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Niedersachsen Stimmung im niedersächsischen Handwerk wird wieder besser
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Stimmung im niedersächsischen Handwerk wird wieder besser
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07:29 10.08.2010
Von Dirk Stelzl
Viele niedersächsische Handwerksbetriebe haben wieder mehr Arbeit – und suchen auch noch Lehrlinge. Quelle: ap
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Nach Umsatzeinbußen im Krisenjahr 2009 und einem schwierigen Auftakt im laufenden Jahr bekommen die niedersächsischen Handwerksbetriebe wieder mehr Aufträge. Die Stimmung in dem Wirtschaftszweig verbessere sich deutlich, sagte der Vorsitzende der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen, Peter Voss, am Montag in Hannover. Zurückzuführen sei dies auf Nachholeffekte, noch ausstehende Aufträge aus dem zweiten Konjunkturpaket sowie wieder anziehende Aufträge für Betriebe in industrienahen Handwerksbranchen, etwa bei Metallbauern oder Feinwerk- und Landmaschinenmechanikern.

Die Umsätze der niedersächsischen Handwerker dürften nach Einschätzung der Kammern in diesem Jahr um ein Prozent zulegen. Die Beschäftigung bleibe voraussichtlich stabil oder werde sich leicht erhöhen. Im vergangenen Jahr verringerten sich die Erlöse allerdings um 4,6 Prozent auf 37 Milliarden Euro. Besonders bei unternehmensnahen Dienstleistern und im Bauhauptgewerbe schrumpften die Umsätze.

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Die Betriebe haben dennoch ihre Mitarbeiter weitgehend gehalten: Die Beschäftigung ging den Angaben zufolge nur um 0,6 Prozent zurück. Das niedersächsische Handwerk habe die Krise insgesamt gut gemeistert, sagte Voss. Im Jahresdurchschnitt beschäftigten die Unternehmen 427 000 Mitarbeiter.

Was die mittelfristigen Konjunkturaussichten betrifft, bleiben die Kammern jedoch vorsichtig. „Es schwingen einige Unsicherheiten mit“, sagte Voss. Belastungen für den Wirtschaftszweig drohten durch die geplante Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge sowie Kürzungen bei öffentlichen Bauaufträgen, zum Beispiel wegen des Sparpakets der Landesregierung.

Verärgert sind die Handwerker wegen der Ökosteuerpläne der Bundesregierung, die voraussichtlich höhere Kosten für kleinere Betriebe zur Folge hätten. So solle der sogenannte Sockelbetrag bei der Stromsteuer von 512,50 auf 5000 Euro angehoben werden. Bis zu dieser Grenze müssen Betriebe unabhängig von ihrer Energieintensität den vollen Steuersatz zahlen. Sobald der Betrag überschritten wird, kann das produzierende Gewerbe Steuerermäßigungen in Anspruch nehmen – was besonders größeren Firmen zugute kommt.

Der Sockelbetrag bedeute, dass viele Handwerksbetriebe den vollen Steuersatz entrichten müssten und nicht wie größere Unternehmen von Ermäßigungen profitierten, erklärten die Kammern. Durch eine höhere Grenze würden Kleinbetriebe zusätzlich diskriminiert. „Das Handwerk hat sich als Stabilisator in der weltweiten Krise gezeigt. Es kann nicht sein, dass jetzt wieder die Kleinbetriebe zu den Lastenträgern der Nation werden und einen weit überproportionalen Beitrag zur Haushaltssanierung leisten müssen.“ Nach Berechnungen des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen müssten nach einer Umsetzung der Pläne Handwerksbetriebe mit 20 bis 100 Beschäftigten in etwa fünfmal so viel Stromsteuer zahlen wie vorher.