die Informationsbroschüren erschlagen den Kunden.

Oft wird auch der hohe Verkaufsdruck kritisiert. Hat sich dies im Gefolge der Finanzkrise verbessert?
Ich habe nicht den Eindruck. Heute werden in vielen Banken wieder genau wie früher aus reinem Eigeninteresse immer neue Finanzprodukte in den Markt gedrückt.

Also sind die an Mitarbeiter und Manager gezahlten Boni weiter ein Problem?
Eindeutig ja. Und das fängt auf der Führungsebene an. Es gibt Vorstände, die sich zuallererst wegen der erfolgsabhängigen Vergütung bei allen Entscheidungen fragen, welchen Vorteil das ihnen bringt. Sie richten daher ihr ganzes Leben darauf aus, wie sie die Rendite steigern können – und geben den Druck dann an die Mitarbeiter weiter, die ebenfalls nur auf die Boni schauen. Und oft gehen sie wohl mit Bauchschmerzen nach Hause, weil sie die Verkaufsvorgaben nicht erfüllen. Das ist schlecht für die Kunden und schlecht für die Mitarbeiter, wir lehnen das grundsätzlich ab. Bei uns erhalten Führungskräfte ausschließlich Festgehälter, eine Erfolgsbeteiligung gibt es nicht.

Und wie sieht es mit den Mitarbeitern in den Filialen aus?
Wir zahlen keine Erfolgsvergütungen, die die Verkaufsleistung des einzelnen Mitarbeiters honorieren. Das ist bei uns sogar in einer Betriebsvereinbarung festgeschrieben. Zwar gibt es teambezogene Leistungsanreize, aber sie spielen gemessen an der Festvergütung nur eine unbedeutende Rolle. Verkaufsdruck gibt es bei uns also nicht, aber ein bisschen sportlicher Ehrgeiz muss sein.

Und wie sehen das Ihre Kunden?
Wir haben nicht nur zufriedene Mitarbeiter, auch unsere Kunden sind ausgesprochen zufrieden, wie unabhängige Umfragen immer wieder ergeben. So belegen die Sparda-Banken seit 18 Jahren im Kundenmonitor Deutschland den ersten Platz unter allen Banken.

Aber Sie müssen wie alle anderen Banken Geld verdienen. Tun Sie das ausreichend?
Ja. Das sehen Sie schon daran, dass wir Jahr für Jahr eine Dividende von 6 Prozent an unsere Mitglieder ausschütten können. Zugleich bleibt genug Gewinn im Unternehmen, unsere Eigenkapitalausstattung erfüllt jetzt schon die Anforderungen, die nach den verschärften Regeln, Stichwort Basel III, erst im Jahr 2019 gelten. Dafür müssen wir ständig an unserer Produktivität arbeiten

Vor einigen Jahren wollten Sie mit der Sparda-Bank Hamburg fusionieren, die Fusion wurde in letzter Minute abgeblasen. Ist das Thema endgültig vom Tisch?
Im Moment gibt es keine Überlegungen in dieser Richtung. Wir wollen in den nächsten Jahren unsere eigenen Ideen in Hannover umsetzen und uns auf unsere Kunden konzentrieren.

Interview: Albrecht Scheuermann