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Niedersachsen Sparkurs auch in Hannover: Tui schließt 18 Flughafenstationen
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Sparkurs auch in Hannover: Tui schließt 18 Flughafenstationen

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12:30 27.07.2019
Tui-Station am Flughafen Hannover: Der Konzern will diesen Service abschaffen. Quelle: Villegas
Hannover

Der Kahlschlag bei der Tui setzt sich fort: Nach dem beschlossenen Abbau von 450 Stellen beim Reiseveranstalter Tui Deutschland will der Konzern nun 18 von 19 Stationen an den deutschen Flughäfen schließen – damit verlieren voraussichtlich weitere 130 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Die Wünsche der Kunden hätten sich zuletzt stark verändert, sagte der zuständige Vertriebsgeschäftsführer Hubert Kluske: „Viele Abläufe, die früher erst am Flughafen erledigt wurden, werden heute schon vor der Reise von zu Hause aus in die Wege geleitet.“

Die Flughafenstationen der Tui dienen zum einen als Anlaufpunkt für Kunden, die Fragen zu ihrem geplanten Urlaub haben, zum anderen sollen die Mitarbeiter dort auch aktiv Reisen verkaufen – den Check-in übernehmen die Kollegen von den Fluggesellschaften. In den vergangenen Jahren sei der Service der Mitarbeiter vor Ort immer weniger in Anspruch genommen worden, sagte Kluske: „Auch die Beratung und der Verkauf von Last-minute- und Aktionsangeboten finden heute ganzjährig in Reisebüros und online statt.“ Deshalb werde die dezentrale Betreuung der Gäste an den Flughäfen durch digitale Dienstleistungen und telefonische Hotlines ersetzt.

„Das kam für uns völlig überraschend“

Die Beschäftigten habe die Ankündigung kalt erwischt, sagte die Betriebsratsvorsitzende Anette Strempel: „Das kam für uns völlig überraschend.“ Im Konzern steht die Zukunft der Stationen jedoch schon länger in der Diskussion. Um die Kosten zu senken, wurden die Mitarbeiter bereits im Jahr 2004 aus der Tui Deutschland in die Tochtergesellschaft Tui Customer Operations überführt. Die Stationen standen schon einmal auf dem Spiel, als das Unternehmen ticketlose Reisen einführte. Bei der TCO sind derzeit insgesamt 560 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Tui steht von mehreren Seiten unter Druck: Das Startverbot für die Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max führt zu unerwarteten Mehrkosten, da der Konzern andere Flugzeuge mieten muss. Gleichzeitig lassen Überkapazitäten in der Branche die Margen schrumpfen – zudem drängen neue Wettbewerber in den Markt.

Betreuung per Tui-App statt vor Ort

Über die Bedeutung des Serviceangebots an den Flughäfen gehen die Meinungen zwischen dem Management und den Arbeitnehmervertretern auseinander. Mehr und mehr Kunden nutzten die eigenen Online-Dienste, sagte Geschäftsführer Kluske. Allein die Tui-App verzeichne rund 3 Millionen Nutzer: „Für die Kunden sind die Qualität, das Serviceversprechen und die Erreichbarkeit unabhängig von Ort und Zeitpunkt entscheidend.“

Das sieht der Betriebsrat anders: Die Entscheidung zur Schließung der Stationen sei strategisch und wirtschaftlich falsch, sagte die Vorsitzende Strempel. „Die Stationen sind ein Garant für eine professionelle Betreuung unserer Kunden.“ Durch zunehmende Streiks und Naturkatastrophen habe der direkte Service am Flughafen zuletzt sogar an Bedeutung gewonnen: „Digitale Angebote können das zwischenmenschliche Gespräch nicht ersetzen.“ Deshalb müsse die Geschäftsführung ihre Entscheidung überdenken und die geplante Schließung der Stationen stoppen. „Damit auch morgen noch Tui drin ist, wo Tui draufsteht“, sagte Strempel.

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Nur die Station in Karlsruhe darf bleiben

Von den 19 Tui-Flughafen-Stationen in Deutschland soll nur eine übrig bleiben: Karlsruhe/Baden-Baden. „Das ist ein erfolgreicher Standort, der deutliche Gewinne schreibt“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Dem Vernehmen nach arbeiten alle anderen Stationen defizitär. Auch wegen der hohen Mieten an den Flughäfen sei es schwer, dort mit dem Verkauf von Reisen schwarze Zahlen zu schreiben, hieß es.

Von Jens Heitmann

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