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Niedersachsen Unify schließt 40 von 49 Standorten
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Unify schließt 40 von 49 Standorten
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00:21 22.06.2014
Von Jens Heitmann
„Das ist jetzt die fünfte Restrukturierung seit Oktober 2006“: Die Siemens-Niederlassung in Laatzen, auch Arbeitsstätte für 165 Unify-Beschäftigte. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

 Nach Angaben aus Arbeitnehmerkreisen will das auf Firmentelefon-Lösungen spezialisierte Unternehmen 40 seiner 49 Standorte in Deutschland schließen – im Norden sollen nur die Filialen in Laatzen und Hamburg bestehen bleiben, die Niederlassungen in Bremen, Kiel und Rostock stünden hingegen vor dem Aus, hieß es gestern. Unify schreibt seit Längerem rote Zahlen und will nach eigenen Angaben etwa jeden zweiten Arbeitsplatz streichen. Von weltweit rund 7700 Stellen sollen 3800 wegfallen, etwa die Hälfte davon in der Region Zentraleuropa.

„Das ist jetzt die fünfte Restrukturierung seit Oktober 2006“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Helmut Dombrowski. Seinerzeit hatte Unify in Deutschland noch 6000 Mitarbeiter, seither habe sich die Zahl halbiert. Nach dem jetzt angekündigten Umbau sollen nur noch 1400 Beschäftigte übrig bleiben. Besonders hart trifft es offenbar die Zentrale in München: Sie soll in die Schweiz verlagert werden. Dort arbeiten noch mehrere Hundert ehemalige Siemensianer.

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Unify begründet den Schrumpfungskurs mit veränderten Markt­bedingungen. In der Vergangenheit hat das Unternehmen sein Geld vor allem mit Telefonanlagen verdient – der Trend geht inzwischen klar in Richtung Software. Kunden aus dem Mittelstand etwa stellen ihre IT-Infrastruktur auf den Prüfstand und fordern von Anbietern wie Unify Systemslösungen ein, bei denen Sicherheitsaspekte immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Dieser Markt sei zum einen sehr umkämpft, zum anderen änderten sich die Anforderungen rasant, heißt es bei Unify. Auch andere etablierte Konkurrenten wie Alcatel-Lucent, Cisco oder Avaya leiden unter der Konkurrenz von Newcomern und dem wachsenden Preisdruck.

Wegen des scharfen Wettbewerbs müsse das Unternehmen schlanker werden, teilte Unify mit. Künftig werde der Schwerpunkt der Firma unter anderem bei der Entwicklung von Software liegen. Das Unternehmen ist aus der früheren Siemens-Sparte Enterprise Communications hervorgegangen und gehört noch zu 49 Prozent dem Konzern. Die übrigen 51 Prozent der Anteile hält seit 2008 der US-Finanzinvestor Gores Group.

In Laatzen beschäftigt Unify heute 165 Mitarbeiter. Wie viele davon am Ende übrig bleiben werden, sei unklar, sagte Dombrowski. „Wir befürchten einen weiteren Abbau.“ Konkret stehe besonders die Servicesparte unter Druck, die Anlagen installiere und warte – hier sei eine Auslagerung geplant. „Aber es wird keinen Bereich geben, in dem nichts passiert“, sagte der Betriebsrat. Unify wolle das gesamte Unternehmen in eine neue Gesellschaft überführen.

Damit steht auch die Tarifbindung infrage: Bei Unify gilt ein Ergänzungstarifvertrag – im Unterschied zum Flächentarifvertrag der IG Metall gilt im Unternehmen die 37-Stunden-Woche, und es gibt weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld. Für nächsten Dienstag hat die Gewerkschaft zu einer Protestkundgebung in Laatzen aufgerufen.

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