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Niedersachsen TUI-Chef Mangold treibt die Spesen in die Höhe
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUI-Chef Mangold treibt die Spesen in die Höhe
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00:15 15.02.2013
TUI-Aufsichtsratschef Klaus Mangold hat lange nach einem Nachfolger für Michael Frenzel gesucht – und ist dafür viel geflogen. Quelle: dpa
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Hannover

Ein paar Monate zuvor war man im Berliner „Regent“ zu Gast, ebenfalls ein 5-Sterne-Haus. Auch diese Ausgaben haben dazu beigetragen, dass sich die Reisekosten für den Aufsichtsrat zuletzt mehr als verfünffacht haben.

Der eigentliche Grund für die Explosion der Spesen sitzt jedoch an der Spitze des Gremiums: Aufsichtsratschef Klaus Mangold ist für die Aufblähung des Etats fast im Alleingang verantwortlich – zuletzt entfielen mehr als 80 Prozent der gesamten Ausgaben auf seine Reisen, wie aus den Abrechnungsunterlagen hervorgeht, die der HAZ vorliegen. Im vergangenen Jahr addieren sich seine Reisekosten schon bis Oktober auf rund 370.000 Euro. Zum Vergleich: 2010 summierten sich die Spesen aller TUI-Aufsichtsräte nur auf rund 73 000 Euro.

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Mangold wurde vor genau zwei Jahren ins Amt gewählt – mit dem Ziel, einen Nachfolger für den langjährigen Vorstandschef Michael Frenzel zu finden und anschließend den Konzern so auszurichten, dass die Aktionäre wieder eine Dividende erhalten. Im Frühjahr 2012 galt der damalige ThyssenKrupp-Stahlchef Edwin Eichler als geeigneter Kandidat, durch eine Indiskretion scheiterte die Personalie jedoch.

Dieser Fehlschlag hatte offenbar eine hektische Reisediplomatie zur Folge: Im Juni 2012 macht Mangold Auslagen von 72.193,91 Euro geltend, im Juli 24.690,72 Euro, im August 23.225,50 Euro, im September 69.357,80 Euro und im Oktober noch einmal 50.956,26 Euro. Frenzels Nachfolger stand indes schon Ende Juli fest: Da wurde Friedrich Joussen als neuer TUI-Chef auch offiziell bekannt gegeben.

Mangold empfindet die hohen Kosten nicht als Problem. Er habe 2012 mehr als 80 Termine für den Konzern wahrgenommen, darunter auch zahlreiche im Ausland, teilte er am Dienstag auf Anfrage mit: „Das Präsidium der TUI AG hat mir dafür die gelegentliche Benutzung von Geschäftsflugzeugen bereits 2011 genehmigt.“ Was unter „gelegentlich“ konkret zu verstehen ist, blieb offen. Die „überproportional hohe Wahrnehmung von Terminen“ sei insbesondere begründet durch „die auslandsrelevanten Diskussionen über die Strategie der TUI AG und durch ein Übermaß von Personalgesprächen im Hinblick auf die Neubesetzung von Positionen in Vorstand und Aufsichtsrat“, erklärte Mangold. Im Übrigen werde „ein nicht unerheblicher Teil“ seiner Reiseauslagen nicht der TUI in Rechnung gestellt, sondern von seiner eigenen Firma getragen. Mangold betreibt eine Consultinggesellschaft, die Wirtschaftskontakte zwischen Mitteleuropa und Russland vermittelt.