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Niedersachsen Stahlhersteller Salzgitter trotz der Belebung der Stahlmärkte skeptisch
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Stahlhersteller Salzgitter trotz der Belebung der Stahlmärkte skeptisch
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17:21 08.06.2010
Der Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG, Wolfgang Leese (links) mit seinem Nachfolger im Amt, Heinz Jörg Fuhrmann. Quelle: dpa
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Vorstandschef Wolfgang Leese sagte bei der Hauptversammlung am Dienstag in Braunschweig „Die immensen kurzfristigen Kosten- und Preisschwankungen der Rohstoffe minimieren jegliche Planungssicherheit.“ Der Vorstand hält lediglich ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis für möglich.

Im April und Mai musste Salzgitter nach zwei Quartalen mit kräftigen Erholungen bei den Aufträgen nun Rückschläge hinnehmen. Die Stahlnachfrage gab wieder nach, nachdem sie Ende 2009 und Anfang 2010 “überraschend“ kräftig gestiegen war. Ob es sich dabei ausschließlich um technische Nachholeffekte wegen der in der Wirtschaftskrise abgebauten Vorräte oder um spekulationsgestriebenes Bestellverhalten handelte, ließ der Vorstandschef offen.

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Ende März hatte das Unternehmen für 2010 noch einen Vorsteuergewinn im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich in Aussicht gestellt. Doch dann setzten die globalen Rohstoffkonzerne massive Preiserhöhungen durch, so dass Salzgitter Mitte Mai die Prognose senken musste. Da die Bergbaukonzerne zugleich ein Ende des jahrzehntelang praktizierten Systems langfristiger Rohstoffverträge erwirkten, ist die Unsicherheit aus Sicht der Stahlunternehmen deutlich gewachsen. Preise für Eisenerz und Kokskohle werden nun nur noch quartalsweise und nicht mehr für ein ganzes Jahr festgelegt.

„Das hat die Lage der Stahlhersteller drastisch verschärft“, sagte Lesse. Salzgitter versucht nun wie die Konkurrenten, auch bei den Kunden kurzfristige Verträge durchzusetzen. „Das funktioniert bei einigen, bei anderen nicht“, erklärte Leese. Er äußerte zudem die Erwartung, dass auch im dritten Quartal die Rohstoffkonzerne Preiserhöhungen erreichen werden. Insgesamt geht das Unternehmen davon aus, dass die Kosten für die Rohstahlerzeugung in diesem Jahr um rund 40 Prozent steigen werden.

Im vergangenen Jahr hatte Salzgitter erstmals seit 16 Jahren Verluste geschrieben. Leese sprach von einem der schwierigsten Jahre der Konzerngeschichte. Unterm Strich musste das Unternehmen einen Verlust von 387 Millionen Euro hinnehmen. Im Vorjahr hatte der Stahl- und Röhrenhersteller noch knapp 677 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Salzgitter war von der Krise massiv getroffen worden. Die Rückgänge bei den wichtigsten Kunden - wie im Auto- und Maschinenbau - hatten zu einem dramatischen Schwund bei Aufträgen und Auslastung geführt. Die Preise verfielen. Der Umsatz brach um mehr als ein Drittel auf 7,8 Milliarden Euro ein. Trotzdem kam Salzgitter ohne einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen aus. Auch im ersten Quartal 2010 musste Salzgitter erneut einen, wenn auch deutlich begrenzten, Verlust hinnehmen.

Die Aktionäre bekamen die schlechte Geschäftsentwicklung durch eine drastisch gesunkene Dividende zu spüren. Nach 1,40 Euro pro Aktie im vergangenen Jahr schüttet Salzgitter nun nur 25 Cent pro Anteilschein aus. Dennoch gab es bei der Hauptversammlung Lob für den Vorstand. „Salzgitter steht wie ein Fels in der Brandung“, sagte etwa Wolfgang Aleff von der Gesellschaft für Wertpapierinteressen. Der Abstieg aus dem Börsen-Leitindex Dax wurde nicht als dramatisch bewertet. „Für unsere tägliche Arbeit macht das keinen Unterschied“, sagte Vorstandschef Leese.

dpa