Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Besorgter Blick in die Zukunft
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Besorgter Blick in die Zukunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 23.03.2015
Von Albrecht Scheuermann
Die Sparkasse Hannover rechnet für 2015 mit einem schrumpfenden Gewinn. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Das Ergebnis werde in den nächsten Jahren stark unter Druck kommen, warnte am Freitag Sparkassen-Chef Heinrich Jagau, da die Marktlage sich nicht ändern dürfte. Er rechne mit einem Rückgang des Zinsüberschusses von bis zu 40 Millionen Euro bis zum Jahr 2019. Damit würde die mit Abstand wichtigste Ertragsquelle des Institut um mehr als 15 Prozent schrumpfen. „Der Niedrigzins stellt uns wie alle Banken vor große Herausforderungen“, sagte Jagau.

Das Problem für die Sparkasse: In den nächsten Jahren laufen immer mehr Darlehen aus, die sie noch zu viel höheren Zinsen als heute möglich vergeben hatte. Zwar müssen die Geldhäuser auf der anderen Seite auch für Einlagen fast nichts mehr bezahlen, aber hier lässt sich kaum noch etwas sparen, weil der Zins schon nahe Null liegt. „Minuszinsen kann ich mir im Privatkundengeschäft nicht vorstellen“, sagte Jagau. Anders sehe dies bei „institutionellen Kunden“ aus.

Anzeige

Schon heute verdient die sechstgrößten deutsche Sparkasse nach eigenen Angaben mit Privatkunden kein Geld. „Um einen Euro einzunehmen, geben wir mehr als einen Euro aus“, sagte Jagau. „Das ist kein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell.“ Deshalb müsse das Institut weiter den Aufwand auf ein „wirtschaftlich tragbares Maß“ reduzieren.

Kunden fordern Geld zurück

Einige kundenfreundliche Urteile der Gerichte machte auch der Sparkasse Hannover zu schaffen. So haben aufgrund einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes einige tausend Kunden Gebühren zurückgefordert, die sie für Ratenkredite gezahlt hatten. Die Sparkasse hat nach eigenen Angaben mehrere Millionen Euro erstattet. Genauere Zahlen wollte sie nicht nennen. Weitere Gerichtsentscheidungen betreffen das Baufinanzierungsgeschäft. Wegen fehlerhafter Widerrufsklauseln können Darlehensnehmer unter Umständen aus alten Verträgen aussteigen, um auf die heute viel geringeren Zinsen umzusteigen. Auch davon sei die Sparkasse betroffen. Allerdings schaue man sich jeden Einzelfall genau an.

Ein über das bisher Beschlossene hinausgehende Personalabbau sei jedoch derzeit nicht geplant. Im Rahmen des derzeit laufenden Programms sollen etwa 200 Vollzeitstellen wegfallen - und zwar auf dem Weg von freiwilligen Vereinbarungen. Entlassungen sind bis 2019 ausgeschlossen. Davon sei schon mehr als die Hälfte erledigt, sagte Vorstandsmitglied Kerstin Berghoff-Ising. Ende 2014 beschäftigte die Sparkasse 2255 Mitarbeiter, einschließlich der Tochtergesellschaften waren es 2913, rund 100 weniger als im Vorjahr. Zu den Sparmaßnahmen gehört auch eine Ausdünnung des Zweigstellennetzes. Bis zum Jahresende schrumpft die Zahl der Standorte in der Region von 114 auf 108.

Der Minizins trifft aber vor allem die Sparer, die für ihre Spargelder praktisch nichts mehr bekommen. Gleichwohl sind die Einlagen weiter um fast 300 Millionen Euro auf gut 10 Milliarden Euro gewachsen. Vorstandsmitglied Jens Bratherig beobachtet jedoch seit Herbst eine Wende im Anlageverhalten: Da viele Kunden nun selbst merken, dass die Zinsen noch lange niedrig bleiben dürften, suchen sie offenbar verstärkt nach alternativen Geldanlagen. Das Interesse an Aktien und Fonds sei in den vergangenen Monaten spürbar gestiegen, hieß es.

Deutliche Spuren hinterlässt die De-facto-Zinsabschaffung auch im Immobiliengeschäft, da viele Anleger angesichts der extrem günstigen Finanzierungsbedingungen Immobilien erwerben wollen Die Sparkasse hat in der Immobilienfinanzierung laut Bratherig erneut ein Rekordjahr verbucht - und dieses Jahr dürfte einen weiteren Anstieg bringen.

Dennoch rechnet die Sparkasse für 2015 mit einem schrumpfenden Gewinn, während dieser im Jahr 2014 noch zugelegt hatte. Wie üblich wollte der Sparkassenvorstand aber nur das „Betriebsergebnis vor Risikovorsorge“ nennen, das mit 116 Millionen Euro geringfügig höher war als 2013. Beim Gewinn profitierte die Sparkasse von einer geringeren Vorsorge für faule Kredite und einer üppigen Steuerrückzahlung des Finanzamtes. Der Träger der Sparkasse, also die Region Hannover, soll eine unveränderte Dividende von 5,6 Millionen Euro erhalten.

Albrecht Scheuermann 23.03.2015
Niedersachsen Umsatz von 10 Milliarden angepeilt - Contis Reifen trotzen Flaute in Europa
Lars Ruzic 19.03.2015
Isabel Christian 16.03.2015