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Niedersachsen Stade setzt auf kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Stade setzt auf kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff
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10:12 19.04.2009
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Die Computergrafik zeigt das geplante CFK-Forschungszentrum in Stade. Quelle: ddp
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Ab Juli 2010 sollen 100 Ingenieure neue Fertigungsverfahren und -prozesse für den kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff erforschen. „Im Fußball würde man sagen, wir spielen jetzt in der Champions League mit“, sagt Stades Bürgermeister Andreas Rieckhof mit Blick auf die wachsende internationale Bedeutung des Standorts Stade.

Das Forschungszentrum stellt gemeinsam mit der Fachhochschule CFK-Campus und weiteren Einrichtungen des Vereins CFK-Valley ein Novum in Europa dar. In Stade wird mit dem Forschungszentrum CFK Nord die gesamte Wertschöpfungskette dieses Werkstoffes geschlossen. „Das ist einzigartig“, sagt Thomas Friedrichs, Geschäftsführer der städtischen Tochterfirma CFK Nord Anlagengesellschaft und damit Bauherr des Projektes. So gebe es in Stade Zuliefererbetriebe und mit dem Stader Airbus-Werk die produzierende Industrie. An der Fachhochschule würden derzeit die Ingenieure für das Forschungszentrum ausgebildet, und an einem Recyclingzentrum für CFK werde ebenfalls gearbeitet.

Friedrichs lobt die Zusammenarbeit von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft und spricht von einer bedeutenden Investition in die Zukunft. Das Land Niedersachsen unterstütze das Forschungszentrum mit 19,7 Millionen Euro. Den Rest finanziere die Stadt. „Die Investitionen bekommen wir in den kommenden Jahren über die Mieteinnahmen wieder rein“, sagt Friedrichs.

Größter Mieter beim CFK Nord ist das Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Danach folgen das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und der Flugzeughersteller EADS. Außerdem werden die EADS-Tochter Premium Airotec, die DOW und der Verein CFK-Valley in das Forschungszentrum einziehen. Ihnen stehen rund 450 Quadratmeter Bürofläche und eine 25 Meter hohe Halle mit etwa 11 000 Quadratmetern zur Verfügung. Hinzu kommen Laborräume. Besucher sollen in einem speziellen Bau Wissenswertes über den Werkstoff CFK und das Forschungszentrum erfahren. „Wir nennen das Edutainment“, sagt Friedrichs.

Bisher wurde CFK vornehmlich in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt. Inzwischen sei aber auch die Automobil- und Schienenindustrie an dem Kunststoff interessiert, weil er leicht und stabil sei, sagt Friedrichs. Die Rechnung sei einfach: je weniger Gewicht, desto weniger Energieverbrauch. Daran seien alle Hersteller von Fortbewegungsmitteln interessiert. Noch aber könne CFK nicht durchgehend maschinell verarbeitet werden, viele Arbeitskräfte seien notwendig, was die Produktion verteuere, umreißt Friedrichs eines der Probleme.

Edda Behnken, Geschäftsleiterin des Kompetenznetzwerkes CFK-Valley, sieht neben den wirtschaftlichen Vorteilen auch psychologische Effekte. Das Forschungszentrum setze gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise ein wichtiges Signal, sei ermutigend für die Arbeitnehmer. Von Vorteil sei die Finanzierung des Forschungszentrums aus öffentlichen Mitteln. Die Unternehmen könnten hier unabhängig von Konjunktur und Auftragslage forschen, sagt Behnken. Sie ist überzeugt: „CFK ist der Werkstoff der Zukunft. Das Forschungszentrum macht Stade noch wettbewerbsfähiger.“

Wenn Tiefbauarbeiter demnächst Stades Zukunft in die Hand nehmen, wird einer seinen Job bereits erledigt haben: Stades Stadtarchäologe Andreas Schäfer. Der hat das Gelände in Stade-Ottenbeck in der zurückliegenden Zeit umgegraben und nach Funden aus Stades Historie gesucht.

ddp