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Niedersachsen Symrise wächst kräftig und erweitert
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Symrise wächst kräftig und erweitert
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19:26 05.05.2015
Von Lars Ruzic
Was schmeckt Katzen? Symrise sieht im Bereich der Heimtiernahrung noch großes Wachstumspotenzial. Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Die milliardenschwere Übernahme des französischen Diana-Konzerns und der schwache Euro lassen Erlöse und Gewinne des Aroma- und Duftstoffriesen Symrise in bislang ungekannte Höhen schnellen. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 42 Prozent auf 668 Millionen Euro. Der Gewinn legte um nahezu ein Drittel auf 68 Millionen Euro zu. „Wir hatten einen Jahresauftakt nach Maß“, sagte Konzernchef Heinz-Jürgen Bertram. „Trotz Unsicherheiten in einzelnen Märkten bleiben wir auch für die kommenden Quartale zuversichtlich.“

Derzeit wächst der Konzern in allen Segmenten. Einen weiteren Schub soll eine gut 20 Millionen Euro teure Investition am Sitz in Holzminden bringen. Symrise hat die Kapazitäten im Bereich kosmetischer Wirkstoffe ausgebaut. Die Anlagen, die unter anderem natürliche Konservierungsmittel und Anti-Aging-Präparate herstellen sollen, nehmen zur Jahresmitte die Produktion auf. Hier hätten die bestehenden Kapazitäten zuletzt schlicht nicht mehr ausgereicht, berichtete ein Symrise-Sprecher.

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Hinzu soll bis 2017 ein neues Logistikzentrum vor den Toren der Stadt kommen. Hier befindet sich der Konzern noch in der Abstimmung mit den Behörden. Das Wachstum von Symrise hat zu einem drastischen Anstieg des Lkw-Verkehrs in Holzminden geführt - zumal der Konzern seit einem Streit mit der Bahn über keinen eigenen Schienenanschluss mehr verfügt. Die Situation wolle man schnellstmöglich entschärfen, hieß es. Wie viele Jobs durch die Investitionsprojekte geschaffen werden, steht noch in den Sternen. Symrise zählt weltweit 8270 Mitarbeiter, mehr als ein Viertel davon in Holzminden.

Der stille Aromenkonzern

Zwischen 30- und 60-mal am Tag kommen Normalverbraucher mit Produkten aus Holzminden in Berührung – wenn sie essen, trinken, sich die Zähne putzen, sich eincremen oder die Wohnung und Wäsche reinigen. Aromen sowie Duft- und Pflegestoffe von Symrise finden sich in vielen Produkten, vom Kaugummi bis zum Edelparfüm. Allein die Vanillearomen des im M-Dax notierten Konzerns werden pro Jahr in rund 6 Millionen Tonnen Lebensmitteln verwendet. Mit Symrise-Gewürzmischungen auf Zwiebelbasis werden jährlich 7,85 Milliarden Tüten Chips produziert. Zum Zuliefererschicksal gehört, dass Symrise nicht über seine Kunden sprechen darf. Besonders ausgeprägt ist diese Geheimhaltung bei der Parfümherstellung. Das erklärt schon die Kostenverteilung bei dem Produkt: Das, worauf es ankommt – das Parfüm­öl – lassen sich Markenartikler von Firmen wie Symrise zusammenmischen. Es macht aber nur 1,2 Prozent der Produktkosten aus. Der Rest entfällt auf Verpackung, Marketing und Vertrieb. Mit der gerade abgeschlossenen Übernahme von Diana dürfte Symrise zur weltweiten Nummer drei der Branche aufsteigen.

An der Börse kamen Bertrams Wachstumspläne gut an. Mit einem Plus von zeitweise mehr als 5 Prozent war der Konzern gestern Tagesgewinner im Mittelwerte­segment M-Dax. Symrise ist damit an der Börse inzwischen mehr als 7 Milliarden Euro wert. Die Anleger überzeugte vor allem, dass der Zulieferer der Nahrungsmittel-, Körperpflege- und Haushaltsmittelindustrie auch ohne Sonder- und Währungseffekte stärker zugelegt hat als der Markt. Bereinigt blieb ein Umsatzplus von 6 Prozent. Dabei profitierte Symrise von einer Rückkehr des europäischen Heimatmarkts. Selbst in Südeuropa ziehe das Geschäft inzwischen wieder an, so der Sprecher.

Das kommt auch der französischen Tochter Diana zugute, die Symrise Mitte 2014 für 1,3 Milliarden Euro erworben hatte und die inzwischen komplett in den Konzern integriert ist. Sie fungiert als interner Zulieferer von Agrarrohstoffen und ist auf Aromen für Heimtier- und Babynahrung spezialisiert. „Diana hat unsere Erwartungen nach der Integration mehr als erfüllt“, sagte Bertram. Die Franzosen, die deutlich stärker auf den europäischen Markt ausgerichtet sind als die Konzernmutter, legten um 16 Prozent zu.

Vor allem im Bereich der Baby- und Heimtiernahrung sieht Bertram für Diana noch weiteres Wachstumspotenzial. Derzeit versucht der Konzern, dem Geschmackssinn von Katzen auf die Spur zu kommen. Dazu ist Symrise eine Partnerschaft mit einem Forschungsunternehmen eingegangen. Mit einer neuartigen Zelltechnologie wird dabei die Geschmackssensorik der Katzen erforscht. Aromen für Tierfutter sind ein Wachstumsmarkt.

Stefan Koch 05.05.2015
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