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18:16 08.03.2011
Die Sparkassen stören sich vor allem daran, dass freie Anlageberater nicht mehr unter die staatliche Bankenaufsicht fallen sollen.
Die Sparkassen stören sich vor allem daran, dass freie Anlageberater nicht mehr unter die staatliche Bankenaufsicht fallen sollen. Quelle: Tim Schaarschmidt (Archiv)
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Die Sparkassen in Niedersachsen haben 2010 im Geschäft mit Mittelständlern und Privatkunden deutlich mehr verdient. Insgesamt erzielten die landesweit 46 Kreditinstitute im vergangenen Jahr ein Betriebsergebnis von über einer Milliarde Euro. Dies entsprach einem Plus von 140 Millionen Euro, wie Verbandspräsident Thomas Mang am Dienstag in Hannover berichtete. Als Jahresüberschuss blieben 183 Millionen Euro in der Kasse - 17 Millionen mehr als im Krisenjahr 2009. Die Zahl der Sparkassen-Filialen sank zuletzt auf 1170, die Betreuung der Kunden soll aber weiter verbessert werden.

Immer mehr Menschen nutzten das Online-Banking. Die Schließung von 18 Filialen bedeutet laut Geschäftsführer Günter Distelrath jedoch keine Ausdünnung des Netzes: „Wir bleiben in der Fläche präsent.“

Während die Darlehen an Unternehmen und Selbstständige 2010 auf 32 Milliarden Euro zunahmen (plus 2,8 Prozent), kletterten die Kredite für Privatleute leicht auf 30,8 Milliarden Euro (plus 1,4 Prozent). Zugpferd waren dabei vor allem die Baudarlehen: Jede zweite private Immobilie sei im vergangenen Jahr über die Sparkassen finanziert worden, sagte Mang. Im Neugeschäft war das Plus bei den Firmenkunden von mehr als einem Fünftel auf rund 6,8 Milliarden noch größer.

Wegen des niedrigen Zinsniveaus blieben kurz- bis mittelfristige Anlagen besonders attraktiv, erklärte Mang. Alle Einlagen bei den niedersächsischen Sparkassen addierten sich auf 63,6 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme betrug fast 92 Milliarden Euro.

Für das Kerngeschäft der Sparkassen im laufenden Jahr gab sich der Verbandschef zuversichtlich: „Hält der Aufschwung an und bleiben die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen konstant, wird auch 2011 zu einem guten Jahr für die Sparkassen in Niedersachsen werden.“

Der Bundesverband deutscher Banken hält die Geschäftserwartungen im Mittelstand für so gut wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Konjunktur werde in diesem Jahr nach Schätzungen des Verbands um weitere drei Prozent zulegen, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer bei einer Tagung in Hannover. Dies werde auch eine steigende Kreditnachfrage kleiner und mittelgroßer Firmen zur Folge haben.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte, der derzeitige Aufschwung werde „ganz erheblich vom Mittelstand getragen“. Die Banken müssten weiter Liquidität bereitstellen.

Sorgen bereiten den Sparkassen die verschärfen Bankvorschriften im Rahmen der sogenannten Basel-III-Richtlinien. Öffentlich-rechtliche Anbieter dürften nicht mit den gleichen Maßstäben gemessen werden wie Privatbanken, kritisierte Mang. Die Sparkassen bemängeln, dass freie Anlageberater nicht mehr unter die staatliche Bankenaufsicht fallen sollen. „Das ist eine drastische Wettbewerbsverzerrung.“ Auch das geplante Melderegister für Bankberater sei „völlig überzogen“.

Bei der Umschichtung des Kapitals der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) unterstützen die Sparkassen Pläne des Landes Niedersachsen, einen Teil stiller Einlagen in stimmrechtslose Anteile umzuwandeln. „Wir werden da keine weiteren Mittel einlegen“, stellte Mang klar.

Auch der radikale Umbau der schwer angeschlagenen Westdeutschen Landesbank (WestLB) zu einer kleinen Sparkassen-Zentralbank wird vom niedersächsischen Sparkassenverband mitgetragen. Aus derzeitiger Sicht komme auf die Institute im Nordwesten ein Beitrag von 30 bis 35 Millionen Euro für die vorgesehene „Verbundlösung“ zu. Die Forderung der EU-Kommission, von weiteren Staatshilfen für die WestLB abzusehen, sei richtig: „Diese Beihilfe-Spirale muss beendet werden.“

Beim Versicherungsgeschäft sprach sich Mang für eine engere Zusammenarbeit zwischen der VGH (Hannover), den Öffentlichen Versicherungen Braunschweig und Oldenburg sowie der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse aus. „Man kann sie stärker aneinanderbinden - und zwar, ohne ihren Markenauftritt zu stören.“

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.