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Niedersachsen Sparkassen-Präsident kritisiert Unklarheiten bei „Basel III“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Sparkassen-Präsident kritisiert Unklarheiten bei „Basel III“
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23:06 20.11.2012
Von Albrecht Scheuermann
Foto: Georg Fahrenschon will für Mittelstandskredite weichere Kapitalanforderungen.
Georg Fahrenschon will für Mittelstandskredite weichere Kapitalanforderungen. Quelle: dpa
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Hannover

„Die Europäer sind in der Pflicht, das weitere Vorgehen zu prüfen, wenn die USA und auch die Briten sich ausklinken“, sagte der Präsident des Sparkassenverbandes, Georg Fahrenschon, in Hannover. „Das Motto darf nicht lauten: Augen zu und durch“, betonte der Sparkassenpräsident.
Er kritisierte, dass nur wenige Wochen vor dem Inkrafttreten von „Basel III“ Anfang 2013 immer noch in entscheidenden Punkten Unklarheit bestehe. So sei die Frage, mit wie viel Eigenkapital künftig Kredite an den Mittelstand unterlegt werden müssen, immer noch offen. Die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken fordern hier Erleichterungen im Vergleich zu dem Großkreditgeschäft der Großbanken.

Allerdings drängt jetzt die Zeit für Entscheidungen, weil die Sparkassen ihre Systeme entsprechend  anpassen müssen. Fahrenschon warnt vor Problemen im gewerblichen Kreditgeschäft, wenn hier nicht zügig Klarheit geschaffen werde. Unter Verzögerungen könne auch das Vertrauensverhältnis zwischen Sparkasse und Kunde leiden, weil die Institute zunächst ihre Kreditvergabe einschränken müssten.

Im Streit mit der Europäischen Kommission über die künftige Bankenaufsicht in Europa sieht Fahrenschon Anzeichen dafür, dass die Kritik der deutschen Sparkassen Wirkung zeige. So ließen Äußerungen aus Brüssel darauf schließen, dass die geplante europaweite Einlagensicherung für alle rund 6000 Banken und Sparkassen vom Tisch sei. „Es fehlt allerdings noch ein endgültiges, klares Wort der Kommission“, erklärte das Oberhaupt der deutschen Sparkassen. Diese hatten sich vehement gegen die Pläne gewehrt, weil sie das bestehende Sicherungsystem der deutschen Sparkassen aushebeln und im Ernstfall den Zugriff auf deutsche Sicherungsfonds zugunsten von Banken in anderen Ländern ermöglichen würden. „Wir sind uns mit den Volks- und  Raiffeisenbanken einig, dass wir einer Vergemeinschaftung der Einlagensicherung nicht die Hand reichen können“, sagte Fahrenschon.

Mit der geschäftlichen Situation der 423 deutschen Sparkassen zeigte sich der Verbandspräsident insgesamt zufrieden, auch wenn die anhaltende Niedrigzinsphase auf die Margen drücke. Ein Dorn im Auge ist den Sparkassen allerdings die Konkurrenz von Auslandsbanken, die dank der Unterstützung durch die Europäische Zentralbank mit Kampfkonditionen auf dem deutschen Markt aktiv seien.

Großes Lob erntete die Sparkasse Hannover. Fahrenschon, der vor einem halben Jahr als Nachfolger von Heinrich Haasis sein Amt angetreten hat, findet das hannoversche Geldhaus vor allem deshalb interessant, weil sein Geschäftsgebiet eine ganze Wirtschaftsregion umfasst. In vielen anderen Regionen gibt es dagegen heute noch – wie früher in Hannover – je eine Sparkasse für die Stadt und eine für das Umland, weil dort auch die Kommunalpolitik noch getrennt marschiere. Die Zusammenführung sei aber auch „aus Kundensicht“ naheliegend, meinte Fahrenschon.

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