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Niedersachsen TUI bereitet Haustarifvertrag vor
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUI bereitet Haustarifvertrag vor
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00:16 17.01.2014
Von Jens Heitmann
In der Zentrale von TUI Deutschland in Hannover laufen Verhandlungen über einen Haustarifvertrag. Quelle: dpa
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Hannover

„Dieser Schwebezustand kann kein Dauerzustand sein“, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag in Hannover. Erste  Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft ver.di seien bereits vielversprechend angelaufen.

Die DRV-Tarifgemeinschaft hatte den Gehaltstarifvertrag für die rund 70 000 Beschäftigten in der Touristik Ende September 2010 gekündigt. Ihr Ziel war es vor allem, die Entgelte im Vertrieb – also im Wesentlichen in den Reisebüros – stärker an den Umsatz der einzelnen Mitarbeiter zu koppeln. „Wenn das nicht geschieht, riskieren wir eine Spaltung der Tariflandschaften“, hatte deren Verhandlungsführer Volker Fasbender seinerzeit erklärt.

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Die Arbeitgeberseite begründete ihre Forderung mit dem Umbruch in der Branche. Weil die Konkurrenz im Internet immer stärker wird, die Veranstalter ihre Reisen öfter direkt oder über andere Kanäle wie Aldi oder Lidl verkaufen und Fluglinien die Umsatzprovisionen gekürzt oder gestrichen haben, stehen die Inhaber vieler Reisebüros unter Druck. Hunderte sind inzwischen vom Markt verschwunden. Die Gewerkschaft will dennoch verhindern, dass die Entgelte der Vertriebsmitarbeiter von den Löhnen der Beschäftigten im Veranstalterbereich abgekoppelt werden.

Am Verhandlungstisch haben sich beide Seiten in ein Patt manövriert; auch der angerufene Schlichter konnte keinen Kompromiss vermitteln. Weil große Veranstalter wie TUI, Thomas Cook oder Rewe (Tjaereborg, DER) die Gehälter ihrer Belegschaft zwischenzeitlich mehrfach freiwillig angehoben haben, stehen die Tarifunterhändler beider Seiten heute vor einer fast unlösbaren Aufgabe. „Wir müssten zunächst die bereits bezahlten Aufschläge in der Tariftabelle abbilden – das würde auf ein Gehaltsplus von 7,1 Prozent hinauslaufen“, sagte ver.di-Verhandlungsführerin Ute Kittel. Davon hätten die Mitarbeiter aber noch keinen Euro mehr in der Tasche – die eigentlichen Zuschläge müssten dann noch hinzukommen.

Bei der TUI rechnet man augenscheinlich nicht mehr damit, dass dies noch gelingen kann. Zudem ist das Unternehmen derzeit dabei, seine Geschäfte neu zu sortieren: Unter dem Dach von TUI Deutschland in Hannover sollen künftig nur noch zwei Einheiten tätig sein – eine für den Reisevertrieb und eine für den Service drumherum. In letzterer sollen drei Gesellschaften aufgehen, für die bereits eigene Haustarife gelten. Da die TUI-Geschäftsführung hier ohnehin mit der Arbeitnehmerseite verhandeln muss, sollen der Reiseveranstalter und die Reisebüros gleich in die Gespräche einbezogen werden. „Die Gelegenheit ist gerade günstig“, sagte der TUI-Sprecher.

Die Gewerkschaft befürchtet, dass bald auch Konkurrenten wie Thomas Cook und Rewe diesen Weg beschreiten. „Damit wächst die Gefahr, dass der Gehaltstarifvertrag in der Fläche zu einem Mindestlohn wird“, sagte ver.di-Verhandlungsführerin Kittel. Der DRV-Tarifgemeinschaft gehören 100 Mitglieder mit 17 000 Beschäftigten an – ohne die TUI wären es 5500 Mitarbeiter weniger. Damit werde ihr Verhandlungsmandat ausgehöhlt, hieß es bei ver.di.

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