Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Stürmisches Wachstum beim Hofbrauhaus Wolters
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Stürmisches Wachstum beim Hofbrauhaus Wolters
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:45 15.07.2012
Die Flaschenabfüllung im Hofbrauhaus Wolters. Quelle: Archiv
Anzeige
Braunschweig

Es klingt fast wie ein Märchen. Der deutsche Biermarkt schrumpft, viele Brauereien kämpfen ums Überleben – die Privatbrauerei Hofbrauhaus Wolters dagegen erlebt stürmisches Wachstum. Das hätte sich der frühere Eigner InBev, größter Bierkonzern der Welt, wohl nicht träumen lassen, als er die Braunschweiger Regionalbrauerei 2006 dem Quartett früherer Gilde-Manager um Peter Lehna verkaufte.

Aber auch die Erwartungen der neuen Eigentümer wurden 2011 weit übertroffen, wie Geschäftsführer Lehna berichtet. Geplant war, beim Absatz die Marke von 500.000 Hektolitern zu überspringen. Tatsächlich wurden laut Lehna sogar rund 640.000 Hektoliter Bier verkauft, nach 470.000 Hektolitern im Jahr zuvor – ein dickes Plus von gut 36 Prozent also.

Anzeige

Der Umsatz legte von 27 Millionen auf rund 32 Millionen Euro zu. Nach Steuern hat das Unternehmen wie im Vorjahr etwa 0,5 Millionen Euro verdient. Davon sieht das Eigentümer-Quartett jedoch nichts. Der Gewinn wurde wieder zur Stärkung des Eigenkapitals verwendet, das von 1,4 auf 1,95 Millionen Euro gestiegen ist.

Auch 2012 läuft das Geschäft der Traditionsbrauerei rund. Die Absatzmarke von 700.000 Hektolitern „werden wir mit Sicherheit knacken“, kündigt der Wolters-Geschäftsführer an. Die Kapazitäten seien ausgelastet. Derzeit werde im Drei-Schicht-Betrieb an sechs Tagen in der Woche gearbeitet, teilweise auch sonntags. Das hänge mit Baumaßnahmen in der Abfülltechnik zusammen. Inzwischen sind bei Wolters 130 Mitarbeiter beschäftigt, im Jahr davor waren es 120.

Den größten Teil des Absatzzuwachses im vergangenen Jahr haben allerdings Lohnbrauaufträge gebracht, wie Lehna erklärt. So sei das Geschäft mit der Achimer Firma Ahlers stark ausgebaut worden. Für den größten niedersächsischen Getränkefachgroßhändler, der auch eigene Getränkemärkte („Hol ab“, „Big Durst“) betreibt, stellt Wolters seit 2011 die „alte Bremer Marke“ Hemelinger her. Ausstoßzahlen wollte Lehna jedoch nicht nennen.

Auch für das niederländische Vertriebsunternehmen United Dutch Breweries (UDB), das früher ebenfalls zu InBev gehörte, produzieren die Braunschweiger etwa 20 verschiedene Marken und Sorten, die UDB in Asien und Afrika vermarktet. Die Holländer ließen bei Wolters brauen, weil „wir auch kleine Chargen problemlos herstellen können“, erklärt Lehna.

Trotz des Eigentümerwechsels produziert Wolters zudem weiterhin das Pils für den lokalen Konkurrenten Feldschlösschen. Den hatte Carlsberg an das Frankfurter Brauhaus in Frankfurt/Oder weitergereicht. Konkurrenz im eigenen Haus ziehe man sich durch diese Kooperation nicht heran, sagt Lehna. Wolters sei Marktführer in Braunschweig und Feldschlösschen stark in Wolfsburg, Helmstedt und Königslutter.

Insgesamt sichert das Geschäft mit den Handelsmarken 65 Prozent des Wolters-Absatzes. Die übrigen 35 Prozent entfallen auf die Wolters-Marken wie Wolters Pilsener, Schwarzer Herzog und Wolters Märzen. Aber auch die hätten 2011 kräftig um 5 Prozent zugelegt, berichtet Lehna. Rund 90 Prozent des heimischen Absatzes erzielt die Brauerei in der Region Braunschweig. Das soll sich ändern. Derzeit werde die Ausdehnung des Marktgebietes in Richtung Lüneburg, Harz und bis nach Magdeburg intensiv betrieben, berichtet der Geschäftsführer.

Helfen soll dabei auch das neue Wolters Radler, das seit dem Frühjahr auf dem Markt ist. Lange hatte sich Lehna gegen die Einführung von Biermischgetränken gesträubt, weil er Anhänger des klassischen Bieres ist. Aber Handel und Gastronomie hätten keine Ruhe gegeben, sagt er.

Um den richtigen Geschmack zu treffen, habe man die Verbraucher per Umfrage vor Supermärkten und Kostproben in die Produktentwicklung miteinbezogen. Herausgekommen ist ein Radler, das je zur Hälfte aus Zitronenlimonade und Wolters Pilsener Premium besteht und deshalb laut Lehna etwas herber als vergleichbare Produkte schmeckt. Offenbar kommt die Mixtur an. Es sei schon doppelt so viel davon verkauft worden, wie für das ganze Jahr geplant. Trotzdem soll das Radler das einzige Mischgetränk im Wolters-Sortiment bleiben.

Carola Boese-Fischer

Lars Ruzic 13.07.2012
Niedersachsen Zweistelliges Wachstum - VWN hält sich im Plus
Lars Ruzic 12.07.2012