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Niedersachsen Stillstand von Windrädern kostet Stromkunden Millionen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Stillstand von Windrädern kostet Stromkunden Millionen
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08:36 02.11.2011
Von Margit Kautenburger
Ein veraltetes Stromnetz sorgt dafür, dass Windräder still stehen. Quelle: dpa
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Hannover

Das ist nicht nur für die Windkraftbetreiber ärgerlich, sondern auch für die Verbraucher. Sie zahlen letztlich für den nicht genutzten Strom. 2010 belief sich der Wert der vernichteten Strommenge nach Angaben des Bundesverbands Windenergie (BWE) auf zwölf Millionen Euro.

Nach einer Studie hat sich der Stillstand von Windrädern zwischen 2009 und 2010 mindestens verdoppelt. 2010 schalteten die Netzbetreiber wegen Überlastung ihrer Netze an 107 Tagen bis zu 1085-mal Windanlagen ab. Das sind 285 Abschaltungen mehr als 2009. Ursache seien Überlastungen im Hochspannungsnetz und an Umspannwerken, heißt es in der Studie. „Das sind alarmierende Werte. Hier geht wertvoller Strom verloren, weil der Netzausbau verschleppt wird“, kritisiert der Präsident des Branchenverbands BWE, Hermann Albers.

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Allein 2010 gingen laut der Studie 150 Gigawattstunden Windstrom verloren. Mit der Menge können 37 500 Haushalte ein Jahr lang versorgt werden. Die Bundesregierung hatte den 2010 vernichteten Windstrom zuletzt mit 127 Gigawattstunden angegeben. Die Deutsche Energie-Agentur (DENA) hat errechnet, dass allein 3600 Kilometer Höchstspannungsleitungen neu gebaut werden müssen, um den Windstrom von der Küste zu den Verbrauchern in den Ballungszentren zu leiten. Doch auch im Verteilnetz gebe es großen Nachholbedarf, sagte ein DENA-Sprecher am Dienstag.

Für die Stillstandszeiten werden letztlich die Stromkunden zur Kasse gebeten. Kann die Einspeisung von Windstrom nicht gewährleistet werden, müssen die Windparkunternehmen für den potenziell produzierten Strom entschädigt werden. Die Netzbetreiber holen sich das Geld dann über die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vom Verbraucher zurück. Der Bundesverband Windenergie fordert eine Änderung dieser Praxis: Eine größere Eigenhaftung der Netzbetreiber könne den Anreiz zu einem rascheren Ausbau der Netze deutlich erhöhen.

Betroffen von den Abschaltungen ist vor allem der Norden und der Nordosten. Die EWE NETZ in Oldenburg, bei der die Hälfte des durchgeleiteten Stroms aus erneuerbaren Energien stammt, musste in diesem Jahr bereits 225-mal Windstrom reduzieren, um Überlastungen zu vermeiden – doppelt so oft wie im Vorjahr. Von einer Erhöhung der Eigenhaftung hält das Unternehmen nichts: Dies würde die Betreiber, in deren Netzen ein hoher Anteil erneuerbarer Energien fließe, benachteiligen.

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