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Niedersachsen Sparkasse will Schlussstrich unter Lehman ziehen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Sparkasse will Schlussstrich unter Lehman ziehen
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22:52 21.09.2009
Von Albrecht Scheuermann
Die Sparkasse Hannover macht allen Lehman-geschädigten Kunden ein Vergleichsangebot. Quelle: ddp/Archiv
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Die etwa 1000 betroffenen Anleger können die Zertifikate an die Sparkasse zurückgeben und erhalten je nach Kaufdatum bis zu 75 Prozent des Kapitaleinsatzes zurück.

Dies sei kein Schuldeingeständnis, betonte Sparkassen-Chef Walter Kleine. Vielmehr gehe es darum, das Vertrauensverhältnis zwischen der Sparkasse und ihren Kunden wiederherzustellen. „Vertrauen ist das Kernkapital einer Sparkasse. Das Vertrauen unserer Kunden ist wichtiger als Recht zu bekommen“, sagte Kleine.

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Die Sparkasse Hannover hat nach eigenen Angaben Lehman-Zertifikate im Umfang von 30 Millionen Euro an ihre Kunden verkauft. Für vor dem 16. März 2008 erworbene Papiere gibt es 50 Prozent zurück, für später gekaufte 75 Prozent. Begründung für diese Differenzierung: Am 16. März kam es zum Fastzusammenbruch der US-Investmentbank Bear Stearns. Damit wurde offensichtlich, dass auch große Wallstreet-Adressen in ernsthafte Schwierigkeiten geraten können, wie es dann später bei Lehman der Fall war.

Die Kosten für den Vergleich belaufen sich auf knapp 18 Millionen Euro, sofern alle Kunden das Angebot annehmen. Zeit dafür haben sie bis zum 16. November. Die Sparkasse rechnet damit, dass das Angebot auf sehr große Akzeptanz stößt.
Bislang hat sich laut Kleine wegen der Lehman-Pleite nur etwa ein Drittel der betroffenen Kunden bei der Sparkasse gemeldet, 60 von ihnen haben Klage eingereicht. Die Sparkasse werde aber von sich aus alle Betroffenen anschreiben, um ihnen das Angebot zu unterbreiten. Es umfasst auch die schon entstandenen Anwaltskosten von Kunden, die bereits diesen Weg eingeschlagen haben. Diese Aufwendungen werden also ebenfalls mit 50 beziehungsweise 75 Prozent von der Sparkasse getragen.

Wie der Sparkassen-Chef weiter mitteilte, verzichtet das Institut auf die sogenannte Einrede der Verjährung. Ein Teil der möglichen Ansprüche würde in wenigen Wochen verfallen, da dann die dreijährige Verjährungsfrist – vom Verkaufstermin an gerechnet – ausläuft.

Kunden, die das Angebot nicht annehmen, müssen sich auf einen langen Prozess durch alle Instanzen einrichten. „In diesem Fall werden wir die Sache bis zum Ende durchziehen“, sagte Kleine. Er glaubt, dass das hannoversche Modell bundesweit große Beachtung finden wird. „Da wird bei manchen anderen Instituten keine Freude aufkommen.“

Die Sparkasse Hannover zieht aus dem Lehman-Desaster noch eine andere Konsequenz: Bestimmte sogenannte strukturierte Finanzprodukte werden überhaupt nicht mehr angeboten. Stattdessen sollen die klassischen Angebote der Sparkassen und ihrer Verbundpartner wieder eine größere Rolle spielen. Zudem würden künftig die Risiken in den Produktinformationen noch stärker herausgestellt.

Nach Angaben von Kleine hat der Fehlschlag mit Lehman die Sparkasse kein Geschäft gekostet. Man habe sogar in den vergangenen zwölf Monaten einen Einlagenzuwachs von 600 Millionen Euro verbucht.