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Sparkasse Hannover: „Wir müssen uns an Apple oder Google orientieren“

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11:00 24.12.2019
Sieht die Sparkasse Hannover gut gewappnet für den Wettbewerb mit aufstrebenden Fintechs: Vorstandschef Volker Alt. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

In Niedersachsen ist die Sparkasse Hannover mit Abstand die größte ihrer Art – im Branchenvergleich bleibt sie eine kleinere Nummer. Als Bezugspunkt verliere die Bilanzsumme aber rapide an Bedeutung, sagt ihr neuer Vorstandschef Volker Alt. „Unsere Hauptkonkurrenten sind nicht mehr die Deutsche Bank oder die Commerzbank – wir müssen uns an Apple oder Google orientieren.“ Wie die Internetriesen müsse auch die Sparkasse die Bedürfnisse ihrer Kunden, wenn möglich, früher erkennen als diese selbst – und darauf zugeschnittene Angebote machen.

Schon jetzt müsse sich das Geldinstitut nicht vor aufstrebenden Wettbewerbern aus der Fintech-Szene verstecken, findet der 51-Jährige, der seit Anfang Dezember die Sparkasse führt; sein Vorgänger Heinrich Jagau hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Die eigene Smartphone-App sei von den Funktionen her auf keinen Fall schlechter als vergleichbare Angebote. In puncto Sicherheit biete sie sogar Vorteile, meint Alt: „Zudem funktionieren die App und unsere Prozesse dahinter auch dann noch, wenn richtig viel Verkehr herrscht.“

Alt beschreibt sich als „eher verkopft“

Ins Finanzwesen ist der Manager eher zufällig geraten, wie er sagt. Der Jurist war nach dem zweiten Staatsexamen in einer großen Kanzlei tätig, als die Landesbank Berlin im Jahr 2004 einen Chefsyndikus suchte. Das Institut war ein Teil der Berliner Bankgesellschaft, die alsbald in einem Strudel aus Skandalen unterging. Zehntausende Fondszeichner gingen auf die Barrikaden, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Das allgemeine Chaos eröffnete aber auch unvermutete Freiheiten: „Das war damals wie ein großer Abenteuerspielplatz“, sagt Alt. „So etwas erlebt ein Jurist normalerweise bis zur Rente nicht.“

Für einen gebürtigen Schwaben, der sich selbst als „eher verkopft“ beschreibt, mag der Sprung in ein solches Umfeld gewöhnungsbedürftig anmuten – doch Alt hatte vorgesorgt: Bereits zum Studium hatte es ihn ins Rheinland gezogen, wo er eine Einheimische kennenlernte und heiratete. Der Umzug nach Berlin tat ein Übriges, und heute helfen ihm seine vier Kinder im Teenageralter, nach einem Tag im Büro „den Kopf freizubekommen“. Auch Sport stehe eigentlich auf dem Programm – zuweilen fehle es aber an der Disziplin, räumt er ein.

Hannover ist wirklich lebenswert“

Von Hannover hatte Alt vor seinem Wechsel keine Vorstellung: „Wie viele andere bin auch ich an der Stadt immer nur vorbeigefahren.“ Ein Blick auf den Maschsee hat ihm den ersten positiven Eindruck vermittelt. Inzwischen sind die Eilenriede und die im Vergleich zu Berlin sicheren Fahrradwege als Pluspunkte hinzugekommen.

Hannover ist wirklich lebenswert“, sagt Alt. „Wir vermissen eigentlich nur die Philharmonie.“ Mit etwas Glück sei es am alten Wohnort zudem fast immer möglich gewesen, Karten für exzeptionelle Konzerte zu bekommen, die in den Feuilletons der großen Zeitungen besprochen werden.

Auch von seinem Arbeitsplatz hat der neue Chef einen guten Eindruck gewonnen. Vor fünf Jahren war Alt innerhalb der Landesbank-Holding in den Vorstand der Berliner Sparkasse gewechselt und dort für die Kredite, das Risikomanagement und die IT zuständig. Das hiesige Geldinstitut stehe gut da, findet Alt: „Wir haben eine angenehme mittelständische Größe und Kolleginnen und Kollegen, die ihr Geschäft verstehen.“ Während andere Sparkassen sich zu größeren Einheiten zusammenschließen, um Kosten zu senken und den Druck durch die Niedrigzinsen zu vermindern, könne das Haus in Hannover auf die eigene Kraft vertrauen, sagt Alt. „Wir wollen durch unser Geschäft wachsen – und nicht durch eine Fusion.“

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