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Niedersachsen Sparkasse Hannover will 200 Jobs streichen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Sparkasse Hannover will 200 Jobs streichen
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20:51 24.10.2013
Von Albrecht Scheuermann
„Die Beschäftigten wollen wissen, woran sie sind“: Quelle: Kostyrko
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Hannover

 Einschließlich der Teilzeitkräfte wären damit von den Plänen bis zu etwa 240 Mitarbeiter betroffen. Ein Sparkassen-Sprecher betonte jedoch, dass es sich hierbei um die maximale Größe handele. Tatsächlich dürfte der Umfang der Stellenstreichungen niedriger ausfallen. Der Sparkassen-Vorstand habe mit der Mitteilung an die Belegschaft Spekulationen über viel größere Einschnitte beim Personal dämpfen wollen.

Sparkassen-Chef Kleine hatte schon vor einigen Wochen im Gespräch mit der HAZ erklärt, dass die Kosten bis Ende 2016 um jährlich rund 15 Millionen gedrückt werden sollen. Wie viel davon auf Sach- beziehungsweise Personalkosten entfallen sei jedoch noch völlig offen. Derzeit belaufen sich die jährlichen Gesamtkosten auf etwa 260 Millionen Euro.

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Die Sparkasse Hannover hat derzeit nach eigenen Angaben rund 2350 Mitarbeiter. Dazu kommen noch etwa 450 in der Tochtergesellschaft MarktServices Nord. Einschließlich sonstiger Unternehmen sind es rund 3000 Beschäftigte. Derzeit ist nach Angaben des Sparkassen-Sprechers eine Arbeitsgruppe dabei, im Detail die möglichen Einsparmöglichkeiten zu identifizieren. Sie solle bis Mitte nächsten Jahres konkrete Ergebnisse vorlegen.

Christoph Meister von der Gewerkschaft ver.di registriert bei den Mitarbeitern eine große Verunsicherung und einen Vertrauensverlust durch die Pläne. „Die Beschäftigten wollen wissen, woran sie sind.“ Die Gewerkschaft, die bei der Sparkasse etwa 300 Mitglieder zählt, sei zu Verhandlungen bereit, erklärte Meister. Dabei gehe es darum, den Umfang der Stellenstreichungen zu begrenzen. Außerdem poche die Gewerkschaft auf „echte Freiwilligkeit“ beim Stellenabbau.

Entlassungen dürften bei der Sparkasse wie bisher ausgeschlossen sein, glaubt Meister. Ein Kündigungsschutzabkommen ist zwar zur Jahresmitte ausgelaufen, derzeit wird aber zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitervertretern über einen neuen Vertrag verhandelt. Dem Sparkassen-Sprecher zufolge besteht zwischen diesen Verhandlungen und den Kostensenkungsplänen kein Zusammenhang.

Die Sparkasse Hannover kämpft wie fast die ganze Branche mit rückläufigen Erträgen und einem ständig zunehmenden Anteil des Onlinegeschäftes. Entsprechend sinkt die Auslastung des Personals in den Filialen. Sparkassen-Chef Kleine hatte zuletzt erklärt, dass das Ergebnis in diesem Jahr 6 Millionen Euro unter Plan liege. Die Sparkasse könne dies aber durch den Griff in die Reserven auffangen, sodass der Jahresüberschuss gleichwohl im Zielkorridor liegen werde.

Vergangenes Jahr war der ausgewiesene Vorsteuergewinn des Instituts im Vergleich zum Vorjahr von 69 auf 38 Millionen Euro geschrumpft. Der echte Gewinn ist allerdings deutlich größer, da zuvor wieder 25 (Vorjahr: 20 Millionen) Euro aus versteuertem Gewinn in den „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ eingestellt wurden. Dieser ist mittlerweile auf 145 Millionen Euro angeschwollen.

Mit ihrer Bilanzsumme von 12,7 Milliarden Euro ist die Sparkasse Hannover die sechstgrößte Sparkasse Deutschlands.

Sparquote in Deutschland geht zurück

Viele Bürger sind – was ihre Finanzen betrifft – so zuversichtlich wie lange nicht mehr. In einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes bezeichneten 57 Prozent der Teilnehmer ihre finanzielle Situation als gut oder sehr gut. Jeder vierte Befragte erwartet, dass es besser wird. 15 Prozent glauben, dass sich ihre Finanzlage in den nächsten zwei Jahren verschlechtert. Angesichts niedriger Zinsen sparen die Bürger allerdings einen geringeren Teil ihres Geldes: „Von 100 Euro Nettoeinkommen werden nur noch 10,30 Euro zurückgelegt“, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon gestern in Berlin. „Noch vor fünf Jahren waren es 11,50 Euro.“ Es gibt jedoch regionale Unterschiede: In Baden-Württemberg beträgt die Sparquote 11,9 Prozent – in Mecklenburg-Vorpommern 7,6 Prozent. In Niedersachsen liegt sie bei 9,5 Prozent. dpa/tje

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