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Niedersachsen Sparkassenverbandspräsident Mang: „Die Nord/LB muss schrumpfen“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Sparkassenverbandspräsident Mang: „Die Nord/LB muss schrumpfen“
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13:33 28.12.2010
Von Albrecht Scheuermann
Sparkassenpräsident Thomas Mang im Interview. Quelle: Kriss Finn
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Thomas Mang, geboren am 28. Dezember 1959 in Bremen, hat sein gesamtes bisheriges Berufslebens im Sparkassensektor verbracht. Nach der Ausbildung bei der Sparkasse Bremen verbrachte er dort etliche Jahre, bis er 1997 zum Vorstandsmitglied der Sparkasse Saarbrücken ernannt wurde. Im Jahr 2000 wechselte zum Deutschen Sparkassen- u. Giroverband, seit Februar 2003 führt er den Sparkassenverband Niedersachsen. Mang ist zwar Anhänger von Werder Bremen geblieben, hat sich ansonsten aber in Hannover bestens eingelebt und fühlt sich hier nach seiner Aussage sehr wohl.

Herr Mang, wie geht es den 
niedersächsischen Sparkassen?

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2010 war für die Sparkassen Niedersachsens insgesamt ein gutes Jahr. Unter dem Strich werden die Ergebnisse besser ausfallen als 2009.

Welche Rolle spielt dabei die schon länger dauernde Niedrigzinsphase?

Das Zinsergebnis der Sparkassen profitiert von der sogenannten Fristentransformation. Die Institute können den Zinsunterschied zwischen kurz- und langfristigem Geld nutzen, also kurzfristige Einlagen in Form von länger laufenden Kredite weiterreichen.

Viele Kunden haben den Eindruck, dass es die Banken und Sparkassen damit übertreiben. Der Abstand zwischen Einlagen- und Kreditzins ist so groß wie selten zuvor …

Das ist nicht richtig. Sie können für den Vergleich nicht nur einzelne Zinssätze herauspicken, sondern müssen das ganze Spektrum von Einlagen und Krediten betrachten. Die durchschnittliche Zinsspanne liegt derzeit bei 2,39 Prozent und ist damit nicht besonders groß.

Sie haben des Öfteren die zu hohen Kosten der Datentechnik beklagt. Gibt es hier Fortschritte?

Ja. Die Aufwendungen für Informationstechnologie sinken. Damit ernten die Sparkassen jetzt die Synergieeffekte aus den Fusionen ihrer IT-Dienstleister. In den nächsten Jahren wird sich dieser positive Effekt noch verstärken.

Vor einem Jahr machten Sie sich noch Sorgen über möglicherweise deutlich steigende Risikoaufwendungen im Kreditgeschäft. Es gab die Sorge, dass als Folge der Krise noch viel Mittelständler in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnten. Ist das so eingetroffen?

Erfreulicherweise nicht. Die Risikokosten sind lange nicht so hoch wie befürchtet. Unsere mittelständische Kundschaft hat sich als robust erwiesen.

Also keine Probleme?

Leider doch. Was uns derzeit wirklich bedrückt, ist die regulatorische Keule, die in Berlin und Brüssel geschwungen wird. Statt uns einfach arbeiten zu lassen, werden wir mit immer neuen Vorschriften und Belastungen konfrontiert.

Was meinen Sie damit?

Es sind viele einzelne Dinge, die uns in ihrer Zusammenballung behindern. Zu diesen Themen gehören die neuen Regeln für das Bankgeschäft, bekannt unter dem Namen Basel III.

Was stört Sie daran?

Die deutschen Sparkassen, übrigens ebenso die Volks- und Raiffeisenbanken, haben die weltweite Finanzkrise nicht verursacht, ganz im Gegenteil: Sie wirkten stabilisierend. Trotzdem werden wir nun mit neuen Anforderungen überzogen.

Welche konkret?

Zum einen müssen wir die schärferen Eigenkapitalvorschriften erfüllen. Das bereitet uns zwar keine größeren Schwierigkeiten, beschränkt aber den Spielraum, neue Kredite zu vergeben. Das Hauptproblem besteht jedoch in den neuen Liquiditätsregeln. Wenn diese scharf durchgesetzt werden, gerät die in Deutschland so bewährte Langfristkultur in Gefahr.

Was meinen Sie damit?

Den Sparkassen wäre es dann nicht mehr erlaubt, Einlagen mit kürzeren Laufzeiten in längere laufende Festzinskredite umzuwandeln. Dies würde die Kreditvergabe zu langfristig festen Zinssätzen erschweren. Unsere Kunden wollen jedoch ihre Geld häufig nur kurzfristig anlegen, während die Mittelständler wie zum Beispiel Handwerksbetriebe langfristig kalkulierbare Kredite wünschen.

Was drückt Sie noch?

Über die in Berlin beschlossene Bankenabgabe will ich nicht mehr reden, der Drops ist gelutscht. Wir hoffen nur, dass es bei der Belastung von 6 Millionen Euro jährlich für Niedersachsens Sparkassen bleibt. Einige Sorgen machen uns jedoch die europäischen Pläne für eine einheitliche Einlagensicherung.

Warum?

In Deutschland gilt für Sparkassen ebenso wie für Genossenschaftsbanken eine sogenannte Institutssicherung. Hier stützen sich die Sparkassen also gegenseitig, so dass keine pleite gehen kann. Deshalb brauchen wir keine zusätzliche europäische Einlagensicherung.

Wo ist das Problem?

Wir müssten in die Einlagensicherung einzahlen, obwohl wir sie gar nicht benötigen. Deshalb fordern wir, bestehende Sicherungssysteme und europäische Einlagensicherung nebeneinander bestehen zu lassen. Unser Ziel ist es, dass unser überlegenes System erhalten bleibt, welches Bankpleiten vorbeugend verhindert.

Und was tut sich in Berlin?

Die Bundesregierung will eine zentrale Registrierungspflicht für alle 300.000 Berater in den Banken und Sparkassen bei der Aufsichtsbehörde Bafin einführen. Das íst ein bürokratischer Popanz, wir sehen darin keinerlei Sinn. Dies gilt um so mehr, als gleichzeitig der graue Markt davon ausgenommen bleiben soll.

Noch mal zu Basel III. Die neuen Regeln betreffen auch die Norddeutsche Landesbank, an der die Sparkassen beteiligt sind. Die Bank braucht – bei unverändertem Geschäftsumfang – erheblich mehr hartes Kernkapital. Über das Wie wird derzeit diskutiert. Wie ist Ihre Position?

Zur Erinnerung: Die Sparkassen haben 2005 anlässlich der damaligen Kapitalerhöhung 870 Millionen Euro in die Bank eingezahlt – mit der klaren Maßgabe, dass die Bank jetzt mit dem Kapital auskommen muss. Daran hat sich nichts geändert.

Wie wollen Sie das Kapitalproblem lösen?

Die Bank muss Risikoaktiva abbauen oder auf Deutsch: Sie muss schrumpfen. Dabei hilft ihr die Übergangsregelung im Rahmen von Basel III. Schließlich werden die stillen Einlagen nur schrittweise von 2013 bis 2022 ihren Charakter als Teil des harten Kernkapitals verlieren. Diese Zeitspanne kann die Nord/LB nutzen, um sich zu verkleinern.

In welchem Umfang?

Derzeit belaufen sich die Risikoaktiva auf 95 Milliarden Euro. Wir plädieren für eine deutliche Verringerung.

Wie soll das gehen?

Die Bank hat schon einen Anfang gemacht, mit dem Ausstieg bei der Bank DnB Nord und dem geplanten Verkauf der Deka-Beteiligung. Allerdings reicht das bei Weitem nicht. Die Bank muss alle Geschäfte mit schlechtem Risiko-Rendite-Verhältnis auf den Prüfstand stellen. Und um das klar zu sagen: Wenn die Bank kleiner wird, braucht sie auch weniger Personal.

Schrumpfen statt wachsen – das hört sich nicht sehr attraktiv an. Was haben Sie gegen eine große Nord/LB?

Wir haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Expansion viel Eigenkapital gebunden hat und dabei wenig Freude machte. Das sage ich auch mit einer gewissen Selbstkritik. Der Sparkassenverband Niedersachsen will eine Nord/LB, die stabile Dividenden zahlt und uns ansonsten ruhig schlafen lässt.

Zufriedenheit hört sich anders an …

Damit kein Missverständnis aufkommt: Gemessen daran, wie es bei anderen Landesbanken aussieht, hat sich die Nord/LB gut geschlagen. Wir fahren jetzt in der Kapitalfrage auch keinen Crash-Kurs, sondern wollen die offenen Fragen zusammen mit den anderen Trägern einvernehmlich lösen. Eine stabile Nord/LB liegt schließlich auch in unserem Interesse.