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Niedersachsen Bußgeld treibt Salzgitter AG in rote Zahlen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen

Stahlkartell: Bußgeld treibt Salzgitter AG in rote Zahlen

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17:06 12.12.2019
Die Hauptverwaltung der Salzgitter AG: Der Konzern rutscht 2019 in die roten Zahlen. Quelle: Salzgitter
Hannover

Wegen Preisabsprachen bei Stahlblechen hat das Bundeskartellamt gegen die Hersteller ThyssenKrupp, Salzgitter und Voestalpine Bußgelder von insgesamt rund 646 Millionen Euro verhängt. Die Konzerne hätten sich zwischen Mitte 2002 und Juni 2016 regelmäßig über die Höhe von Aufpreisen und Zuschlägen für bestimmte Quartobleche in Deutschland abgestimmt, teilte die Behörde am Donnerstag in Bonn mit. Durch die Geldstrafe wird die Salzgitter AG im laufenden Geschäftsjahr in die rote Zahlen rutschen.

Quartobleche sind warm gewalzte Stahl-Flacherzeugnisse, die insbesondere im Stahl- und Brückenbau, bei der Fertigung von Kesseln und Druckbehältern sowie bei der Produktion von Türmen für Windkraftanlagen oder für den Bau von Pipelines benötigt werden. Im Fall der Salzgitter AG richten sich die Vorwürfe des Kartellamts gegen die Tochter Ilsenburger Grobblech GmbH. Der Konzern bestätigte auf Anfrage, dass es zu einer „einvernehmlichen Beendigung eines Ermittlungsverfahrens des Bundeskartellamts“ gekommen sei.

Hersteller wollten mit Kunden nur über Basispreise verhandeln

Zur Höhe der Kartellstrafe wollte sich die Salzgitter AG nicht äußern. Bereits im September hatte der Konzern mitgeteilt, dass in Erwartung des Bußgeldes die Risikovorsorge um 141 Millionen Euro aufgestockt worden sei. Dem Vernehmen nach muss der Hersteller insgesamt 210 Millionen Euro überweisen. Der Löwenanteil liegt mit 370 Millionen Euro bei ThyssenKrupp, auf Voestalpine entfallen 65,5 Millionen Euro. Die ebenfalls an den Absprachen beteiligten Dillinger Hüttenwerke müssen keine Strafe zahlen, weil sie als Kronzeuge auf das Kartell hingewiesen haben.

Nach Angaben der Bonner Behörde setzte sich der Preis für Quartobleche in Deutschland traditionell aus einem Basispreis und diversen Aufpreisen und Zuschlägen zusammen. Die Aufpreise wurden für die Erfüllung bestimmter Qualitätsmerkmale wie etwa die besondere Festigkeit oder Zähigkeit der Bleche, aber auch für zusätzliche Leistungen wie beispielsweise Ultraschallprüfungen erhoben. Die Zuschläge betrafen bestimmte Einsatzstoffe bei der Produktion bestimmter Quartobleche. Ziel der Absprache unter den Herstellern war es demzufolge, mit den Kunden möglichst nur über die Basispreise und nicht über diese Aufpreise und Zuschläge verhandeln zu müssen, erklärte das Kartellamt.

Bei Salzgitter laufen die Geschäfte schlecht

Für die Konzerne kommen die Kartellstrafen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wegen der schwächelnden Konjunktur hat die Nachfrage abgenommen – bereits seit Mitte 2018 kommen weniger Aufträge herein. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres ist der Umsatz von Salzgitter um rund 4 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro gesunken, unter dem Strich steht ein Verlust von knapp 30 Millionen Euro – nach einem Überschuss von 194 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Bereits im Februar hatte der Konzern seine Erwartungen nach unten korrigiert, Ende September folgte die zweite Gewinnwarnung – dieses Mal wegen der erwarteten Kartellstrafe.

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